Javairo Dilrosun

Dank Salomon Kalous Tipps zum Nationalspieler

Javairo Dilrosun hat sich bei Hertha in die holländische Nationalelf gespielt - auch dank Tipps von Salomon Kalou.

Javairo Dilrosun (r.) kam im Sommer von der zweiten Mannschaft Manchester Citys zu Hertha. Dort versteht er sich blendend mit Salomon Kalou (l.).

Javairo Dilrosun (r.) kam im Sommer von der zweiten Mannschaft Manchester Citys zu Hertha. Dort versteht er sich blendend mit Salomon Kalou (l.).

Foto: Moritz Eden / City-Press GbR

Berlin.  Die Stille enttäuschte Javairo Dilrosun. Der Sommer 2018 hatte sich als WM-Sommer angekündigt. Aber als der niederländische Offensivspieler von Hertha BSC seine Ferien zu Hause in Amsterdam verbrachte, traf er nur einen ganz gewöhnlichen Sommer an. Dass gerade eine WM in Russland gespielt wurde, davon merkte er nichts. „Weil wir nicht dabei waren, gab es keine Stimmung“, sagt der 20-Jährige. Vor acht Jahren sei das noch anders gewesen. 2010 zog die niederländische Nationalelf ins WM-Finale ein. Statt Stille überall Lärm. „Da gab es eine tolle Atmosphäre“, sagt Dilrosun, „das habe ich jetzt vermisst.“

Der niederländische Fußball hat eine Talsohle durchlaufen. Er war in den letzten Jahren nicht mehr der niederländische Fußball vergangener Blütezeiten mit Johan Cruyff oder Marco van Basten, sondern nur noch ein ganz gewöhnlicher. Die Elftal verpasste vor der WM auch die EM. Dass es bei den nächsten Turnieren aber wieder eine tolle Atmosphäre in den Niederlanden geben wird, davon ist Dilrosun überzeugt. Und es könnte sein, dass er selbst sogar dazu beitragen wird.

Gegen Frankreich und Deutschland erstmals im A-Elf-Aufgebot

Am Freitag, einen Tag vor Herthas Auswärtsspiel gegen den Aufsteiger und Tabellenletzten Fortuna Düsseldorf (15.30 Uhr/Sky), gab der niederländische Verband sein Aufgebot für die beiden Länderspiele in der Nations League gegen Frankreich (16.11.) und Deutschland (19.11.) bekannt. Der Berliner Mittelfeldspieler steht zum ersten Mal im Kader. Es handelt sich hier um eine bemerkenswert rasante Aufstiegsgeschichte, die ohne Hertha BSC wohl so nicht geschrieben worden wäre.

„Dabei zu sein, ist eine große Ehre für mich. Ich bin unglaublich glücklich“, sagt Dilrosun. Dass er zuvor schon im erweiterten Aufgebot geführt wurde, aus dem noch Kandidaten gestrichen werden mussten, hatte der Flügelspieler nur im Internet gelesen. Bonds­coach Ronald Koeman, ein Vertreter der niederländischen Blütezeit, hatte sich nicht bei Dilrosun gemeldet. Das allerdings mag auch daran gelegen haben, dass Dilrosuns Name noch wenig nach Blütezeit klingt. Vor ein paar Monaten spielte der Linksfuß lediglich im Hinterland des Profifußballs. Bei Manchester City, wohin er schon mit 16 Jahren aus der Nachwuchsakademie von Ajax Amsterdam gewechselt war, bestritt er Partien für die U23-Auswahl. Im A-Team von Trainer Pep Guardiola war kein Platz. Und daher zog er einen ablösefreien Transfer nach Berlin vor.

Fünf Torbeteiligungen in den ersten vier Ligaspielen für Hertha

Bei Hertha spielte er sich in kürzester Zeit in Koemans Blickfeld. Nun läuft er nicht mehr gegen die Nachwuchsteams von Sunderland oder Derby County auf wie noch in der vergangenen Saison, sondern womöglich gegen den Weltmeister Frankreich und Ex-Weltmeister Deutschland. „Es geht manchmal alles so schnell im Fußball. Die letzten Monate waren irre für mich“, sagt Dilrosun.

In seinen ersten vier Ligapartien für Hertha schoss der schnelle und dribbelstarke Offensivspieler zwei Tore und bereitete drei Treffer vor. Die Berliner standen auf einem Champions-League-Platz, und über Javairo Dilrosun wurde gestaunt: „Ein ablösefreier Nobody ist derzeit das größte Schnäppchen“, titelte die „Welt“. Herthas Manager Michael Preetz, der Dilrosun aufgespürt hatte und sich gegen hochkarätige Mitbewerber wie Borussia Dortmund und Benfica Lissabon durchsetzen konnte, schwärmte: „Er steht vor einer großen Karriere.“

Gegen Düsseldorf will der 20-Jährige wieder treffen

Doch die erste Euphorie über Hertha und Dilrosun hat sich etwas gelegt. Die Berliner sind nur noch Achter. Dilrosun war seit dem fünften Spieltag an keinem Tor mehr beteiligt. Zuletzt wurde er zweimal nur eingewechselt. Die Gegner haben sich auf seine Vorliebe zum Dribbling über den linken Fuß eingestellt. Hatte Dilrosun den Übergang von Nachwuchsfußball in Manchester zum Männerfußball in Berlin in einer bemerkenswerten Geschwindigkeit geschafft, so braucht es nun eine weitere schnelle Anpassung. „Als ich hier ankam, habe ich die Leute ein bisschen überrascht“, sagt Dilrosun. Nun müsse er eben weiter an sich arbeiten. Vor allem im physischen Bereich. Gegen Düsseldorf heute will er treffen.

Um nicht an sich zu zweifeln, gab ihm sein Mitspieler bei Hertha, Salomon Kalou (33), einen Tipp: „Er hat gesagt: Sei du selbst! Verändere deinen Stil nicht!“, erzählt Dilrosun. Der erfahrene Kalou ist der Meister des Selbstvertrauens bei Hertha. Der junge Dilrosun will sich das abgucken.

Mit den Niederlanden kann Javairo Dilrosun im Übrigen daran arbeiten, dass Deutschland aus der Nations League absteigt. Und langfristig vielleicht, dass es dann bald wieder Stimmung im Land gibt. „Jetzt haben wir viele Talente in Holland. Daraus kann man wirklich etwas aufbauen. Da sind potenzielle Superstars dabei“, sagt Dilrosun. Vielleicht ist ja auch er einer.