HERTHA BSC

Wenn der Fußball Haltung zeigt

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Jörn Lange
Borussia Dortmund, hier Marco Reus, trug am dritten Bundesliga-Spieltag das Trikot ohne Hauptsponsor-Werbung, sondern mit dem Aufdruck „Borussia verbindet“. Mit der Aktion wollte der BVB ein Zeichen setzen gegen „Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Diskriminierung jeglicher Art“

Borussia Dortmund, hier Marco Reus, trug am dritten Bundesliga-Spieltag das Trikot ohne Hauptsponsor-Werbung, sondern mit dem Aufdruck „Borussia verbindet“. Mit der Aktion wollte der BVB ein Zeichen setzen gegen „Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Diskriminierung jeglicher Art“

Foto: Bernd Thissen / dpa

Immer mehr Klubs planen Aktionen gegen Rassismus - ein Signal von Hertha lässt auf sich warten

Berlin.  Als in der amerikanischen Football-Liga NFL im Oktober 2017 eine Rassismus-Debatte hochkochte, knieten Herthas Profis im Olympiastadion medienwirksam nieder, um ein Zeichen der Solidarität zu setzen. Das Echo war gewaltig, weltweit wurde über die Geste berichtet. Jetzt, da im eigenen Land die Stimmen von rechts immer lauter werden, hält sich der Berliner Fußball-Bundesligist zurück – dabei wären klare Signale notwendiger denn je. Grundsätzlich sei „diese Art der Einmischung wichtig, denn wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung“, sagte Manager Michael Preetz. Eine Aktion der Mannschaft ist zum heutigen Heimspiel gegen Mönchengladbach (15.30 Uhr, Sky) jedoch nicht geplant.

Dabei wäre es ein Leichtes, die große Bühne des Sports zu nutzen. Borussia Dortmund trug zuletzt nicht den Namen des Sponsors auf dem Trikot, sondern den Slogan „Borussia verbindet – gemeinsam gegen Rassismus“. Auch die deutschen Basketballer zeigten zuletzt beim Länderspiel in Leipzig Haltung, trugen beim Aufwärmen Shirts mit der Aufschrift „#wirsindmehr“.

Walter Frankenstein ist seit 1936 Hertha-Fan

Botschaften, die bundesweit beachtet wurden. Wer in Berlin die Gefahr des stärker werdenden Rechtsdrehs in der Gesellschaft noch nicht begriffen hat, sollte Walter Frankenstein zuhören. Frankenstein (94), Jude und Hertha-Fan seit 1936, erzählte am Donnerstag auf einer Podiumsdiskussion im Centrum Judaicum eindrucksvoll von seinen Erinnerungen an den Nationalsozialismus. Davon, wie er anfangs begeistert in die „Plumpe“ ging, sich im Stadion am Gesundbrunnen „nicht als Jude, sondern als Herthaner“ fühlte. Und wie diese Wohlfühlzone spätestens 1941 verschwand: „Ab da hatte ich Angst vor Kontrollen und der drohenden Deportation.“ Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) hörte aufmerksam zu. Und betonte dann: „Profiklubs müssen Haltung zeigen. Sie können der Gesellschaft Orientierung geben.“

Hertha hat das in der Vergangenheit mehrfach getan. 2017 veröffentlichte der Klub etwa einen Anti-Rassismus-Clip und einen Wahlaufruf zur Bundestagswahl, doch keine Aktion fand annähernd so viel Beachtung wie das Niederknien der Mannschaft.

Sechs Erstligisten unterstützen Babelsberg-Demo

In Teilen der Fanszene sorgt Herthas Zurückhaltung für Verwunderung. Die vom Regionalligisten Babelsberg 03 initiierte Kampagne „Nazis raus! aus den Stadien“ wird inzwischen von sechs Bundesligisten (Borussia Dortmund, Werder Bremen, VfB Stuttgart, SC Freiburg, FSV Mainz, Fortuna Düsseldorf) und weiteren Klubs wie FC St. Pauli, dem 1. FC Köln, Tennis Borussia und Roter Stern Leipzig unterstützt, auch auf einer Demonstration am 13. Oktober in Berlin.

„Warum mein Verein da nicht mitmacht, habe ich gefragt?!“, schrieb ein Hertha-Anhänger bei Twitter. Auf Nachfrage hieß es dazu am Freitag, dass man bei Hertha darüber grundsätzlich nachdenke.