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BUNDESLIGA

Hertha kooperiert mit der Polizei

Scharfe Kritik von NRW-Innenminister Reul an den Randalen im Berliner Block. Hertha-Trainer Dardai: Gewalt gehört nicht ins Stadion

Die Pyro-Aktion im Berliner Fanblock zu Beginn der Partie in Dortmund

Foto: imago sport / imago/Moritz Müller

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Berlin.  Das letzte Mal, dass es ähnlich skandalöse Bilder gab wie die vom Sonnabend in Dortmund mit einem massiven Polizeiaufgebot unmittelbar vor dem Hertha-Block, datiert vom Mai 2012: Vom skandalösen Relegationsrückspiel von Hertha bei Fortuna Düsseldorf - als rund 100 Polizisten vor dem Gäste-Block stand, in dem Pyros in ­Dauerschleife abgefackelt wurden.

In Dortmund wurden vor dem Anpfiff im Hertha-Block verbotene Pyrotechnik und Rauchtöpfe gezündet. Folge: Laut Polizeiangaben mussten zehn unbeteiligte Stadionbesucher im Oberrang wegen Atemwegsproblemen behandelt werden. Um weitere Vorfälle zu unterbinden, holte ein Trupp von 25 Polizisten unter Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken, die Choreographie-Fahne der Ultra-Gruppe „Hauptstadtmafia“ aus dem Gästeblock. Das führte zu wüsten Prügelszenen. Im Anschluss randalierten Personen aus dem Hertha-Block, zerlegten zwei Sanitäranlagen und warfen Keramikteile und ein Absperrgitter auf Polizisten.

Kritik an schlampigen Einlasskontrollen

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte der „Waz“: „Das Verhalten der Hertha-Fans verurteile ich auf das Schärfste. Das hat mit Fankultur nichts zu tun, sondern ist schlicht kulturloses, primitives Verhalten. Unsere Null-Toleranz-Linie gilt überall - auch in Fußballstadien.“ Zugleich nahm Reul die Klubs in die Pflicht: „Wenn es Fans gelingt, Pyrotechnik kiloweise in die Stadien zu schleppen, habe ich meine Zweifel, ob die Einlasskontrollen mit der nötigen Genauigkeit durchgeführt werden. Hier muss dringend nachgearbeitet werden.“

Am Ende des Tages standen 45 Verletzte (35 durch den Einsatz von Pfefferspray, zehn durch Gewaltanwendung) – die Aufarbeitung wird Zeit benötigen. Hertha kooperiert mit der Polizei bei der Auswertung von Videoaufnahmen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat sich noch nicht beim Hauptstadt-Klub gemeldet. Es ist aber zu erwarten, dass die ­Berliner zeitnah eine Stellungnahme abgeben müssen. Das Strafmaß reicht von Geldstrafen bis hin zu Auswärtsspielen ohne Gäste-Fans. Hertha war in dieser Saison mehrfach auffällig: 28.000 Euro mussten die Blau-Weißen zahlen wegen Pyros im August im DFB-Pokalspiel in Braunschweig (2:1). Auch beim Auswärtsspiel in Mainz (0:0) gab es Bengalos im Hertha-Block.

Dardai mahnt die Hardcore-Fans

Hertha-Trainer Pal Dardai war frustriert, dass so wenig über den Auftritt seiner Mannschaft beim 2:2 in Dortmund gesprochen wurde, stattdessen aber viel über die Randale. „Ich finde, Pyrotechnik ist eine grenzwertige Sache. Ich glaube, man darf das nicht machen“, sagte Dardai. „Wenn sie sich selbst verletzten, ist das ihre Sache, aber es sind Kinder und Familien im Stadion. Das ist eine sehr gefährliche Sache. Und Gewalt gehört nicht ins Stadion.“

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Offen ist, wie es weiter geht. Dardai sagte über die Ultras: „Ich denke, wir müssen uns mit denen hinsetzen. Die sind wichtig für uns, aber sie müssen auch aufpassen. Es gibt Dinge, die gehören nicht ins Stadion.“ Da ist es ungelegen, dass die Ultras seit längerem nicht mit der Hertha-Geschäftsleitung reden.

Als nächstes geht es zu Fortuna Düsseldorf

Mit Blick auf den Spielplan: Das Pokalspiel bei Zweitligist SV Darmstadt (Dienstag, 18.30 Uhr/Sky) wird von Sanktionen noch nicht betroffen sein. Aber das nächste Bundesliga-Auswärtsspiel absolviert Hertha in – Düsseldorf (10. November). Mit Blick auf die Historie verspricht das ein sehr ungemütlicher Nachmittag zu werden.

Der eine oder andere mag sich wünschen, dass der DFB Hertha für diese Partie eine Gästeblock-Sperre verpasst. Allerdings hat der Verband ­angekündigt, keine Kollektivstrafen mehr zu verhängen. Das ­Thema bleibt kompliziert.

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Pressemitteilung der Polizei: hier.

Stellungnahme der Fanszene: hier.