Bundesliga

Wie Hertha die eigenen Fans gegen sich aufbringt

Die Berliner Klubführung ändert kurzfristig das Einlauflied von „Nur nach Hause“ zu „Dickes B“ und sorgt für Unmut in der Ostkurve.

In der Ostkurve entrollten Hertha-Fans während des Spiels gegen Nürnberg ein Transparent, auf dem sie die Vereinsführung kritisieren

In der Ostkurve entrollten Hertha-Fans während des Spiels gegen Nürnberg ein Transparent, auf dem sie die Vereinsführung kritisieren

Foto: Matthias Koch / imago/Matthias Koch

Berlin.  Ein infernalischer Sound war das, was 52.729 Zuschauer vor dem Anpfiff gegen Nürnberg (1:0) zu hören bekamen. Aus den Boxen des Olympiastadions wummerte das Lied „Dickes B“ von Seeed. Dagegen schmetterten die Fans in der Ostkurve „Nur nach Hause“, das Einlauflied der vergangenen Jahre. Zu verstehen war für den neutralen Besucher nichts. Als beide Teams loslegen wollten, gab es ein gellendes Pfeifkonzert aus der Ost-Kurve. Adressat der Unmutsbekundung war die Ehrentribüne, wo die Verantwortlichen von Hertha BSC saßen.

Trotz kommunikativer Schwierigkeiten zwischen Klub und Anhang noch aus der Vorsaison hat die Geschäftsleitung ein neues Problem aufgemacht, das Hertha wohl bis auf Weiteres begleiten wird. Es geht um die Viertelstunde vor dem Anpfiff und das Einlauflied. Bisher gab es eine Vereinbarung zwischen der Ostkurve und Hertha: In dieser Zeit keine Beschallung, stattdessen singen sich die Anhänger ein. Nur unterbrochen vom Verlesen der Aufstellungen und dem seit 25 Jahren gespielten „Nur nach Hause“ von Frank Zander.

Doch am Abend vor dem Saisonstart verkündete Hertha via E-Mail an die Mitglieder: Das Einlauflied werde geändert, „Dickes B“ statt „Nur nach Hause“. Der Zander-Song bleibe erhalten, rücke im Vorlauf „der Stadionshow“ vor dem Anpfiff nur weiter nach vorne. Den Ultra-Gruppen der Harlekins und der Hauptstadtmafia wurde zudem telefonisch mitgeteilt: Für das Einsingen gäbe es zukünftig keine Zeit mehr.

Die „Aktive Fansszene Hertha BSC“ protestiert

Das Gefühl, immer weniger zu sagen zu haben, beschleicht die Fans ja schon länger. Und wird durch solche Maßnahmen nun natürlich noch verstärkt. „Das ist ein herber Einschnitt in das Stadionerlebnis. Das können und dürfen wir als Herthaner nicht akzeptieren“, hieß es in einer Stellungnahme der „Aktiven Fanszene Hertha BSC“. Man werde alles dafür tun, „die Herren der Geschäftsführung“ davon zu überzeugen, „dass uns unser Freiraum zurückgegeben werden muss.“

Entsprechend zweitönig klangen die Minuten vor dem Anpfiff. Inbrünstig sangen die Fans mit, als Frank Zander gegen 15.20 Uhr „Nur nach Hause gehn’ wir nicht“ live sang. Es folgte ein gellendes Pfeifkonzert und „Keuter raus“-Sprechchöre. Gerichtet an Paul Keuter, das Mitglied der Hertha-Geschäftsleitung für Digitalisierung und Kommunikation gilt den Fans als Auslöser der Probleme. Manager Michael Preetz sagte: „Wir brauchen einen frischen Blick nach vorn. Deshalb läuft Seeed beim Einlauf der Teams.“ „Dickes B“ ist eine Hymne auf die Stadt, als Hit aus dem Jahr 2001 allerdings auch nicht mehr so taufrisch.

Geschäftsleiter Paul Keuter bringt Anhänger gegen sich auf

Keuter verfolgte die Partie gestern auf der VIP-Tribüne an der Seite von Ex-Nationalspieler Arne Friedrich. Seit Keuters Amtsantritt 2016 ziehen sich kritische Äußerungen über den eigenen Anhang durch dessen öffentliche Auftritte. So auch in dieser Woche. Beim Fachkongress Spobis in Köln sagte Keuter: „Ich kann mich nicht darauf fokussieren, es nur denen recht zu machen, die seit 100 Jahren schon da sind.“ Es gäbe unter den Fans welche, die nicht mit den Werten Herthas konform gingen: „Da sind ein paar dabei, denen bringe ich den Mitgliedsausweis persönlich nach Hause.“ Angesprochen auf die Kritik an seiner Person, antwortete Keuter, die sei ihm „wurscht“.

Aussagen, die eher trennen als zusammenzuführen. Aber Hertha braucht die Anhänger durchaus.