Bundesliga

Keiner weiß, wo Hertha steht

Nach dem Trainingslager ist beim Berliner Bundesligisten noch vieles ungewiss – dabei steht in einer Woche das erste Pflichtspiel an

Im Trainingslager hat Coach Pal Dradai (l.)  seinem Team um Ondrej Duda gezeigt, wie er spielen will

Im Trainingslager hat Coach Pal Dradai (l.) seinem Team um Ondrej Duda gezeigt, wie er spielen will

Foto: Ottmar Winter

Berlin.  Am kommenden Mittwoch spielt Hertha BSC die Generalprobe für die kommende Saison gegen den Halleschen FC (16 Uhr, Amateurstadion), am Montag in einer Woche steigt das Erstrunden-Pokalspiel bei Eintracht Braunschweig. Doch so richtig weiß der Fußball-Bundesligist nach sechs Wochen Saisonvorbereitung noch nicht, wo er steht. Bezeichnend war der letzte Test im Trainingslager in der Steiermark. „Einen Gegner, der richtig bissig ist und uns fordert“, hatte sich Trainer Pal Dardai gewünscht. Es kam der griechische Zweitligist Aiginiakos FC – Hertha hatte gefühlt 95 Prozent Ballbesitz und gewann 7:0 (4:0).

Also machten die Berliner das, was sie in der gesamten Vorbereitung machen: das Beste aus den Umständen. Für die Laune von Kapitän Vedad Ibisevic war es wichtig, das Führungstor zu erzielen. Auch die Stürmer Pascal Köpke (zwei Tore) und Muhammed Kiprit (ein Tor) tankten Selbstvertrauen.

Der junge Jastrzembski ist eine Entdeckung

Die jungen Spieler drehten auf. Ihre Lust auf One-Touch-Fußball zeigten Maximilian Mittelstädt, Dennis Jastrzembski und Palko Dardai als Torschütze mit einer traumhaften Kombination beim 2:0. Überhaupt bestätigte der schnelle Jastrzembski (18) in Österreich seinen Status als die Entdeckung der Vorbereitung. Und sogar Ondrej Duda, seit zwei Jahren das Sorgenkind im offensiven Mittelfeld, zeigte aufsteigende Form, bereitete ein Tor vor und traf auch selbst.

Gegen den passiven Gegner konnte Hertha im Spiel das weiter einstudieren, was der Arbeitsschwerpunkt der Tage in Schladming gewesen war: die Dreier-Abwehrkette. Am Vormittag noch hatten die Trainer den Spielern auf einem großen Bildschirm, der am Rande des Platzes aufgebaut war, die Positionen und Abstände untereinander gezeigt. Verschiedene Angriffszüge wurden einstudiert, die gegen Aiginiakos mehrfach probiert wurden.

„Die Jungs haben es schnell kapiert“, lobte Trainer Dardai, „wenn wir dieses System spielen, verteidigt man entweder sehr tief oder sehr hoch.“ Er verwies indessen auch auf das, was fehlt: „Wir hatten einige gute Balleroberungen. Aber wir haben es dann nicht hinbekommen, diesen Chaosmoment auszunutzen, haben daraus kein Tor entwickelt. Da müssen wir weiterarbeiten.“

Lazaro als Rechtsverteidiger statt Offensivkraft

Die Neuen – Lukas Klünter, Javairo Dilrosun und Pascal Köpke – sind noch dabei anzukommen. Wer von ihnen wie schnell sofort in der Bundesliga helfen kann, bleibt abzuwarten.

Schwer wiegen die Verletzungsausfälle. Mit Stürmer Davie Selke, Mittelfeldspieler Vladimir Darida und Rechtsverteidiger Peter Pekarik fehlen bis auf Weiteres wichtige Profis. In Schladming zog sich zudem Mathew Leckie eine Innenbanddehnung am Knie zu. Der Australier wird die kommende Woche in der Reha verbringen.

Trainer Dardai hat auf die Ausfälle reagiert. Auf der rechten Außenverteidiger-Position hatte Hertha ja Mitchell Weiser abgegeben (für zwölf Millionen Euro Ablöse nach Leverkusen). Pekarik ist verletzt, Klünter war in Schladming wenig auffällig. Deshalb war dort nun mehrfach Valentino Lazaro im Einsatz. „Am liebsten spiele ich in der Offensive, weil man da bei den entscheidenden Situationen beteiligt ist“, sagte Lazaro zwar. „Aber wenn der Trainer mich hinten rechts braucht, spiele ich natürlich dort.“ Zudem kennt Lazaro die Position aus der österreichischen Nationalelf, wo er sie bisweilen bekleidet.

Personelle Verstärkungen werden noch benötigt

Bekanntlich ist Manager Michael Preetz noch auf der Suche nach Verstärkungen, das Wechselfenster ist bis zum 31. August geöffnet. Wer noch kommt und wann – ist unabsehbar. Vorerst sieht der Trainer mit Wohlgefallen, dass der Teamgeist im Kader stimmt. Zudem nimmt Dardai diverse Spieler in die Pflicht: „Ich bin gespannt auf Duda. Ich erhoffe mir von Ondrej überraschende Pässe. Daraus entwickeln sich mehr Chancen. Hat man mehr Chancen, kann man mehr Tore erzielen.“

Hertha hat eine Altersstruktur mit vielen jungen und diversen erfahrenen Profis (Ibisevic/34 Jahre, Salomon Kalou/33, Rune Jarstein/33, Per Skjelbred/31, Fabian Lustenberger/30, Thomas Kraft/30). Woran es etwas fehlt, ist dazwischen: Deshalb fordert der Coach einen nächsten Schritt von Lazaro, Karim Rekik (beide 22), Niklas Stark (23) und Marvin Plattenhardt (26): Stammspieler zu sein reiche nicht mehr, sagt der Ungar, „jetzt geht es darum, Leistungsträger zu werden“.

Hertha war zuletzt Zehnter. Ist der neue Jahrgang besser oder schlechter? Niemand weiß es. Liest man die Zeichen richtig, würden die Verantwortlichen Verstärkungen begrüßen. Und was passiert, wenn die ausbleiben? Dardai sagt: „Dann ist mit dem Manager abgesprochen, dass ich Zugriff auf die Toptalente aus dem Nachwuchs habe.“

Mehr über Hertha BSC:

Hertha-Manager Michael Preetz: „So weit sind wir noch nicht“

Vedad Ibisevic: „Herthas Weg ist unberechenbar“