Kommentar

Ultras sind auch nur Kunden

Mit den verschärften Maßnahmen in den Fanblocks setzt Hertha BSC ein überfälliges Zeichen und handelt richtig.

Beim Spiel in Dortmund vor einer Woche zündeten Personen im Hertha-Fanblock Pyrotechnik und griffen später die Polizei an.

Beim Spiel in Dortmund vor einer Woche zündeten Personen im Hertha-Fanblock Pyrotechnik und griffen später die Polizei an.

Foto: Bernd Thissen / dpa

Ja, Besucher-Emotionen können sich im Fußball aufs Spielergebnis auswirken und das Erlebnis Stadionbesuch bereichern. Und für werbetreibende Geldgeber sind sie auch interessant. Aber sind die deutschen Ultras und ihre leider oft gesetzesuntreue und gesundheitsgefährdende Folklore deswegen alternativlos? Nein!

Der intransparente Umgang mit der Kundenbeziehung im deutschen Fußball ließ in der Vergangenheit viel zu viele Fehlinterpretationen zu. Herthas aktuelles Vorgehen mit dem Verbot von Bannern und Spruchbändern im Olympiastadion sowie das Aufstocken des Ordnerpersonals sorgt für eine überfällige Präzisierung. Denn die KG.a.A ist bei Spielen ihrer Profimannschaft nun mal Veranstalter und damit Hausherr, bestimmt also ganz allein, was im Stadion gespielt wird und währenddessen erlaubt ist. Wem das nicht passt, braucht nicht hinzugehen. So einfach ist das. Und wer sich nicht an Vorgaben hält wie einige Personen im Hertha-Block beim Spiel in Dortmund vor einer Woche, als es Randale gab, gehört schlichtweg hinauseskortiert. Woanders hieße das Abbruch der Kundenbeziehung.

Haltung zeigen so stark wie noch nie

Mal ein Vergleich: Beim Einweihungskonzert der Verti Music Hall durch Jack White gab es unlängst ein Nutzungsverbot für Handys, sie wurden am Eingang allesamt verpackt und versiegelt. Alle Besucher haben sich daran gehalten, wären ansonsten ja auch des Hauses verwiesen worden. Ähnlich wünscht sich das Hertha, sie wollen doch auch nur ein guter und berechenbarer Gastgeber für alle (Besucher, Rechtehalter etc.) sein.

Ultras sind Kunden, die mehr Rechte einfordern und nehmen, als ihnen zustehen. Viele ignorieren das, leider auch Medien, die Fußball als letztem Lagerfeuer der Nation huldigen. Am Anfang stand und bis heute steht das Spiel im Mittelpunkt, nicht die Trittbrettfahrer, die notfalls sogar gegen Staatsgewalt eskalieren wollen, statt sich ihre Wünsche auf demokratischem Wege zu erkämpfen. Ja, Profi-Fußball wird leider immer mehr Geschäft, aber nein, Deutschland wird sicher keine Bananenrepublik. Deswegen finde ich gut, wenn Hertha Haltung zeigt: stark wie noch nie und ohne Angst vor einer drohenden Eskalation. Ich finde es jedenfalls richtig, wenn Krawallmacher in diesen Tagen nicht hinter Bannern zündeln können.