Immer Hertha

Gute Investoren, schlechte Investoren

Hertha BSC will zur nationalen Spitze aufschließen. Das kostet viel Geld. Um welchen Preis?

Regelmäßig wichtige Spiele im ausverkauften Olympiastadion: Der Traum von Hertha BSC

Regelmäßig wichtige Spiele im ausverkauften Olympiastadion: Der Traum von Hertha BSC

Foto: Jan Kuppert/SVEN SIMON / picture alliance / Sven Simon

Die Fraktion „Das-ist-nicht-mehr-mein-Fußball“ blättert bitte weiter. Es geht in dieser Kolumne um Geld, um Investoren und deren Einfluss auf den Fußball.

Die Zahl, um die es geht, ist eine Summe. Genau gesagt die Summe von 123 Millionen Euro. Das ist der Betrag, der für Hertha BSC zusammenkommt, um neben den laufenden Einnahmen für die Zeit zwischen 2014 und 2023 zusätzlich mit 100 Millionen Euro arbeiten zu können. Die eine Tranche (61 Mio.) hat Finanzinvestor KKR zur Verfügung gestellt. Den zahlt Hertha aus und muss dafür 71 Millionen ausgeben. Um die Summe für KKR aufzubringen, hat sich Hertha auf dem Kapitalmarkt 40 Millionen geliehen. Diese Anleihe ist mit 6,5 Prozent verzinst, kostet Hertha also 13 Millionen Euro, wenn sie über die volle Laufzeit bis 2023 geht. Heißt: Um diese 100 Millionen in den genannten neun Jahren zur Verfügung zu haben, muss Hertha zusätzlich rund 23 Millionen aufwenden.

Seriöse Finanzpolitik oder Zockerei

Wie ist das Wirtschaften von Hertha einzuordnen? Bei Immerhertha, dem Blog der Morgenpost, kommt der Nutzer „Fußballgott“ zu dem Urteil: „Für mich ist das wieder keine seriöse Finanzpolitik. Das ist Zockerei auf ganz hohem Niveau. Man wettet auf die Zukunft.“

Schaut man sich in der Branche um, stellt man fest: Mit Ausnahme von Bayern München und deren legendärem Festgeld-Konto und Vereinen, die Geldgeber außerhalb des Fußballs haben (Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim, Leipzig) haben viele Klubs einen massiven Bedarf an zusätzlichen Einnahmen.

Hertha hat bei KKR Wort gehalten

Um die Geldbeschaffung zu beurteilen, stellt sich die Frage: Wieviel Freiheit gibt ein Verein auf, um eine bestimmte Summe zu erhalten? Das Beispiel vom Hamburger SV, wo Mäzen Klaus-Michel Kühne immer mal wieder ins Geschäft eingreift, zeigt: Das nervt nicht nur, das kann auch die Entwicklung des Klubs behindern. 1860 München, mittlerweile in Liga drei unterwegs, ist ebenfalls ein Beispiel dafür, was schief laufen kann mit dem Einstieg eines Investors. Auch bei Drittligist KFC Uerdingen hat der allmächtige Investor Michail ­Ponomarew nicht nur Fans ...

Bei Hertha BSC hatten Präsident Werner Gegenbauer und Finanzchef Ingo Schiller 2014 versprochen, KKR mische sich nicht ins Tagesgeschäft ein. Die Bilanz nach fünf Jahren: Wort gehalten. Zwei KKR-Vertreter saßen im Aufsichtsrat der Hertha-Kommanditgesellschaft. Was immer dort diskutiert wurde, ist intern geblieben. So soll es sein.

Das übergeordnete Ziel, das Manager Michael Preetz verfolgt: Hertha an die Top-6-Klubs der Bundesliga ­heranzuführen. Das kostet – der Leser ahnt es – viel Geld. Seit 2009 ist Preetz im Amt. Ist Hertha seinem Ziel näher gekommen?

Bei einer Super League sitzt Hertha nicht am Tisch

Anfänglich, nach den Abstiegen 2009 und 2011 in die Zweite Liga, hatte Hertha Mühe, überhaupt unter den 16 Klubs zu landen, die regelmäßig Bundesliga spielen. Die gemeinsame Zeit von Hertha und KKR war eine erfolgreiche: Die sportliche Stabilität unter Trainer Pal Dardai führte zu wirtschaftlicher Erholung. In der Fernseh-Tabelle - eine wichtige Einnahmequelle für alle Bundesligisten – ist Hertha mittlerweile auf Rang acht geklettert.

Aber zu der Phalanx der Topvereine um Bayern, Dortmund, Schalke ist Hertha nicht dazugestoßen, wurde zudem von Leipzig überholt. Falls 2024 die jüngst ins Spiel gebrachte Super League der europäischen Superklubs kommen sollte – Hertha wird dann nicht mit am Tisch sitzen.

Der Job von Schiller als Herthas Finanzchef ist es, die Lage positiv zu verkaufen. Demnach sieht die Fassade von Hertha stabil aus. Bei der jetzt aufgenommenen 40-Millionen-Anleihe wird niemand Hertha ins Tagesgeschäft reinreden. Eines allerdings gilt ungeachtet aller Schiller’scher Kochkunst: Auch wenn die Soße anpriesen wird, die hochwertigen Zutaten, mit der die Kröte veredelt ­wurde: Für einen Klub wie Hertha, der bei Investitionsbedarf eben nicht in die Festgeld-Abteilung abbiegen kann, ­sondern sich Geld leihen muss, bleibt das, was er am Ende schluckt, trotz der ­formidablen Soße – eine Kröte.