Hertha BSC

Volle Pulle voraus: Per Skjelbred kämpft um seine Zukunft

Per Skjelbred kämpft bei Hertha verbissen um seinen Platz im Team. Dafür trainiert der Routinier härter denn je

Arbeitstier: In seinen fünf Jahren bei Hertha kam Per Skjelbred auf mindestens

Arbeitstier: In seinen fünf Jahren bei Hertha kam Per Skjelbred auf mindestens

Foto: Getty Images / City-Press/Getty Images

Berlin.  Morgens, wenn die Kinder aus dem Haus sind, läuft Per Skjelbred (31) das erste Mal zu Höchstform auf. Lange vor der ersten Trainingseinheit auf dem Schenckendorffplatz treibt Herthas Mittelfeldspieler schon seinen Puls in die Höhe, beim Intervalllauf durch seine Wohngegend. Rund eine halbe Stunde, hohes Tempo, roter Bereich. „Das ist unheimlich effektiv, mir bringt das viel“, sagt Skjelbred. Auf seiner Position im defensiven Mittelfeld muss er viel laufen, um Räume zu schließen. Es dem Gegner so unbequem wie möglich zu machen, das ist seine Stärke.

Kurz, aber intensiv ist sein privates Training. Als Familienvater hat er nicht noch Zeit für ausgiebige Zusatzeinheiten. Wenn es die Lage zu Hause aber doch noch erlaubt, läuft er abends oft noch mal los. Jetzt bloß nicht zurücklehnen.

Das Ergebnis der Schinderei ließ sich in den ersten drei Trainingswochen beobachten. Der Norweger wirkt extrem fit, die Muskeln spannen unter dem Trainingsshirt, seinen Körperfettanteil hat er auf um die sieben Prozent reduziert. Per Skjelbred, mehr Muskel als Mensch.

Duell mit Lustenberger um eine Zukunft in Berlin

Er hat ja auch einiges vor. Die kommende Saison, Skjelbreds sechste im Trikot des Berliner Bundesligisten, wird eine der wichtigsten für ihn persönlich werden. Im Sommer 2019 läuft sein Vertrag aus. Das Gleiche gilt für Fabian Lustenberger (30), dem einzigen Feldspieler im aktuellen Kader, der noch mehr Dienstjahre (zwölfte Saison) vorzuweisen hat. Lange spielten beide gemeinsam im defensiven Mittelfeld, aber die Gemengelage hat sich verändert.

Nach seiner vielversprechenden Debütsaison ist die zentrale Frage im Berliner Mittelfeld, wer neben Arne Maier (19) spielt. Skjelbred? Oder Lustenberger? Beide zusammen sind aus Sicht von Trainer Pal Dardai nicht unbedingt förderlich für Herthas offensive Bemühungen. Der Sieger dieses sportlichen Wettstreits dürfte die besten Aussichten auf eine Weiterbeschäftigung haben, für den Verlierer wäre wohl der Abschied die Konsequenz.

„Wir haben beide noch ein Jahr, aber auch ohne diese Konstellation wäre es eine Konkurrenzsituation“, sagt Skjelbred. Eher unwahrscheinlich, dass Hertha mit beiden Spielern über 2019 hinaus verlängert. Gerade im Mittelfeld und im Angriff geht es für die Berliner darum, sich neu aufzustellen.

In der Vorsaison erstmals nur Reservist

Manager Michael Preetz sagt: „Beides sind langjährige Herthaner, die immer sehr wichtig für uns waren, und ich wage die Prognose, dass sie das auch in der kommenden Saison sein werden. Ich habe mit beiden ausführlich gesprochen, wie es dann weitergeht, wollen wir von Spielzeit zu Spielzeit entscheiden.“

Auch Skjelbred gibt sich locker. Er weiß, dass langfristige Verträge in seinem Alter ohnehin nicht mehr zu erwarten sind. „Ich geh’ wie immer rein in die Saison“, sagt der Routinier: „Volle Pulle positiv.“ Dass er etwas verlieren könne, spüre er nicht. Wie es in seinem Inneren aussieht, ist allerdings eine andere Frage.

Im vergangenen Frühjahr durchlebte Skjelbred etwas, was ihm zuvor als Berliner noch nie widerfahren fahr. Eine Formkrise ließ ihn zum Zuschauer werden. Sieben Spiele lang gehörte er nicht zur Startformation. Stattdessen spielte Lustenberger neben Maier. Auch wenn er es nicht zugeben mag, aber die Situation wurmte ihn. Diese Erfahrung noch mal machen zu müssen, möchte er für den Rest seiner Berliner Zeit unbedingt vermeiden. Deshalb auch die Zusatzläufe.

Familie des Norwegers würde gern in der Hauptstadt bleiben

Es ist ja nicht so, dass Herthas Spieler in den Ferien nur ausspannen. Trainingspläne haben alle mitbekommen, aber Skjelbred war das nicht genug. Er möchte sicherstellen, weiterhin wichtig zu sein, möglichst länger als nur noch ein Jahr. Anreize zum Bleiben gäbe es genug. Die Familie fühlt sich in Berlin wohl, die Kinder gehen gern zur Schule, alle sprechen fließend deutsch. „Wir möchten noch ein paar Jahre im Ausland genießen, ehe es nach Hause geht“, sagt Skjelbred.

Die Pläne sind konkret, die Familie besitzt Immobilien in Trondheim. Bei Rosenborg, seinem ersten Verein als Profi, möchte er gern auch seine Karriere beenden. „Aber erst in ein paar Jahren.“ Am liebsten würde er bis in die hohen Dreißiger spielen. Rein körperlich hält er das für möglich. Und wenn die Karriere dann doch mal zu Ende geht? Soll ihm auch danach nicht langweilig werden. Vorsorglich hat Skjelbred schon mal einen Jagdschein gemacht.

In der nahen Zukunft will er es aber erst mal beim Abjagen von Bällen belassen. „Ich fühle mich sehr gut. Bei Hertha wissen sie, was sie von mir kriegen. Ich habe alles gezeigt, was ich kann“, sagt Skjelbred. Wenn er es schafft, das weiterhin zu tun, stehen die Chancen gar nicht so schlecht, dass seine Nachbarn ihn auch über den kommenden Sommer hinaus morgens durch ihr Viertel rennen sehen.