Bundesliga

Dämpfer für den Bayern-Besieger: Hertha nur 0:0 in Mainz

Die Berliner konzentrierten sich in Mainz vor allem auf Konter.

Berlins Javairo Dilrosun (l.) und der Mainzer Jean-Philippe Gbamin kämpfen um den Ball.

Berlins Javairo Dilrosun (l.) und der Mainzer Jean-Philippe Gbamin kämpfen um den Ball.

Foto: Thomas Frey/dpa

Karim Rekik kratzte sich nachdenklich am Kopf, als er nach Spielschluss im Bauch der Mainzer Arena stand, dabei waren die Fragen eigentlich ganz simpel. Hat Hertha beim 0:0 gegen den FSV nun zwei Punkte verloren? Oder doch einen gewonnen? „Ganz ehrlich“, sagte der Innenverteidiger, „vor dem Spiel hätte ich die Meinung vertreten, dass wir zwei Punkte verloren haben. Ab der 70. Minute hätte ich aber gesagt, wir haben einen gewonnen. Man darf nicht vergessen: Das erste Spiel nach einem Sieg gegen die Bayern ist sehr schwierig.“ Wenn man Rekik und seinen Kollegen glauben darf, existiert es also wirklich, das ominöse Phänomen, das gemeinhin als „Bayern-Fluch“ tituliert wird.

Jarstein und Plattenhardt kehren in die Startelf zurück

Tatsächlich spricht die Statistik ja eine beunruhigend klare Sprache. Von den letzten zehn Rekordmeister-Bezwingern vermochte nur einer (RB Leipzig) danach einen Sieg folgen zu lassen, sieben hingegen verloren nach ihrem Coup gegen die Münchner. Gemessen daran muss man das Remis bei den ­zuletzt schwächelnden Mainzern wohl wirklich als Erfolg verbuchen, wenngleich die Erwartungen sicher höher waren. „Natürlich wollten wir drei Punkte mitnehmen“, meinte Marvin Plattenhardt, „aber die Hauptsache ist, dass wir nicht verloren haben.“ Anlass zur Sorge besteht ohnehin nicht. Mit nun 14 Punkten nach sieben Spielen bleibt die Berliner Bilanz mehr als ­ordentlich. Hertha gehört zur Spitzengruppe der Liga.

Im Vergleich zum Festtagsspiel gegen die Bayern nahm Trainer Pal Dardai zwei Änderungen vor. Der zuvor geschonte Plattenhardt erhielt den Vorzug vor seinem Linksverteidiger-Konkurrenten Maximilian Mittelstädt, zudem kehrte Keeper Rune Jarstein nach auskurierten Oberschenkel­beschwerden schneller ins Tor zurück als erwartet. Allzu viel Eingewöhnungszeit bekam der Norweger nicht, die Anfangsviertelstunde gehörte klar den Hausherren. Der erste Warnschuss vom Mainzer Jonathan Burkardt ging noch knapp vorbei (9.), ehe Jarstein erstmals ernsthaft gefordert war. Doch der Distanzschuss von Jean-Philippe Mateta rauschte ihm dann genau in die Arme (11.).

Hertha zog sich in die eigene Hälfte zurück, beschränkte sich zunächst darauf, kompakt zu stehen. Das gelang nur leidlich, immer wieder fanden die Mainzer Lücken. „Unser Stellungsspiel war nicht gut“, monierte Dardai, „wir hatten im Mittelfeld kaum dynamische Ballgewinne und deshalb auch kaum Konterchancen.“ So dauerte es gut 20 Minuten bis zur ersten Berliner Ecke, auf die allerdings die vielleicht beste Chance des Spiels folgte. Ondrej Duda bediente auf der rechten Seite Valentino Lazaro, der im Zentrum Vedad Ibisevic fand, aber der Kapitän scheiterte am Willen zur Präzisionsarbeit. Sein Kopfball sprang vom Innenpfosten zurück (26.). „Das war richtig gut herausgespielt“, sagte Dardai, „aber Vedad wollte es zu genau machen.“

Skjelbred sagt: „Wir sind halt nicht Barcelona“

Ansonsten sahen die 22.405 Zuschauer zwar großes Bemühen, aber kaum gelungene Aktionen, vor allem auf Berliner Seite. Zu viele Fehlpässe, zu wenig Zugriff in den Zweikämpfen, zu wenig Konsequenz in den Kontern – besonders im Mittelfeld blieb vieles Stückwerk. Dass die Gäste nicht in Rückstand gerieten, lag nicht zuletzt an Jarstein, der einen wuchtigen Zehn-Meter-Flachschuss von Jean-Philippe Gbamin im Stile eines Handballtorwarts parierte (38.). Dardai konnte nicht gefallen, was er beobachtete, schon gar nicht, als Niklas Stark kurz vor der Pause zu Boden ging. Nach einem Zweikampf in Herthas Strafraum hatte sich der Innenverteidiger am rechten Sprunggelenk behandeln lassen, ein Vollsprint später war Schluss. Einerseits Pech für Hertha, auf der anderen Seite aber auch Glück, denn: Die Szene, die zur Verletzung führte – eine Co-Produktion von Stark und Per Skjelbred gegen Burkardt, war durchaus elfmeterwürdig (44.).

Für Stark kam nach der Pause Fabian Lustenberger, ansonsten änderte sich wenig. Hertha fehlte die Griffigkeit, Mainz die Präzision. Insgesamt feuerten die heimstarken 05er 22 Mal aufs Tor, allerdings mit einer besorgniserregenden Streuung. Mit zunehmender Spieldauer erinnerten die Abschlüsse an den Versuch, mit einem Loch im Eimer Wasser zu schöpfen.

Hertha arbeitete im Abschluss zwar exakter, aber nicht exakt genug. Der eingewechselte Davie Selke köpfte knapp am Pfosten vorbei und in der Nachspielzeit Teamkollege Salomon Kalou an. Es blieb beim 0:0. „Wir sind eher durch Zufall zu Chancen gekommen“, sagte Valentino Lazaro, „aber die waren dann die besseren.“ Per Skjelbred sagte: „Ein Punkt ist ein Punkt. Wir sind nicht Barcelona.“ Nach der Länderspielpause empfängt Hertha am 21. ­Oktober den SC Freiburg.