Bundesliga

Hertha ist auf der Suche nach attraktivem Fußball

Mehr Tore, um den Zuschauer-Rückgang zu bekämpfen: Im Trainingslager in Neuruppin studiert der Bundesligist ein neues System ein.

Trainingsduell: Herthas Maximilian Mittelstädt (v.) und Pal Dardai jr

Trainingsduell: Herthas Maximilian Mittelstädt (v.) und Pal Dardai jr

Foto: Annegret Hilse / dpa

Berlin.  Die gute Nachricht bei Hertha BSC lautet: Weil die Spieler in der Sommerpause gut gearbeitet haben, ist der Bundesligist im Ausdauerbereich weiter als geplant. Deshalb fallen die Tage von heute bis kommenden Donnerstag im Trainingslager in Neuruppin anders aus als vorgesehen. Statt eines Lauf-Trainingslagers „werden wir vormittags an der Spritzigkeit arbeiten und nachmittags im taktischen Bereich“, sagte Hertha-­Trainer Pal Dardai der Morgenpost.

Die Herausforderung bei Hertha ist eine übergeordnete: Ob Manager Michael Preetz, Finanzchef Ingo Schiller oder der Trainer – beim Hauptstadt-Klub wissen alle Beteiligten um den alarmierenden Besucherschwund: Statt 47.000 ­Zuschauer in 2016/17 passierten im Spieljahr 2017/18 nur noch etwa 41.000 zahlende Kunden die Einlasskontrollen im Olympiastadion.

Das 3-5-2-System

Das Schlüsselwort für den blau-weißen Jahrgang 2018/19 ­lautet „attraktiver Fußball“. Nur, wie soll Hertha zu zaubern beginnen, nachdem der Kader in den vergangenen drei ­Jahren mit ­solidem, sachlichem Fußball auf den Rängen sieben, sechs und zehn ­abgeschlossen hat? Mitgedacht bei der Formulierung vom „attraktiven Fußball“ ist, dass er gleichzeitig bitte schön erfolgreich sein möge.

Da Hertha seit Längerem die Gegner kaum einmal überraschen konnte, soll in Neuruppin ein neues System einstudiert werden. Die seit Jahren ­gespielte Taktik ­4-2-3-1 mit Vierer-Abwehrkette und einem Stürmer soll ­ergänzt werden um ein 3-5-2-System.

Taugt Hoffenheim als Beispiel?

„Wir haben mit Niklas Stark, Fabian Lustenberger, Karim Rekik und Jordan Torunarigha die Innenverteidiger, die so eine Dreier-Abwehrkette spielen können“, sagte Trainer Dardai. Dieses System setzt zwei schnelle Spieler voraus, die bei Ballbesitz einen Rechts- und Linksaußen geben. Die aber, wenn der Gegner den Ball hat, sich zurückfallen lassen, so dass die Dreier-Kette zu einem Fünfer-Abwehrriegel wird.

Der ­Vorteil dieser Taktik: Auf dem Papier gibt es zwei Stürmer – das klingt wie ein Versprechen auf mehr Tore. Und was im Fußball ist attraktiver als Tore? Mit diesem System ist die TSG Hoffenheim vergangene Saison in die Champions League gestürmt und hat mit 66 Toren die zweitmeisten Treffer aller Bundesligisten (nach Meister FC ­Bayern) erzielt.

Trainer Dardai weist dennoch darauf hin: „Dieses System ist in der Regel defensiv. Nach der Ball­eroberung geht es um Umschaltfußball und schnelle Konter.“ Oder man spielt das System extrem offensiv und attackiert den Gegner bereits in dessen Strafraum. Das kann man allerdings nicht über 90 Minuten durchhalten. Die 48 Gegentore, die Hoffenheim kassiert hat, sind ebenfalls eine Mahnung.

Sparringspartner MSV und Duklas Prag

Das Einstudieren der Systeme gerät ein wenig zur Trockenübung, da es bei wichtigen Personalien bis zum 31. August (Ende der Wechselfrist) Fragezeichen gibt: Bleibt Linksverteidiger Marvin Plattenhardt – oder schweben für den deutschen WM-Fahrer millionenschwere Angebote aus der Premier League ein? Findet Hertha den gesuchten, torgefährlichen Offensivspieler?

Sparringspartner auf dem Weg zu Herthas Fußball-Zauber sind im Neuruppiner Volksparkstadion an diesem Donnerstag der heimische MSV (18.30 Uhr) und am Freitag Dukla Prag (17.30 Uhr).

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