Hertha BSC

Kapitän Vedad Ibisevic – Einer wie keiner

Vedad Ibisevic beweist eindrucksvoll, dass er immer noch wichtig ist für Hertha. Auf Schalke kann er einen Meilenstein erreichen.

Foto: imago sport / imago/Christian Schroedter

Berlin.  Auf und ab hüpfte Vedad Ibisevic (34), wie ein Gummiball auf Beton. Herthas Kapitän hatte nicht mal ein entscheidendes Tor geschossen, sondern lediglich einen Volleyball so ins gegnerische Feld gespielt, dass die anderen nicht mehr reagieren konnten. „Das war’s“, rief Ibisevic und grinste so, wie nur jemand grinsen kann, der mit sich und der Welt im Reinen ist.

Gründe für die gute Laune gibt es genug. Im DFB-Pokal gelang ihm bei Eintracht Braunschweig der entscheidende Treffer zum 2:1. Zum Bundesliga-Auftakt gegen Nürnberg schoss er beim 1:0 das Siegtor. An Zahlen gemessen war er schon lange nicht mehr so wichtig. Klar, dass Ibisevic da guter Dinge ist – es sei denn, er soll sich dazu äußern. Dann kann die Stimmung schon mal kippen. Redefreudig ist er nicht wirklich, seine jüngsten Leistungen sagen genug. Am Sonntag, beim FC Schalke 04 (18 Uhr, Sky), hoffen die Berliner auf eine Fortführung von Ibisevics Serie.

Zugang Grujic drängt in die Startelf, Selke braucht noch Zeit

Der Bosnier ist genau zu jener Zeit in Topform, in der Hertha ihn am meisten braucht. Als Davie Selke vor sechs Wochen an der Lunge operiert werden musste, lautete eine Frage, wer denn nun für Hertha treffen sollte. In der vergangenen Saison war Selke mit zehn Toren nach Salomon Kalou (zwölf) erfolgreichster Schütze der Berliner. Ibisevic kam nur auf sechs Tore, und natürlich gab es Stimmen, die meinten, das wäre es mit ihm gewesen. Allein schon des Alters wegen.

Ibisevic aber spielte eine starke Vorbereitung, traf regelmäßig und schaffte es, die gute Form in die Pflichtspiele mitzunehmen. Gelingt ihm gegen Schalke ein Tor, würde er in den Kreis der erfolgreichsten zehn Bundesliga-Torschützen der Hertha-Historie aufrücken. Noch liegt Wolfgang Gayer (1969 bis 1972) vor ihm.

Dass Trainer Pal Dardai in den ersten beiden Pflichtspielen auf ein 3-4-3-System setzte, kam Ibisevic entgegen. Ob es in Gelsenkirchen bei dieser Formation bleibt, ist fraglich. Zugang Marko Grujic (22) drängt nach seinem Debüt letzte Woche in die Startelf. „Es kann sein, dass er von Anfang an spielt. Mit seiner Körpersprache und seinen Fähigkeiten beim letzten oder vorletzten Pass tut er unserer Mannschaft gut“, sagt Dardai.

Lob für Körpersprache und Siegeswillen

Bei einem Einsatz von Grujic im zentralen Mittelfeld wäre ein 4-2-3-1 denkbar. Für Selke, der unter der Woche ins Mannschaftstraining einstieg, kommt das Spiel gegen Schalke noch zu früh. Das Gleiche gilt für den neusten Zugang Derrick Luckassen (23), dem Dardai noch einen Fitnessrückstand attestierte. Beide sollen erst nach der Länderspielpause ein Thema für den Kader werden.

Was passiert, wenn Selke wieder fit ist, bleibt abzuwarten. Solange Ibisevic trifft, dürfte er aus dem Team nicht wegzudenken sein. Auch weil er Qualitäten einbringt, die bei Hertha nicht im Übermaß vorhanden sind. „Von seiner Sorte haben wir nicht so viele“, sagt Dardai. Herthas Trainer nennt vor allem die Körpersprache und den „unbedingten Siegeswillen“ seines Kapitäns. Aus diesem Grund durfte Ibisevic die Binde auch behalten, ganz gleich, ob er spielt oder auf der Bank sitzt. Dass sich dieser Zustand irgendwann wieder einstellen könnte, ist nicht unwahrscheinlich. Hertha möchte in dieser Saison den Gegner aggressiver anlaufen, früher stören und allgemein mehr in Bewegung sein. Ibisevic ist mit 34 Jahren nicht mehr 90 Minuten lang pausenlos unterwegs.

Trainer Dardai wünscht sich größere Tore

Dardai wird in den kommenden Wochen den richtigen Mix finden müssen, nur mit ausgeruhtem Personal lassen sich die hoch gesteckten Ziele verfolgen. In der Bundesliga soll es ein einstelliger Tabellenplatz sein. Und dann wäre da noch etwas. „Hertha BSC fehlt ein Titel. Dieser Verein braucht einen kleinen Titel, um einen Schritt weiterzukommen“, sagt Dardai. Gemeint ist der DFB-Pokal, nach Dardai „der einfachste Wettbewerb in Deutschland“. Die Meisterschaft kann bei der Dominanz des FC Bayern und den geringen finanziellen Möglichkeiten der Berliner derzeit ohnehin kein Thema sein.

Ibisevic dürfte diese ehrgeizigen Worte gern vernehmen, genauso wie der Vorschlag seines Trainers, die Tore zu vergrößern („je einen halben Meter oben, links und rechts – dann gibt es Ergebnisse wie früher, ein schönes 4:4 oder 5:3“). In der Vorbereitung hatte Ibisevic zwischen den Zeilen Bedenken geäußert. Der Weg mit vielen jungen Spielern sei ein Stück weit „unberechenbar“, zumal die direkte Konkurrenz teils kräftig investiert habe.

Manager Michael Preetz sagt: „Jeder Klub hat seine Philosophie, wir haben unsere und mit der fühlen wir uns sehr wohl.“ Hertha ist mit der Verpflichtung von Perspektivspielern ein Risiko eingegangen. Jedes Tor von Ibisevic würde helfen, dieses im Laufe der Saison zu minimieren.

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