Bundesliga

Hertha gewinnt durch Dudas Doppelpack auf Schalke

Ondrej Duda sichert Hertha mit seinen Toren in der 15. Minute und in der Nachspielzeit den ersten Sieg auf Schalke seit 2004.

 Berlins Torschütze Ondrej Duda (Mitte), umringt von seinen Teamkollegen

Berlins Torschütze Ondrej Duda (Mitte), umringt von seinen Teamkollegen

Gelsenkirchen. Was seine Erinnerung anging, musste Ondrej Duda passen. „Puh, ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal zwei Tore geschossen habe. Vielleicht noch nie“, sagte der Mittelfeldspieler von Hertha BSC. Insofern war es nicht nur für den Berliner Bundesligisten ein historischer Abend, der durch ein 2:0 (1:0) zum ersten Mal seit 2004 beim FC Schalke gewinnen konnte. Zuvor hatten sich die Berliner in Gelsenkirchen zehn Niederlagen in Folge abgeholt.

Duda war der entscheidende Mann auf Berliner Seite. Nicht nur wegen seiner zwei Treffer, auch wegen seiner emsigen Defensivleistung, die den Gegner zur Verzweiflung trieb. Herthas Trainer Pal Dardai hatte sich bei der Wahl seiner Waffen eines Kniffs aus dem Geschichtsbuch der Fußballhistorie bedient. Schalkes vermeintlich wichtigsten Mann beim Spielaufbau ließ er in Manndeckung nehmen.

Abwehrchef Karim Rekik muss verletzt vom Platz

Wo immer sich Zugang Sebastian Rudy auch aufhielt, Duda gab stets dessen Schatten. Rudy, immerhin deutscher Nationalspieler, fragte irgendwann konsterniert Trainer Domenico Tedesco : „Trainer, wenn ich aufs Klo gehe, kommt der mit.“ Tedesco, der diese Vorgehensweise nur vom Hörensagen älterer Kollegen kannte, wusste sich keinen Rat. Dardai freute sich dagegen diebisch. „Das ist eine klassische ­Methode von vor 20 Jahren. Ondrej hat das überragend gemacht.“

Dabei hatte der Abend aus Berliner Sicht nicht gut begonnen. Verteidiger Karim Rekik musste nach fünf Minuten verletzt vom Feld. „Das sieht nicht gut aus. Karim hat sich wohl eine Muskelverletzung zugezogen“, sagte Dardai. Der Trainer hätte als Verteidiger Routinier Fabian Lustenberger (30) bringen können, aber er entschied sich, Flügelangreifer Javairo Dilrosun (20) zu dessen Bundesliga-Debüt zu verhelfen. Hertha ändert dafür das System von einer Dreier- auf eine Vierer-Abwehrkette. Jordan Torunarigha rückte in die Innenverteidigung, Maximilian Mittelstädt gab den linken Außenverteidiger.

Zunächst einmal standen aber nicht die jungen Berliner sondern Schiedsrichter Sascha Stegemann im Mittelpunkt, als er ein unnötiges Handspiel von Marko Grujic übersah. Nach Einspruch des Videoschiedsrichters entschied Stegemann nachträglich auf Elfmeter. Der Strafstoß von Daniel Caligiuri ging aber neben das Tor (13.). Es war der zweite Elfmeter gegen Hertha in dieser Saison und der zweite, der nicht ins Tor fand.

Die Schalker waren noch am Hadern, da setzte sich Dilrosun auf der linken Seite nach einem Pass von Torunarigha durch und bediente mit einem präzisen Rückpass zur Strafraumgrenze Duda, der die Gäste in Führung brachte (15.). „Das war völlig unnötig. Wir dürfen da gar nicht den Ansatz haben, nach vorn zu verteidigen“, ärgerte sich Schalkes Trainer Tedesco.

Von seiner Mannschaft war offensiv in der Folge wenig Konstruktives zu sehen. Hertha trat dagegen souverän auf. Bei eigenem Ballbesitz machten Dilrosun links und Salomon Kalou rechts das Spiel als Flügelangreifer im 4-3-3 breit. Griffen die Schalker an, rückten beide ein und verdichteten im 4-5-1-System. Schalke spielte ideenlos und kam kaum einmal durch die engmaschige Verteidigung. Rudy blieb bis zu seiner Auswechselung ein Fremdkörper. Wenn die Gastgeber gefährlich wurden, dann nach ruhenden Bällen. Bei einem Kopfball von Salif Sané hatte Jarstein Probleme (28.).

Die klareren Chancen besaß Hertha. Kalou versagtem nach einem Alleingang frei vor Schalkes Torwart Ralf Fährmann die Nerven (34.). Im Mittelfeld hatten Grujic, Duda und Arne Maier die Hoheit, Schalke wich immer wieder auf die Flügel aus, um Mittelstädt und speziell Valentino Lazaro zu testen, der sich auf der ungeliebten Position als Rechtsverteidiger keine Blöße gab. Im Gegenteil. Defensiv stand er sicher und versuchte, so oft wie möglich nach vorne zu stoßen.

Rote Karte für Schalkes Konoplyanka

Schalkes gefährlichste Aktion ließ bis in die Nachspielzeit auf sich warten. Mark Uth kam aus kurzer Distanz an den Ball und zwang Torwart Rune Jarstein zu einer Glanztat (90.+3). Dann überschlugen sich die Ereignisse. Herthas eingewechselter Dennis Jastrzembski setzte einen Konter, den Schalkes Konoplyanka mit einem Foul stoppte – Rote Karte (90.+5). Den Freistoß verwandelte Duda gekonnt. „Jeder ist extrem glücklich, für uns ist das ein Traumstart. Es ist gut, mit freien Köpfen in die Länderspielpause zu gehen“, sagte Valentino Lazaro nach dem ­dritten Sieg im dritten Pflichtspiel.

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