Bundesliga

Herthas Darida kann wieder lachen

Herthas Mittelfeldmotor brennt nach langer Verletzung aufs Comeback gegen Ex-Klub Freiburg, muss sich aber junger Konkurrenz stellen.

Herthas Vladimír Darida (l.) will so schnell wie möglich wieder zurück in die Startelf der Berliner

Herthas Vladimír Darida (l.) will so schnell wie möglich wieder zurück in die Startelf der Berliner

Foto: Stuart Franklin / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Vladimir Darida (28) ist niemand, der seinen Gemütszustand im Gesicht spazieren trägt. Wenn er lächelt, darf das in seinem Fall als Indiz für überbordende Fröhlichkeit gelten. Demnach ist Darida zurzeit äußerst gut gelaunt. Er lächelt viel, und manchmal wird sogar ein richtiges Lachen daraus. So wie am Mittwoch, als Alexander Esswein eine Flanke mit dem rechten Außenrist gelang und die ganze Mannschaft in Anlehnung an Portugals Außenristspezialisten Ricardo Quaresma laut „Ricaaaaaardooo“ intonierte.

Darida hat wieder Spaß, weil er nach über dreimonatiger Verletzungspause mit der Mannschaft trainieren kann. Endlich wieder gegen den Ball treten, nach Wochen des Laufens und der gymnastischen Übungen. Im Heimspiel am Sonntag gegen den SC Freiburg (15.30 Uhr, Olympiastadion) dürfte der Tscheche zum ersten Mal in dieser Saison im Kader stehen. Bisher war ihm wegen einer Knieverletzung keine Pflichtspielminute vergönnt.

Ausgerechnet Freiburg. Der Sport-Club war seine erste Station in der Bundesliga, von 2013 bis 2015 spielte er zwei Jahre dort, ehe der Wechsel nach Berlin folgte. „Ich würde natürlich gern gegen meine alte Mannschaft spielen. Das ist ein besonderes Spiel für mich“, sagt Darida. Dieser Wunsch wird ihm sehr wahrscheinlich erfüllt werden, Trainer Pal Dardai ist von den Trainingsleistungen seines Mittelfeldspielers angetan. „Diese Woche sah es sehr gut aus. Jetzt muss man schauen, wann der Moment kommt, wo man ihn reinschmeißt“, sagt Dardai.

Trainer Dardai will nichts überstürzen

Dass Herthas Trainer im Fall von Darida genau die richtige Gelegenheit abwarten und nichts überstürzen will, hat einen Grund. Der Nationalspieler Tschechiens hatte in der jüngeren Vergangenheit mehr mit Verletzungen zu kämpfen als mit seinen Gegenspielern. Die Hälfte der vergangenen Hinrunde verpasste er wegen Knieproblemen, auch zum Saisonabschluss fehlte er.

In der Saison 2017/18 bestritt er lediglich 21 Spiele in der Bundesliga, gerade mal zehn davon stand er über die komplette Distanz auf dem Feld. Zum ersten Mal in seiner Karriere blieb er dabei torlos. „Kann sein, dass sein Körper in den letzten zwei Jahren gesagt hat: Vladi, mach’ Pause! Er ist immer so viel gerannt und hat so viel gemacht, aber den menschlichen Körper kannst du nicht anlügen“, sagt Dardai, der auch Erschöpfung hinter Daridas gesundheitlichen Problemen vermutet.

Zwei Jahre lang war der Rechtsfuß Herthas Marathonmann. Niemand lief so viel wie Darida, niemand war so oft anspielbar. Im Mittelfeld schloss und entdeckte er Räume, es gab kaum einen Fleck, an dem Darida nicht mindestens einmal pro Spiel auftauchte. Als Verbindungsglied zwischen Defensive und Offensive war er es, der das Angriffsspiel ankurbelte. Eine Aufgabe, mit der er häufig auf sich allein gestellt war.

Hertha mit neuer Spielkultur

Inzwischen hat sich einiges getan, vor allem im Mittelfeld. Hertha ist nicht mehr die Mannschaft, die sie vor Dari­das Verletzung war. Im Mittelfeld wurde nach der Verpflichtung von Marko Grujic eine neue Spielkultur kultiviert. Menschen, die zum Überschwang neigen, sprachen beim Dreiklang zwischen Grujic (22), Arne Maier (19) und Ondrej Duda (23) schon von einem magischen Dreieck. „Marko Grujic hat uns sehr geholfen“, sagt Darida. Aber bei allem Respekt für den Neuen stellt sich natürlich auch die Frage, wo Darida in Zukunft spielen soll, wenn alle fit sind.

Momentan ist das nicht der Fall. Grujic (Bänderriss) hat gerade wieder mit dem Lauftraining begonnen. Zwei bis drei Wochen dürfte es bis zu seiner Rückkehr dauern. Verletzt sich Darida nicht erneut, wird es spannend. Angesichts der Leistungen von Grujic/Maier/Duda dürfte eine dauerhafte Rückkehr in die Stammformation eine Herausforderung für ihn werden. In den Räumen, die er früher belief, treiben sich nun Jüngere herum.