Hertha BSC

Manager Michael Preetz: „Es geht um Weiterentwicklung“

Hertha-Manager Michael Preetz ist von der Qualität des Kaders überzeugt. Transfers wird es trotzdem noch geben

Manager Michael Preetz (2.v.r.) während Herthas Trainingslager mit Chef-Coach Pal Dardai (2.v.l.) und Co-Trainer Rainer Widmayer (r.)

Manager Michael Preetz (2.v.r.) während Herthas Trainingslager mit Chef-Coach Pal Dardai (2.v.l.) und Co-Trainer Rainer Widmayer (r.)

Foto: Getty Images / City-Press/Getty Images

Neuruppin.  Michael Preetz (50) hat gute Laune, und weil das so ist, macht er einen kleinen Witz. Als er beim eingießen die Marke des Kaffees entdeckt, erzählt er, dass ein guter Freund dort arbeiten würde und der Wahlspruch des Unternehmens lautet: „Unser Kaffee macht Athleten zu Raketen.“ Wenn das tatsächlich der Fall wäre, stünde dieser Kaffee wohl bei allen Klubs auf den Ernährungsplänen.

Die Athleten, die Hertha gerade im Trainingslager in Neuruppin beschäftigt, müssen ohne solche Hilfsmittel auskommen. Da zählt nur Training. „Wir haben auf einem sehr, sehr hohen Level trainiert, es gab keinen Leistungsabfall“, sagt Preetz am Dienstag während einer Bootstour über den Ruppiner See. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau und das Wasser rauscht gleichmäßig, während das Boot sich seinen Weg bahnt.

Kiprit bleibt bei den Profis, Kurt nicht

Herthas Manager ist von den Qualitäten des Kaders überzeugt. Nach dem Trainingslager wird trotzdem reduziert. Nikos Zografakis, Florian Krebs, Florian Baak, Maurice Covic, Maximilian Pronichev und Sinan Kurt werden wieder zur U23 geschickt, dort sollen sie Spielpraxis sammeln und nach individuellen Plänen trainieren. Muhammed Kiprit, Torjäger der U19, darf weiter bei den Profis weilen. „Er hat sich um Hemd und Hose gelaufen und gezeigt, dass er unbedingt bleiben will“, sagt Preetz, der nach der Verletzung von Davie Selke den Zukauf eines weiteren Stürmers ausschließt. „Davies Ausfall wird keine Auswirkungen auf unsere Transferaktivitäten haben.“

Dass der Berliner Bundesligist mit exakt den verbleibenden Spielern in die kommende Saison gehen wird, ist dennoch unwahrscheinlich. Personal könnte hinzukommen oder auch abgegeben werden. „Nach der WM wird viel Bewegung in den Transfermarkt kommen. Wir sind dabei und wenn für uns die richtige Personalie dabei ist, werden wir versuchen, zum Abschluss zu kommen“, sagt Herthas Manager. Konkrete Pläne gebe es in dieser Hinsicht. „Wir wissen sehr genau, was wir machen wollen.“

Wenn der Preis stimmt, darf Plattenhardt gehen

Hertha ist schon länger auf der Suche nach einem torgefährlichen Mittelfeldspieler. Auf dieser Position passierte in der vergangenen Saison aus dem Spiel heraus zu wenig. Das soll, das muss sich in Zukunft ändern – nicht nur aus sportlichen Gründen. Hertha kämpft mit einem eklatanten Zuschauerschwund. In der vergangenen Saison kamen im Schnitt 5000 Fans weniger zu den Heimspielen als im Jahr davor, wohl auch wegen der nur selten attraktiven Auftritte des Teams. Ein bisschen mehr Spektakel darf’s also schon sein: „Es geht um die Weiterentwicklung unseres Spielstils bei Beibehaltung der defensiven Stabilität“, sagt Preetz.

Wie Herthas Abwehrformation aussehen wird, ist ebenfalls noch unklar. Nationalspieler Marvin Plattenhardt (26) nimmt am Donnerstag wieder die Arbeit auf. Dass er trotz Vertragsverlängerung (bis 2020) auch bei Hertha bleibt, kann Preetz nicht komplett bestätigen. „Marvin hat durch die WM und seinen Einsatz gegen Mexiko eine andere Bühne betreten. Wenn es den Wunsch gibt auf eine Veränderung und es für beide Seiten passen sollte, können wir uns unterhalten.“ Wenn der Preis stimmt, darf Plattenhardt gehen, auch wenn Preetz sagt: „Er ist Stammspieler und fest eingeplant.“

Der Linksverteidiger kam vor vier Jahren als junger, entwicklungsfähiger Spieler für 500.000 Euro aus Nürnberg. Ihn jetzt gewinnbringend zu veräußern (im Raum stehen 20 bis 25 Millionen Euro), wäre eine konsequente Fortführung des unter Preetz eingeschlagenen Weges. Junge Spieler auszubilden und zu Profis zu machen, dafür steht Hertha mittlerweile.

Immer mehr internationale Talente wollen nach Berlin

Auch die drei Zugänge Lukas Klünter, Javairo Dilrosun und Pascal Köpke passen in dieses Schema. Alle wollen in Berlin den nächsten Karriereschritt machen. „Inzwischen werden wir für unseren Weg auch im Ausland wahrgenommen“, sagt Preetz, der von Beratern berichtet, die sich bei ihm melden würden, weil sie der Meinung sind, Berlin wäre genau der richtige Ort für ihre Spieler. „Inzwischen können wir auswählen“, sagt Preetz.

In dieser Hinsicht hat sich das Image von Hertha positiv geändert, in anderen Bereichen besteht Verbesserungsbedarf. In der Vorsaison gab es immer wieder Reibung zwischen Teilen der Fans und der Klubführung wegen der digitalen Ausrichtung des Vereins. Auch zu wenig Fannähe wurde bemängelt. Die Kieztouren durch die Stadt möchte Hertha nach einiger Pause wieder aufnehmen. Das Angebot ist da, nun müssen die Berliner nicht nur nachfragen, sondern auch hingehen.