Immer Hertha

Von Wild zu Beer zu Goor zu Duda

Ein Spaziergang durch die Hertha-Historie mit Profis, deren Name vier Buchstaben enthält.

Ondrej Duda, zweifacher Torschütze auf Schalke,  lässt die Fans von Hertha BSC träumen

Ondrej Duda, zweifacher Torschütze auf Schalke, lässt die Fans von Hertha BSC träumen

Foto: Christof Koepsel / Bongarts/Getty Images

Immer noch ein wenig beschwingt? Immer noch im Wohlfühl-Modus? Man wundert sich ja ein wenig über sich selbst: dass die Emotionen so lange anhalten. Woher das Gefühl rührt, liegt auf der Hand: Der 2:0-Sieg auf Schalke war eine Sensation. Vielleicht nicht für die Bundesliga, aber für die Fans von Hertha BSC. Auswärts beim Vizemeister gewonnen, dort wo Hertha seit 2004 nichts zu bestellen hatte. Sollen die in Gelsenkirchen sich für die Champions League aufstellen. Hertha hat sich – anders als bei den letzten zehn Dienstreisen nach Schalke – einfach geweigert, die zugedachte Rolle als Punktelieferant zu erfüllen. Und der Mann, der bei den Hertha-Fans für anhaltende Flugzeuge im Bauch sorgt, ist Ondrej Duda, der Doppeltorschütze. Einer aus dieser ebenso langen wie kuriosen Liste von Hertha-Spielern, deren Nachname handliche vier Buchstaben kurz ist.

Schon klar, das Leben ist ungerecht. Valerie Domovchiyski mag sich für alle Zeiten ins Gedächtnis von Oliver Kahn eingebrannt haben. Indem der Hertha-Stürmer dem Welttorwart im Mai 2008 die Abschiedsparty verdarb, weil er das Ehrentor beim 1:5 in München erzielte – nicht war es mit Kahns weißer Weste. Aber mit einem Namen wie Domovchiyski oder Nikita Rukavytsya ist es schwer, ein Bundesliga-Star zu werden.

Klub-Ikone Lorenz Horr

Anders sieht es aus, wenn der Name nur vier Buchstaben enthält. Es wird ja kein Zufall sein, dass Herthas Aushängeschilder in den 1960iger und 1970er Jahren Tasso Wild, Gerhard Grau, Carl-Heinz Rühl oder (bis zum Bundesliga-Skandal) Volkmar Groß hießen. Ganz zu schweigen von den Klub-Ikonen Erich Beer und Lorenz Horr. Die auch heute, vier Jahrzehnte nach ihrem Wirken in den 1970igern, in der Ewigen Hertha-Torjägerliste mit 83 Treffern (Beer) und 75 (Horr) auf den Plätzen zwei und drei liegen. Einzig Michael Preetz (84) vermochte hier Schritt zu halten.

Bei Ondrej Duda ist trotz der Gala auf Schalke längst nicht ausgemacht, wohin sein Weg führen wird. Die Hertha-Historie weist einige Vier-Buchstaben-Spieler aus, die den Erwartungen nicht ­gerecht wurden. Andre Lima etwa, 2007 als Torjäger aus Brasilien geholt, erwies sich als Flop: 16 Einsätze, zwei Törchen. Oder Ali Daei. Vom FC Bayern gekauft, als Welttorjäger angepriesen, sollte der Iraner 1999 Michael Preetz verdrängen. Wie die Geschichte ausging, ist bekannt: Daei zog drei Jahre später nach kümmer­lichen sechs Treffern weiter.

Pech mit Rahn, Olic wurde übersehen

Manchmal hat man Pech. 1990 ­verpflichtete Hertha mit Uwe Rahn einen Nationalspieler und Torjäger: Der kam durch viele Verletzungen nie in Tritt – die Berliner stiegen nach einer ­Katastrophensaison 1990/91 aus der Bundesliga ab.

Einmal wurde nicht genau genug hingeschaut. Als er seine Karriere 2017 beendet, standen in der Vita: zwei kroatische Meisterschaften, drei russische Meisterschaften, eine Deutsche Meisterschaft (2010 mit dem FC Bayern), ein Uefa-Cup-Sieg, zwei Teilnahmen im Finale der Champions League: Doch bei Hertha konnte der damalige Trainer Jürgen Röber mit dem jungen Ivica Olic nichts anfangen ... zwei Teieinsätze 1998 – und tschüss.

Wosz trifft gegen den AC Mailand

Aber natürlich bietet die Hertha-Chronik Duda auch andere Vorbilder. Andreas Thom sorgte von 1998 bis 2001 für die Rückkehr des Flügelspiel bei Hertha. Oder Dariusz Wosz. Der spielte Ende der 1990iger ähnlich wie Duda ­aktuell im Zentrum und war 1998/99 ein Schlüsselspieler für den völlig unerwarteten (und bis heute einmaligen) Einzug in die Champions League. In der ­Königsklasse schrieb sich Wosz ins ­Hertha-Geschichtsbuch ein mit seinem ­1:0-Siegtor gegen den AC Mailand im ausverkauften Olympiastadion.

An dieser Stelle könnten weitere Herthaner aus dieser Reihe stehen: Jürgen Mohr, Sixten Veit, Thorben Marx, Rob Maas, Nene, Kaka oder Bart Goor, der den Fans wegen seiner vier Tore im Liga-Spiel 2002 gegen den HSV in Erinnerung ist.

Aber eines sollte Duda allen Hertha-Fans versprechen: Sich bei seiner weiteren Karriere in Berlin auf gar keinen Fall zu orientieren an den Leistungen von ­Andreas Ottl oder Christian Lell ...

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