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Hertha gegen Freiburg: Ein komplizierter Fall

Hertha ärgert sich nach dem 1:1 gegen Freiburg über die Rücknahme eines Elfmeters durch den Videoassistenten.

Die Szene des Spiels: Herthas Palko Dardai (Nr. 24) kommt nach einem Duell mit Freiburgs Manuel Gulde im Strafraum zu Fall. Strafstoß gab es nicht.

Die Szene des Spiels: Herthas Palko Dardai (Nr. 24) kommt nach einem Duell mit Freiburgs Manuel Gulde im Strafraum zu Fall. Strafstoß gab es nicht.

Foto: imago/Contrast

Berlin. Die Ordner in ihren neonfarbenen Westen standen Schulter an Schulter auf der Ehrentribüne. Auf den Stufen wachten weitere Ordner mit Regenschirmen. Doch es wurde nichts geworfen. Es hagelte nur ein gellendes Pfeifkonzert für Schiedsrichter Benjamin Cortus, als er mit seinem Team in den Katakomben des Olympiastadions verschwand. Die Hertha-Fans unter den 53.716 Besuchern machten den Unparteiischen dafür verantwortlich, dass sich die Berliner gegen den SC Freiburg mit einem 1:1 (1:1) begnügen mussten.

Den Zorn hatte sich Cortus mit seinem Verhalten in der 87. Minute zugezogen. Zunächst hatte der Schiedsrichter nach einem Hertha-Konter auf Elfmeter entschieden. Der gerade eingewechselte Palko Dardai war zu schnell und wuselig für Manuel Gulde. Der Freiburger brachte den Berliner im Strafraum zu Fall. Ondrej Duda schnappte sich bereits den Ball, während um ihn herum wild diskutiert wurde. Schließlich deutete Cortus auf seine Kopfhörer. Der Videoassistent aus Köln hatte sich eingeschaltet: Videobeweis. Cortus schaute sich die Szene aus verschiedenen Perspektiven an der Seite an. Zum Entsetzen der Berliner Fans nahm der Referee seine Entscheidung zurück: Foul von Dardai junior, Freistoß für Freiburg.

Der Freiburger Gulde sagte später: „Mein Gegenspieler zieht mich runter, ich nehme das dankend an. Als ich den Pfiff bekam, war ich mir sicher, dass es Freistoß für uns war.“ Herthas Valentino Lazaro sah es anders: „Aus meiner Sicht war es keine hundertprozentige Fehlentscheidung. Soweit ich weiß, darf der Videoassistent nur bei einer klaren Fehlentscheidung eingreifen.“ Marvin Plattenhardt war sogar richtig sauer: „Das war nicht die beste Schiedsrichterleistung“, sagte der Berliner Linksverteidiger. Und auch Jochen Saier, Sportvorstand des SC Freiburg, räumte ein: „Das war sauschwierig für alle Beteiligten. Ich glaube, dass es nicht zwingend Elfmeter war, deshalb kann man das zurücknehmen. Aber dass wir Glück hatten, muss man auch sagen.“ Ein komplizierter Fall.

Ondrej Duda erzielt schon sein sechstes Saisontor

Unter dem Strich bleibt: In diesen Kann-Situationen liefert der Videoassistent eben nicht das versprochene Mehr an Gerechtigkeit im Fußball. Die Entscheidung, den Elfmeter zurückzunehmen, war genauso willkürlich wie die erste Entscheidung. Es wäre aber zu einfach, den Umstand, dass Hertha am achten Bundesliga-Spieltag den Sprung auf Platz zwei verpasst hat, dem Schiedsrichter zuzuschreiben. Dass die Hausherren sich mit dem 300. Bundesliga-Remis der Klubgeschichte begnügen mussten, haben sie sich selbst zuzuschreiben. So drückend überlegen, wie die erste Hälfte gestaltet wurde, war das eine Tor zu wenig. Ondrej Duda nahm eine Vorlage von Per Skjelbred auf, zog leichtfüßig an Gegenspieler Lukas Kübler vorbei und zirkelte den Ball präzise ins rechte Eck: 1:0, Dudas sechstes Saisontor (7.).

Und Hertha blieb auch am Drücker, phasenweise spielte sich das Geschehen ausschließlich in der Freiburger Hälfte ab. Salomon Kalou tanzte mehrfach durch die Breisgauer Verteidigung. Einen 22-Meter-Schuss von Duda faustete SC-Torwart Alexander Schwolow zur Ecke (29.). „In der ersten Hälfte haben wir lange gut kombiniert, aber es hat der letzte Pass gefehlt. Wir haben einen Tick zu viel gefummelt am gegnerischen Strafraum“, sagte Hertha-Trainer Pal Dardai. Dann hatte Hertha auch Pech, dass Arne Maier einen 22-Meter-Schuss von Robin Koch mit dem Rücken abfälschte. Unhaltbar für Torwart Rune Jarstein landete der Ball im Eck: 1:1 (35.).

Nach der Pause kamen die bis dahin erschreckend schwachen Gäste etwas besser ins Spiel. Trotzdem hatte Hertha die klareren Möglichkeiten. So legte Javairo Dilrosun von der linken Seite für Vedad Ibisevic auf, der Kopfball des Hertha-Kapitäns sauste aber knapp am Tor vorbei (61.). Auch die Einwechslungen von Mathew Leckie und Davie Selke änderten nichts daran, dass Hertha die letzte zwingende Aktion nicht gelang. Im Gegenteil: Der Berliner Dank ging an Torwart Jarstein, der nach einem Freiburger Konter einen gefährlichen Schuss von Luca Waldschmidt parieren konnte (83.).

Hertha-Verteidiger Derrick Luckassen, der ein ordentliches Startelf-Debüt abliefert, haderte, dass Aufwand und Ertrag nicht in Relation stünden: „Wir hätten gewinnen müssen, so fühlt es sich wie eine Niederlage an“, sagte der Niederländer. Trainer Dardai sagte unter Verweis auf die ordentliche Auswärtsbilanz der Freiburger: „Ich schätze den Punkt.“ Zum Aufreger-Thema des Nachmittags, dem letztlich nicht gegebenen Elfmeter, meinte er: „Ich sage das nicht, weil Palko mein Sohn ist. Aber der Elfmeter ist keine klare Fehlentscheidung. Trotzdem müssen wir die Entscheidung akzeptieren, wie der Schiedsrichter sie getroffen hat.“

Am Sonnabend tritt Hertha BSC bei Spitzenreiter Borussia Dortmund an. Gegen den BVB gewonnen hat in dieser Saison noch keiner.

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