Bundesliga

Grujic ist Herthas neuer Antrieb

Der serbische Mittelfeldspieler Marko Grujic bringt Hertha auf Touren, schwärmt von den neuen Kollegen und formuliert ehrgeizige Ziele.

Marko Grujic (Mitte) setzt dynamisch zum Schuss an

Marko Grujic (Mitte) setzt dynamisch zum Schuss an

Foto: Andreas Karpe-Gora / picture alliance / Andreas Karpe-Gora

Berlin.  Ehrgeizig ist Marko Grujic (22) bei allem, was er anpackt. In zwei Monaten wolle er, sagt der neue Mittelfeldspieler von Hertha BSC, seine ersten Interviews auf Deutsch geben. Das dies ein ambitioniertes Ziel ist, verrät sein Gesichtsausdruck. Zwei bis drei Stunden Unterricht nimmt er pro Woche. In der Schule hat er als Kind schon etwas gelernt, was nun beim Verstehen helfe, aber die neue Sprache sei trotzdem „gar nicht so einfach“.

Wäre ja auch ungewöhnlich, wenn dem jungen Mann aus Serbien alles so leicht fallen würde wie die Ausübung seines Berufs. Auf dem Fußballfeld hat Grujic bisher keinerlei Eingewöhnungszeit benötigt. Gleich während seiner ersten Trainingseinheit Ende August beeindruckte er Mitspieler und Trainer. Beim Spiel auf engem Raum erzielte er Tor um Tor, vor allem aber zeigte er mit seiner Größe von 1,91 Meter eine körperliche Präsenz, die Hertha bis dahin im Mittelfeld abging.

Trainer Pal Dardai sagte nach wenigen Tagen: „Der Junge ist gut. Richtig gut sogar.“ Was übersetzt in etwa bedeutete, dass Dardai dann doch ein wenig überrascht war, welche Qualität der Neue besitzt.

Vom FC Liverpool nur für ein Jahr ausgeliehen

Nun ist Grujic erst seit wenigen Wochen in Berlin und hat erst ein Bundesligaspiel hinter sich, aber wer behauptet, dem Spieler stehe eine große Karriere bevor, dürfte eher als Realist denn als Hasardeur gelten. Nicht umsonst hat ihn vor drei Jahren der FC Liverpool von Roter Stern Belgrad verpflichtet. Grujic war der erste Transfer der Ära Jürgen Klopp. Gespielt hat er für den Traditionsklub aber selten, nur acht Einsätze in der Premier League waren es bisher.

Deshalb ist Grujic in Berlin. Er soll als Leihspieler ein Jahr lang Wettkampfpraxis sammeln um sich besser für den Konkurrenzkampf im Mittelfeld des ehemaligen Europapokalsiegers zu wappnen. Eine Weiterverpflichtung oder gar ein Kauf scheint für den Berliner Bundesligisten unmöglich. Schon die Verhandlungen zur Leihe gestalteten sich für Hertha schwierig, wie Manager Michael Preetz anklingen ließ. Die Inhalte diktierten die Engländer. Grujic und Hertha, das wird daher nur eine Liaison auf Zeit, was aus Berliner Sicht sehr schade ist.

Im Mittelfeld gilt er schon nach wenigen Wochen als gesetzt. Die Rolle des torgefährlichen Zentrumsspielers, der verteidigen und angreifen kann, und für die Hertha so lange nach der idealen Besetzung suchte, scheint wie für ihn gemacht. Gemeinsam mit Arne Maier (19) und Ondrej Duda (23) deutete er beim 2:0 gegen Schalke 04 an, dass Hertha seine neue Mitte gefunden haben könnte. „Arne ist einer der talentiertesten Jungs, mit denen ich bisher gespielt habe“, sagt Grujic, „und Ondrej hat allein gegen Schalke gezeigt, was in ihm steckt.“

Robuste Allzweckwaffe neben Maier und Duda

Trainer Pal Dardai hat Herthas Maschinenraum an drei Hochbegabte übergeben, altgediente wie Per Skjelbred und Fabian Lustenberger bleiben derzeit außen vor. Im Trio neben Maier und Duda ist für Grujic die Rolle der körperlich präsenten, robusten Allzweckwaffe vorgesehen, die auch noch sehr gut Fußball spielen kann. „Ich liebe es, viele kurze Pässe zu spielen und meine Mitspieler mit Vorlagen zu füttern“, sagt Grujic. Dass er gegen Schalke einen unnötigen Handelfmeter verursachte – geschenkt. Diesen Fehler bügelte er mehr als einmal aus.

Fußballer, die bei seiner Körpergröße über so viel Gefühl im Fuß verfügen, sind selten. Deshalb soll der VfB Stuttgart vor drei Jahren bereit gewesen sein, um die fünf Millionen Euro Ablöse für Grujic zu bezahlen. Das jedenfalls behauptete damals dessen Klub Roter Stern Belgrad.

Den Zuschlag bekam aber letztlich Liverpool, auch weil die Engländer mehr als das Doppelte überwiesen. Bei der U20-WM 2015, die er mit Serbien gewann, deutete er international erstmalig sein enormes Potenzial an. Die englische Zeitung „Mirror“ nannte ihn später den „Steven Gerrard Serbiens“.

Die Bundesliga ist der richtige Ort für ihn

Aber die Premier League kam noch etwas zu früh. Die Bundesliga sei für ihn der richtige Ort, sagt Grujic. „Die Ligen sind ähnlich. Tempo und Intensität sind auf dem höchsten Level, deswegen habe ich mich für Hertha entschieden. Es gibt hier viele junge Spieler, wir können uns gut entwickeln und versuchen, uns gegenseitig zu helfen.“

Der Start sei gut gewesen. „Die Ergebnisse stimmen.“ Nun möchte er mit seinen neuen Kollegen am Sonnabend beim VfL Wolfsburg (15.30 Uhr) nachlegen. Aus tabellarischer Sicht handelt es sich um das Spitzenspiel des dritten Spieltags. Der Zweite empfängt den Dritten.

Aber auf die Tabelle will Grujic noch nichts geben. „Es sind erst so wenige Spiele gespielt. Es wäre schön, wenn wir Mitte Mai an der gleichen Position stehen würden.“ Ein ehrgeiziges Ziel. Passend zu Marko Grujic.