Vor Duell gegen den BVB

Hertha ist defensiv stark mit Stark

Die Berliner bilden mit Niklas Stark die beste Abwehr der Liga. Nun treffen sie auf Dortmund, das Team mit dem besten Angriff.

Niklas Stark (r.) hat bereits 94 Pflichtspiele für die Berliner absolviert. Trainer Pal Dardai fordert allerdings eine Weiterentwicklung.

Niklas Stark (r.) hat bereits 94 Pflichtspiele für die Berliner absolviert. Trainer Pal Dardai fordert allerdings eine Weiterentwicklung.

Foto: Carmen Jaspersen / dpa

Berlin.  Manchmal, wenn es kalt wird in Berlin, zieht sich Niklas Stark (23) seine Wollmütze etwas tiefer ins Gesicht. Aber selbst dann sieht er nicht aus, wie einer, der Ungutes im Schilde führt. Oder gar, wie ein Gangster. Dafür verraten ihn die weichen Gesichtszüge und sein Lächeln als zu netten Zeitgenossen. Seiner beruflichen Orientierung ist das nicht immer zuträglich. Stark arbeitet als Vollzeitverteidiger bei Hertha BSC. In einem Mannschaftsteil, wo nicht selten die raue Seite gefragt ist.

Es darf ruhig deftiger zugehen dort hinten, findet Pal Dardai. „Niklas muss noch ein bisschen mehr Gangster werden und manchmal nicht so lieb sein“, fordert Herthas Trainer von Stark vor dem Spiel bei Borussia Dortmund am Sonnabend (15.30 Uhr). Wobei der Wunsch mehr so ein Gefühl ist, konkret an Beispielen konnte oder wollte Dardai das nicht belegen.

Gegner Dortmund wartet mit enormem Tempo auf

Etwas mehr Gangster nach Dardai’scher Definition ist vielleicht Karim Rekik (23), der am Mittwoch wieder mit der Mannschaft trainierte und für das Spitzenspiel beim BVB ebenfalls zurückerwartet wird. Herthas Stamminnenverteidigung hatte das jüngste Spiel gegen Freiburg (1:1) verpasst, Stark fehlte schon zuvor beim 0:0 in Mainz wegen einer Fußprellung. Bei Rekik waren es erst muskuläre Probleme und dann ein Infekt, der ihn zum Aussetzen zwang. Rechtzeitig zum Kräftemessen mit dem Tabellenführer, der aktuell die mit Abstand gefährlichste Offensive der Bundesliga stellt (27 Tore), sind Herthas defensive Säulen wieder fit. Beide zählen zu den talentiertesten Kräften im Kader des Berliner Bundesligisten. Rekik ist bereits niederländischer Nationalspieler, Stark wird eine Karriere im A-Team der deutschen Nationalmannschaft zugetraut. Nur muss er dafür regelmäßig Spitzenleistungen zeigen, auch weil er im Vergleich zu seinen Konkurrenten Niklas Süle (FC Bayern), Antonio Rüdiger (Chelsea) oder Jonathan Tah (Leverkusen) im kleinsten Klub spielt.

Verstecken muss sich Stark deshalb aber nicht. Herthas Defensive zählt zum Besten, was die Bundesliga zu bieten hat. Kein Team bekam bisher weniger Gegentore, acht sind es an der Zahl. Die Auswahl, die Trainer Dardai in diesem Mannschaftsteil zur Verfügung steht, ist hoch. Neben Stark und Rekik ist da noch der talentierte Jordan Torunarigha (21), der nach Achillessehnenproblemen demnächst im Mannschaftstraining zurückerwartet wird. Dortmund kommt für ihn aber noch deutlich zu früh.

Gegen Freiburg erledigten Routinier Fabian Lustenberger (30) und der aus Eindhoven ausgeliehene Derrick Luckassen (23) ihre Aufgaben als Stellvertreter von Stark und Rekik souverän. Aber Freiburg ist nicht mit dem BVB zu vergleichen, was die Wucht im Angriff betrifft. Marco Reus, Christian Pulisic, Jadon Sancho – Dortmunds Angreifer verfügen über enormes Tempo. Die sprintstarken Rekik und Stark werden bis ans Limit gefordert sein.

Anders als Freiburg bewegen sich die Dortmunder von der Qualität ihrer Einzelspieler auf dem Niveau der Bayern, gegen die Stark beim 2:0 sein bisher bestes Saisonspiel zeigte, nachdem er etwas schwer in die Spielzeit gekommen war. Stellungsfehler und kleinere Unkonzentriertheiten hatten sich in sein Spiel geschlichen. Genau jene Dinge, die Dardai nicht mehr bei Stark sehen wollte. Rekik ist in diesem Punkt schon etwas weiter, sein Spiel wirkt im Vergleich zu Stark reifer. Herthas Trainer hatte seine Verteidiger vor der Saison zur Gruppe jener Spieler gezählt, die den nächsten Karriere-Schritt vollziehen müssen. Im Fall von Stark heißt das konkret: an jedem Wochenende sein Leistungslimit zu erreichen. Eben weil er in der Lage ist, so gut zu spielen wie gegen den FC Bayern.

„Da waren wir defensiv mehr gefordert, das ist dann ein ganz anderes Spiel. Sonst haben wir oft den Ball, dann ist man manchmal auch vorne und versucht dort etwas einzuleiten“, sagt Stark. In Dortmund dürfte sein Hauptaugenmerk wieder auf der Defensive liegen. „Dortmund ist ein sehr, sehr schwerer Gegner, aber dort schauen wir eigentlich immer ganz gut aus“, sagt Stark.

Perfekte Rollenverteilung mit Abwehrpartner Karim Rekik

Herthas stabile Defensive ist auch darin begründet, dass Stark und Rekik sich so gut ergänzen. Nicht nur, weil Rekik als Linksfuß und Stark als Rechtsfuß perfekt zueinander passen. Von ihrem Naturell her sind sie anders, was in diesem Fall aber zuträglich ist. Hier der sehr reif daherkommende Rekik, dem schon in jungen Jahren etwas Weltmännisches anhaftet und der oft Zeit mit den Ältesten wie Vedad Ibisevic oder Salomon Kalou verbringt. Auf der anderen Seite Stark, der zwar eine Klassensprecher-Aura ausstrahlt, aber eher jugendlich kess wirkt und sich gern mit Altersgenossen wie Pascal Köpke umgibt.

Sportlich gibt es ebenfalls Unterschiede. „Er geht brutal in die Zweikämpfe und versucht jeden Millimeter rauszuholen. Ich versuche eher taktisch alles zu sehen und die Räume zuzumachen“, sagt Stark. Im Aufbauspiel versuchen sich beide abzuwechseln, wobei Rekiks Eröffnung als die präzisere gilt. „Ich gehe auch gern mit dem Ball nach vorn und Karim sichert mich dann gut ab“, sagt Stark über die Rollenverteilung. Die Konstellation mit seinem Partner empfindet er als ideal. „Ich finde, dass zwei unterschiedliche Typen als Innenverteidiger besser sind. Gleiche Typen sind immer schwierig. Wenn beide nach vorn gehen, ist das nicht so gut.“ Pal Dardai dürfte das ähnlich sehen. Aber bei Niklas Stark und Karim Rekik muss er in dieser Hinsicht nichts befürchten.