Immer Hertha

Für Arne Maier steht die Tür weit offen

Arne Maier gilt als kommender Fußball-Star. Der DFB ehrt den Herthaner als eines der besten deutschen Talente.

Volksnah: Herthas Hoffnungsträger Arne Maier (2.v.r.) beim Hertha-Training mit Teamkollege Salomon Kalou

Volksnah: Herthas Hoffnungsträger Arne Maier (2.v.r.) beim Hertha-Training mit Teamkollege Salomon Kalou

Foto: Annegret Hilse / dpa

Die besten Jugend-Torwarte der Stadt waren versammelt, dazu die besten Talente der Stadt. Aufgabe: pro Spieler 15 Schüsse. Die Szene liegt schon einige Jahre zurück, wird seither aber jedem Jahrgang aufs Neue erzählt: Von diesem blonden Mittelfeldspieler von Hertha, der alle 15 Schüsse im Tor versenkte. Seinen Namen haben sie sich damals beim Berliner Fußball-Verband ­gemerkt, mittlerweile ist er in ganz Europa ein Begriff – Arne Maier.

Der ist heute 19 Jahre und wird Anfang September beim Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Peru in Sinsheim mit der Fritz-Walter-Medaille ausgezeichnet. Der Deutsche Fußball-Bund ehrt jedes Jahr die besten drei Nachwuchsspieler in zwei Altersklassen. Als 17-Jähriger hat Maier die Medaille in Bronze erhalten, nun, zwei Jahre später wird sie ihm in Silber überreicht.

Die Vorgänger heißen Neuer, Kroos, Götze

Die Liste der Vorgänger ist Ansporn und Mahnung zugleich. Einerseits ist für Maier die Tür offen für eine ganz große Karriere. Unter den bisherigen Gewinnern waren Manuel Neuer (2005), Kevin Boateng (2006), Jerome Boateng (2007), Toni Kroos (2008), ­Mario Götze (2009), Julian Draxler (2011) oder Timo Werner (2015). Nachwuchshoffnungen, die sich später bei den besten und teuersten Vereinen der Welt tummelten wie Bayern München, Borussia Dortmund, AC Mailand, Real Madrid oder Paris St. Germain.

Von Klubs dieser Qualität ist Maier noch ein Stück entfernt. Wenn aber aktuell Fußball-Deutschland darüber diskutiert, wie nach dem historischen frühen WM-Aus beim Turnier in Russland der Neuaufbau der Nationalmannschaft aussehen kann, ­welche Talente in Frage kommen: Keine Aufzählung, in der nicht Arne Maier als Superstar in spe ­genannt wird.

Stellenwert bei Hertha hat sich verändert

Bei seinem aktuellen Arbeitgeber, bei Hertha BSC, hat sich sein Stellenwert rasant entwickelt. In seiner ersten Saison im Männerbereich war noch die Frage: Welcher Führungsspieler wird dem Talent Maier an die Seite gestellt? Doch Maier meisterte den schwierigsten Schritt für die allermeisten Spieler, den Sprung von der A-Jugend in den Bundesliga-­Fußball, als sei es das selbst­verständlichste auf der Welt.

In der neuen Saison, die in vier Wochen beginnt, lautet die Frage bei Hertha: Welche Spieler stellt Trainer Pal Dardai als Partner zu Maier?

Das Vorbild Jerome Boateng

Doch gerade bei Hertha BSC wissen sie auch um die Schattenseite. Shervin Radjabali-Fardi, Gewinner der Fritz-Walter-Medaille 2008, hatte im Anschluss Verletzungspech. Nach Jahren bei Drittligist Hansa Rostock hat sich die Spur des Berliners im Fußballgeschäft verloren. Lennart Hartmann, ebenfalls 2008 ausgezeichnet, ist mittlerweile ausgestiegen. Nachdem ein geplanter Karriereschritt zu den Vancouver Whitecaps nach Kanada misslang, Tennis Borussia nur eine Zwischenstation war, tauchte Hartmann zuletzt beim Futsal auf. Merke: Neben einer guten Gesundheit braucht es im Profigeschäft auch eine erheblich mentale Robustheit.

Selbst dann gibt es keine Gewähr, dass die Karriereplanung aufgeht. Der Berufsverlauf von Kevin Boateng gleicht einem Zickzack, im Gegensatz zu seinem Bruder Jerome. Der hat nach zwei finanziell motivierten Wechseln (von Hertha zum HSV und von dort zu Manchester City) mit dem Andocken 2011 beim FC Bayern alles richtig gemacht: Topgehalt und eingebaute Titelgarantie mit Deutschen Meisterschaften (6), DFB-Pokalsiegen (3), Champions-League-Siegen (1) und dem WM-Titel 2014.

Maier steht bei Hertha bis 2022 unter Vertrag

Wie hoch hinaus es für Maier geht, ist offen. Geboren in Ludwigsfelde, zeichnet ihn eine Brandenburger Sachlichkeit aus. Er lässt sich nicht verrückt machen von den Einflüsterern, die mit Karrieren beim FC Bayern oder FC Liverpool winken. Sein Motto heißt: Schritt für Schritt. Sein Arbeitspapier bei Hertha hat er bis 2022 verlängert. Noch ist Hertha groß genug für seine Entwicklung. Aber eigentlich sind sich die Experten einig: Nur der Himmel ist die Grenze für Maier.