DFB-Pokal

Herthas Sieg in Darmstadt – Die Bank gewinnt

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Jörn Lange
Maxi Mittelstädt (l.) feiert sein erstes Profi-Tor mit Kollege und Konkurrent Marvin Plattenhardt.

Maxi Mittelstädt (l.) feiert sein erstes Profi-Tor mit Kollege und Konkurrent Marvin Plattenhardt.

Foto: EIBNER/Michael Bermel / imago/Eibner

Hertha profitiert im Pokal von der neuen Kadertiefe. Trainer Dardai hat nach starken Joker-Leistungen nun die Qual der Wahl

Berlin.  Pal Dardai mochte keine Entscheidung treffen. Wen er sich als Gegner im Achtelfinale des DFB-Pokals wünscht, wurde Herthas Chef-Coach am Tag nach dem 2:0 in Darmstadt gefragt. „Es gab Jahre, in denen wir ein gutes Los hatten und trotzdem ausgeschieden sind“, sagte der Ungar und gab sich ganz pragmatisch: „Was kommt, das kommt – für mich ist das egal.“ Nur einen kleinen Zusatz schob Dardai dann doch noch hinterher: „Hauptsache ein Spiel mit vielen Zuschauern! Ich brauche Zuschauer, dann ist es einfacher, Fußball zu spielen.“

Auf wen Hertha im Achtelfinale am 5. oder 6. Februar treffen wird, entscheidet sich am Sonntag ab 18 Uhr. Dann zieht der Blindenfußballer Serdal Celebi den Gegner der Berliner. Dardai hingegen muss sich um andere, dringendere Entscheidungen kümmern. Schon am Sonnabend (18.30 Uhr) ist RB Leipzig zu Gast im Olympiastadion. Die punktgleichen, aber einen Rang besser platzierten Sachsen sollen das nächste Topteam sein, dem seine Elf ein Schnippchen schlägt. Die Frage ist nur: Wie wird diese Elf aussehen?

Der Coach wünscht sich ein Mittelstädt-Tor gegen Leipzig

„Das ist ein Fall für Bauchschmerzen“, hatte der Coach schon nach dem 2:0 in Dortmund am vergangenen Wochenende gesagt. Gemeint war die Wahl des Personals, vor allem hinten links. Dort liefern sich WM-Teilnehmer Marvin Plattenhardt (26) und Maximilian Mittelstädt (21) inzwischen ein heißes Kopf-an-Kopf-Rennen um den Platz in der Startformation. Am Dienstag in Darmstadt durfte Plattenhardt zwar beginnen, doch das bessere Ende erwischte Mittelstädt. Nach seiner Einwechslung erzielte er das 2:0 (88. Minute), mit dem die Partie entschieden war. Nicht nur deshalb war es ein besonderes Tor für das Eigengewächs. Ihm gelang im 36. Anlauf sein erstes Profi-Tor überhaupt.

„Ich hab’ mir gedacht, ich muss den jetzt einfach reinhauen“, sagte Mittelstädt, dessen Portemonnaie trotz des Premierentreffers noch geschont wird. „Ein Pokal-Tor ist etwas anderes als ein Bundesliga-Tor“, erklärte Ex-Profi Dardai (42), „aber ich hoffe, er trifft gegen Leipzig und macht vielleicht sogar das Siegtor – dann kann er der Mannschaft etwas ausgeben.“

Dass Mittelstädt damit gegen Leipzig gesetzt ist, wollte der Trainer damit allerdings nicht gesagt haben. Im Gegenteil: Seine Plattenhardt/Mittelstädt-Bauchschmerzen dürften sich am Dienstagabend auf andere Positionen ausgeweitet haben. So stand erstmals in dieser Saison Vladimir Darida in der Startelf, dem der Trainer eine „gute Leistung“ attestierte.

Auch Rückkehrer Darida drängt sich auf

Tatsächlich zählte der Tscheche mit 79 Ballkontakten und 67 gespielten Pässen zu den prägenden Akteuren, mehr Aktionen hatten nur Mittelfeldkollege Arne Maier (90/83) und Innenverteidiger Niklas Stark (83/75). Eine Bewerbung für das Leipzig-Spiel, die auch die Konkurrenten Per Skjelbred und Fabian Lustenberger registriert haben werden. Und da mit Liverpool-Leihgabe Marko Grujic in der kommenden Woche der nächste zentrale Mittelfeldspieler zurückkehren soll, sieht sich Dardai inzwischen von „Luxusproblemen“ umzingelt.

Mathew Leckie fällt ebenfalls in diese Kategorie. Der Australier kam in Darmstadt zwar nur zu einem Kurzeinsatz, hätte aber beinahe noch ein Tor gemacht. „Wenn er etwas egoistischer gewesen wäre, hätte er getroffen“, sagte Dardai, „aber er wollte lieber ein Tor vorbereiten und hat zu viel gefummelt.“ Eine Alternative ist Leckie mittlerweile dennoch. Auch er hat seine Verletzung endgültig auskuriert und steht bereit, falls Senkrechtstarter Javairo Dilrosun mal schwächelt. In Darmstadt blieb der Niederländer blass, eine Formschwankung, die bei einem 20-Jährigen nicht verwunderlich ist. Kleiner Trost: Am Mittwoch wurde er erstmals für die A-Nationalmannschaft nominiert.

In neun Liga-Spielen zuvor kein einziger Joker-Treffer

Mittelstädt, Darida, Leckie, dazu noch Davie Selke, der Dienstag nach ein paar guten Szenen zusehends verkrampfte – Dardai kann aus einer so großen Kader-Tiefe schöpfen wie nie zuvor. „Für die Motivation und den Konkurrenzkampf ist das gut“, sagte der 42-Jährige, „jeder muss Leistung bringen. Jetzt kommen die Wechselspieler rein, machen Druck und entscheiden das Spiel.“

Der Sieg im Pokal war auch ein Sieg der Bank, was insofern bemerkenswert ist, als dass Hertha in neun Liga-Spielen noch kein einziges Jokertor gelungen war. Ein Manko, das sich nun auszuschleifen scheint. In Dortmund holte der eingewechselte Selke einen Elfmeter heraus, in Darmstadt trafen die Joker Vedad Ibisevic und Mittelstädt. Gut möglich, dass die Bank demnächst noch häufiger gewinnt.