Düsseldorf-Trainer Funkel

„Hertha hat das Zeug für Europa“

Vor dem Duell gegen seinen Ex-Klub spricht Düsseldorf-Coach Friedhelm Funkel über den Abstieg mit Berlin 2010 und Potenziale der Klubs.

Friedhelm Funkel ist seit 2016 Trainer von Fortuna Düsseldorf. Zuletzt kassierte sein Team sechs Niederlagen in Serie und ist Letzter in der Bundesliga.

Friedhelm Funkel ist seit 2016 Trainer von Fortuna Düsseldorf. Zuletzt kassierte sein Team sechs Niederlagen in Serie und ist Letzter in der Bundesliga.

Foto: Marius Becker / dpa

Berlin.  Mit Hertha BSC stieg Friedhelm Funkel 2010 ab. Diesen Sommer gelang dem 64-Jährigen mit Fortuna Düsseldorf die Rückkehr in die Bundesliga. Am Sonnabend trifft der Rekordaufstiegstrainer (sechs Mal) erstmals wieder auf die Berliner. Die Morgenpost sprach vor dem Duell mit ihm.

Herr Funkel, zum Einstieg gleich eine Fangfrage. Welche Situation war schwerer: Die mit der Fortuna oder die damals mit Hertha?

Funkel: Ganz klar die Jetzige mit der Fortuna. Man kann die Zeiten nicht mehr miteinander vergleichen. Die Leistungsunterschiede sind viel, viel größer als vor zehn Jahren. Heute hast du als Aufsteiger viel größere finanzielle Nachteile, die Kluft zwischen den einzelnen Klubs ist gigantisch. Früher hattest du noch sieben, acht, neun Mannschaften, die sich mit den Aufsteigern auf einem ähnlichen Niveau befanden. Davon kann heute keine Rede mehr sein.

Das heißt im Umkehrschluss, der Abstieg mit Hertha BSC wäre vermeidbar gewesen?

Ich ärgere mich heute noch darüber, weil es nicht notwendig war. Wir haben viel auswärts gewonnen, zum Teil ganz klar wie beim 3:0 in Hannover. Viele Niederlagen waren sehr unglücklich wie gegen Schalke oder dann die fehlenden Punkte beim 2:2 gegen Leverkusen, wo wir schon 2:0 führten. Bis zum Schluss hatten wir die Chance, in der Liga zu bleiben. Das wünsche ich mir mit der Fortuna auch, dass wir bis zum Ende alles in der eigenen Hand haben.

Sie haben sechs Mal in Serie verloren und sind Letzter. Ist der Kader zu schlecht?

Wir haben Anfang der Saison gezeigt, dass wir mithalten können. Wir stellen neben Nürnberg die unerfahrenste Mannschaft, das rächt sich. Die Spieler machen im Moment einfach zu viele Fehler, sie spielen zu kompliziert. Als Abstiegskandidat muss man sich noch besser wehren und auch mal eklig spielen. In Gladbach (0:3) haben wir gut mitgehalten, aber die Situation, die zum unberechtigten Elfmeter führte, müssen wir schon vorher klären.

Was muss passieren, um gegen Hertha zu gewinnen?

Wir müssen kompromissloser in die Zweikämpfe gehen, ohne unfair zu sein. Die Offensivspieler Ibisevic, Kalou oder die auf den Flügeln müssen wir besser bekämpfen. Bisher hat Hertha der Heimmannschaft auswärts immer wenig Raum gegeben und sich sehr stark präsentiert. Wir werden einen sehr guten Tag benötigen, um sie schlagen zu können.

Was unterscheidet Hertha und die Fortuna aktuell?

Hertha ist als Verein aufgrund der längeren Bundesligazugehörigkeit eine ganz andere Hausnummer. Sie haben Individualisten, die ein Spiel entscheiden können. Wir haben solche Individualisten nicht.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung Ihres ehemaligen Klubs?

Die Entwicklung ist sehr, sehr positiv. Herthas Strategie, die Mannschaft kontinuierlich zu verstärken, zahlt sich jetzt aus. Pal Dardai hat das mit seinem Trainerteam sehr gut hinbekommen, spielerisch ist das eine sehr gute Mannschaft. Hertha muss nicht mehr nach unten schauen, denke ich. Ob es für Europa reicht, hängt auch vom Glück und einigen anderen Faktoren ab. Das Zeug dazu haben sie auf jeden Fall.

Der Verein steht trotz der negativen Bilanz noch hinter Ihnen. Ein besonderes Gefühl?

Das ist nicht alltäglich. Die Verantwortlichen können das alles realistisch einschätzen. Wir sind überraschend aufgestiegen und haben dann in Florian Neuhaus und Genki Haraguchi wichtige Stützen des Aufstiegsteams verloren. Auch das Vertrauen der Fans ist außergewöhnlich. Die unterstützen mich und die Mannschaft, wie ich es noch nie erlebt habe. Trotz der Niederlagen gibt es keine Pfiffe. Aber ich weiß auch, dass wir schnell ein Spiel gewinnen müssen. Am besten schon gegen Hertha.