Fußball

Hertha BSC verliert 1:4 gegen Düsseldorf

Die Berliner konnten sich nicht durchsetzen und warten nun schon seit fünf Spielen auf einen Sieg.

Düsseldorfs Adam Bodzek (r.) und Berlins Valentino Lazaro.

Düsseldorfs Adam Bodzek (r.) und Berlins Valentino Lazaro.

Foto: dpa

Düsseldorf. Nein, mit Fortuna Düsseldorf wird Hertha wohl nicht mehr richtig warm. Beim Aufsteiger, der zuvor sechs Niederlagen in Folge kassiert hatte, unterlagen die Berliner am Sonnabend 1:4 (0:0). Auch wenn diese Pleite nicht so weitreichende Folgen haben wird wie das traumatische Scheitern in der Relegation 2012 (1:2/2:2) – langsam muss sich Hertha sportlich Gedanken machen. Die Mannschaft von Trainer Pal Dardai wartet seit fünf Partien auf einen Sieg. Von 15 möglichen Punkten wurden gerade drei geholt.

Es war ein Tag, an dem Schritt auf Schritt alles schwieriger wurde, und am Ende ging Hertha in einem Negativsog unter. Es begann am Morgen des Spieltags: Weil Marvin Plattenhardt sich mit einem Infekt abgemeldet hatte, rückte Maximilian Mittelstädt links in die Vierer-Abwehrkette. Und es zahlte sich aus, dass das Trainer-Team Derrick Luckassen aus Berlin nachgeholt hatte. Der Innenverteidiger saß in der 11.35-Uhr-Maschine, die von Tegel nach Düsseldorf flog. Nach 25 Minuten Spielzeit war der Niederländer gefordert. Luckassen ersetzte Abwehrchef Niklas Stark, der wegen einer Mittelfuß-Prellung vom Platz musste. Damit nicht genug der Kalamitäten. Nach 41 Minuten kassierte Mittelstädt das, was er eigentlich längst überwunden zu haben meinte: seine zweite Gelbe Karte, gleichbedeutend mit einem Platzverweis. Der erste Karton für ein taktisches Foul ging in Ordnung (27.), doch die zweite Karte, die Schiedsrichter Robert Hartmann zückte, war überhart. Mittelstädt fuhr im Laufduell gegen den Düsseldorfer Jean Zimmer – 80 Meter vor dem eigenen Tor – moderat den Ellenbogen aus, der Fortune ging theatralisch zu Boden, zack, nun spielte Hertha in Unterzahl. Mittelstädt war fuchsteufelswild über die Entscheidung und teilte dies dem Schiedsrichter auch mit.

Joker Davie Selke gelingt lediglich der Ehrentreffer

Für das Eigengewächs war es im 32. Bundesliga-Einsatz seine zweite Ampelkarte. Nachdem er zu Beginn seiner Karriere mehrfach Verwarnungen kassierte, hatten die Trainer intensiv mit Mittelstädt gearbeitet (auch mental), um sogenannte leichte Fouls zu unterlassen. „Ich bin nur neben meinem Gegenspieler hergelaufen“, sagte Mittelstädt, der den Platzverweis komplett ungerecht fand. Sein Verteidigerkollege Karim Rekik sagte, dass beide Beteiligten ihren Anteil hatten: „Maxi ist ein junger Spieler, er muss lernen, wie man nach einer Gelben Karte spielt. Und der Schiedsrichter muss auf Höhe des Düsseldorfer Strafraums nicht so eine Entscheidung treffen.“ Stürmer Davie Selke fand: „Das war ein bisschen hart.“ Dardai schüttelte indes den Kopf über seinen U21-Nationalspieler. „Das war eine unnötige Karte, das war Naivität“, so der Ungar. In der ersten Hälfte hatte Hertha außer einer Großchance für Ondrej Duda, der den Ball aus sechs Metern nicht an Fortunen-Torwart Michael Rensing vorbeibrachte (16.), offensiv nichts zu bieten. „Der Plan nach der Pause war, möglichst lange die Null zu halten und auf Konter zu setzen“, sagte Rekik. Doch diese Idee war nach nur sechs Minuten im zweiten Durchgang dahin. Takashi Usami jagte den Ball unbedrängt ins obere rechte Eck, 0:1 (51.). Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel (64), der Hertha in der Abstiegssaison 2009/10 gecoacht hatte, gab an der Seitenlinie den Derwisch und forderte: draufgehen, nachsetzen. Und Aufsteiger Düsseldorf nutzte das Momentum. Mit dem zweiten Treffer, Rouwen Hennings traf aus Nahdistanz, war die Partie bereits entschieden (63.).

Düsseldorf konnte danach nach Belieben weite Bälle auf die Flügel spielen, sodass die Außenverteidiger Valentino Lazaro und Jordan Torunarigha – zur Pause anstelle von Kapitän Vedad Ibisevic gekommen – stets unter Druck standen. Lazaro schimpfte mehrfach mit seinen Vorderleuten Arne Maier und Vladimir Darida, dass sie dem Gegner zu viel Platz lassen würden.

Und wie das so ist, wenn nichts zusammenläuft: Dem Düsseldorfer Benito Raman reichte ein Sechs-Minuten-Einsatz für zwei Tore (84./90.+2). Bei beiden Gegentreffern rutschte Jordan Torunarigha aus. Dass Herthas Einwechselstürmer Selke zwischendrin noch einen Treffer erzielte (88.), änderte nichts an den Verhältnissen – mit 1:4 unterlag Hertha beim Aufsteiger. „Glückwunsch an den Gegner“, sagte Dardai. „Der Sieg ist verdient, auch in der Höhe.“ Mit Blick auf die Vorwoche, als die Berliner das Heimspiel gegen Leipzig mit 0:3 verloren, sagte Dardai: „Die Länderspielpause kommt für uns im richtigen Moment.“

Eine gute Nachricht zum Schluss: Weil zuletzt viel von den Hertha-Fans die Rede war: Die rund 3000 mitgereisten Anhänger unterstützten die Mannschaft lautstark – und leisteten sich keine weiteren Auffälligkeiten.