Hertha-Talent

Erstes Duell mit dem 20-Millionen-Mann Brooks

Hertha-Verteidiger Jordan Torunarigha trifft im Spitzenspiel gegen Wolfsburg auf sein Vorbild und Vorgänger. Ein Vergleich.

TORUNARIGHA Jordan Team Hertha BSC Berlin TEDI-CUP 2018 mit Hertha BSC Berlin am 08.Juli 2018 in Herne | Verwendung weltweit, Keine Weitergabe an Wiederverkäufer.

TORUNARIGHA Jordan Team Hertha BSC Berlin TEDI-CUP 2018 mit Hertha BSC Berlin am 08.Juli 2018 in Herne | Verwendung weltweit, Keine Weitergabe an Wiederverkäufer.

Foto: Laci Perenyi / picture alliance / Laci Perenyi

Es kommt nicht oft vor, dass Rainer Widmayer und Pal Dardai komplett anderer Meinung sind. Gewöhnlich vertreten Herthas Co-Trainer und sein Chef ähnliche Ansichten. Nur nicht, wenn es um Jordan Torunarigha (21) und John Anthony Brooks (25) geht. „Das sind sehr ähnliche Spielertypen“, sagt Widmayer. „Ich würde sie nicht vergleichen. Für mich sind das zwei verschiedene Spielertypen. Jeder hat seine Stärken“, sagt Dardai.

Was Dardai meint: Brooks ist robuster, besser beim Kopfballspiel und vielleicht noch etwas resoluter im Zweikampf. Für Torunarigha spricht seine Athletik, die enorme Schnelligkeit und die bessere Spieleröffnung. Was Widmayer meint: Beide verfügen über enormes Potenzial, das Trainer immer wieder aus ihnen herausholen müssen. Jeden Tag aufs Neue, weil sie vom Naturell her Gefahr laufen, den Fokus auch mal zu verlieren.

Brooks und Torunarigha haben beide Herthas Jugendabteilung durchlaufen. Nicht zusammen, sie gehören unterschiedlichen Generationen an, aber doch immer mit Blick aufeinander. „John war wie ein großer Bruder für mich“, hat Torunarigha einmal gesagt. Einer, zu dem er aufschaute, der Vorbild war, Ratgeber und Kumpel. Nun treffen beide am Sonnabend (15.30 Uhr/Sky) zum ersten Mal als Kontrahenten aufeinander. Brooks im Trikot des VfL Wolfsburg, Torunarigha in den Farben von Hertha BSC. Es ist das Spitzenspiel des dritten Bundesliga-Spieltags. Der Zweite empfängt den Dritten. Der zweitbeste Angriff (Wolfsburg, vier Tore) bekommt es mit der besten Abwehr zu tun.

Seine Verletzung hat er rechtzeitig auskuriert

Dass die Berliner noch immer ohne Gegentor sind, liegt neben der herausragenden Torhüterleistung von Rune Jarstein auch an der Verteidigungsreihe, in der Torunarigha seinen Platz gefunden hat. In allen drei Pflichtspielen lief er von Beginn an auf. Egal ob Dreier- oder Viererkette. Gegen Schalke (2:0) war er zunächst als linker Außenverteidiger angedacht, nach dem frühen Ausscheiden von Karim Rekik rückte er nach innen neben Niklas Stark. Rekik wird aufgrund von Leistenproblemen gegen Wolfsburg fehlen und auch Torunarighas Einsatz stand lange auf der Kippe. Achillessehnenprobleme machen ihm zu schaffen. Am Sonnabend soll er nach bestandenem Abschlusstraining am Freitag aber trotzdem spielen. Das zeigt, welchen Stellenwert er sich erarbeitet hat. „Jordan ist ein Prototyp für die Philosophie von Hertha BSC“, so Dardai. Nach und nach habe er ihn eingebaut, bis der Zeitpunkt gekommen war, dem Spieler eine größere Rolle anzuvertrauen.

Mit Brooks war Dardai ähnlich verfahren. „Jay Brooks kann Danke sagen, dass ich hier Trainer geworden bin. Bei mir hat er immer gespielt, davor war das nicht immer so. Vielleicht ist Jordan auch froh, von ihm bin ich genauso Fan. Er bekommt das gleiche Vertrauen wie Brooks es davor bekommen hat“, sagt Dardai. Der Amerikaner hatte Hertha im Sommer 2017 Richtung Wolfsburg verlassen. Die Ablöse von 20 Millionen Euro ist bis heute die höchste, die Hertha je für einen Fußballer erhalten hat. Die Berliner Fans nahmen Brooks den Wechsel trotzdem übel. Bei seiner offiziellen Verabschiedung im vergangenen Herbst gab es laute Pfiffe. In ihm hatten sie Herthas Abwehrchef der Zukunft gesehen. In diese Rolle könnte nun Torunarigha mit der Zeit wachsen. Für den Moment sieht Dardai aber noch viel Verbesserungspotenzial: „Jordan muss seinen rechten Fuß konsequent schulen. Die nächsten zwei Jahre werden zeigen, ob es für ihn eine ähnliche Entwicklung gibt wie bei Brooks“, sagt der Ungar.

Der ist nach einer durch Verletzungen geplagten Debütsaison, in der Brooks nur neun Ligaspiele absolvieren konnte, inzwischen Wolfsburgs Abwehrchef. Trotz der großen internen Konkurrenz (Uduokhai, Bruma, Tisserand) ist er gesetzt. Trainer Bruno Labbadia hält viel von ihm. Der Saisonstart verlief für Brooks hervorragend. Gegen Schalke wuchtete er einen Kopfball ins Tor. Diese Stärke fürchten sie auch auf Seiten von Hertha BSC. Brooks (1,93 Meter) und Robin Knoche (1,90) stellen allein wegen ihrer Körpergröße bei Standardsituationen eine Bedrohung dar. Torunarigha soll gemeinsam mit Niklas Stark (beide 1,89) die Gefahr eindämmen. Hätte Torunarigha nicht spielen können, wäre Fabian Lustenberger (1,80) für solche Situationen nur bedingt gewappnet gewesen.

Für Torunarigha ist das Duell mit Brooks und dem VfL Wolfsburg eine weitere Reifeprüfung. „Jordan ist jünger, für ihn spricht die Zeit“, sagt Rainer Widmayer, der ihm im Vergleich zu John Anthony Brooks noch mehr Potenzial zuspricht. Der junge Verteidiger habe alle Voraussetzungen. Als nächsten Schritt müsse er nun mehr Konstanz in seine Auftritte bekommen, so Widmayer. An diesem Karrierepunkt hatte sich Brooks auch einige Zeit abarbeiten müssen.

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