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Für Hertha sind die Sommerferien vorbei

Bundesligist Hertha startet mit 30 Akteuren in die Vorbereitung. Trainer Pal Dardai ist von den drei Neulingen angetan.

Trainer Pal Dardai (2.v.l.) begrüßt die Zugänge Javairo Dilrosun, Pascal Köpke und Lukas Klünter (v.l.)

Trainer Pal Dardai (2.v.l.) begrüßt die Zugänge Javairo Dilrosun, Pascal Köpke und Lukas Klünter (v.l.)

Foto: City-Press / City-Press GbR

Berlin.  Valentino Lazaro hatte die Haare schön. Neue Frisur, Dreadlocks, beinahe wäre er als Zugang durchgegangen. Per Skjelbred sah enorm braun aus, was darauf schließen lässt, dass er weniger in Norwegen und mehr in südlichen Gefilden weilte. Dort könnte sich auch Alexander Esswein aufgehalten haben, der im ärmellosen Shirt auflief. So eine Auftakteinheit ist ja immer auch wie der erste Schultag nach den Sommerferien. Lange nicht gesehen. Was haste gemacht? Schicke Frisur.

Nach sechswöchiger Sommerpause fanden sich zu Herthas erstem Training 32 Spieler im Amateurstadion ein. Darunter auch Torhüter Marius Gersbeck, der zuletzt ausgeliehen war und sich schwer am Kreuzband verletzte. Er bekam besonders viel Applaus von den rund 600 Zuschauern. Derzeit befindet er sich in der Reha, mitmachen konnte er nicht – als Einziger.

Der Chefcoach kündigt harte Woche an

Trainer Pal Dardai ließ es zum Start locker angehen. Ein paar Laufrunden, Stretching, Ballübungen, alles in dem Tempo, in dem das deutsche Nationalteam zuletzt unterwegs war. Damit soll es sehr bald vorbei sein. „Wir sind motiviert und wollen richtig fit sein für das erste Pflichtspiel“, sagt der Chefcoach. Seit Donnerstag steht fest, dass dies am 20. August in Braunschweig (18.30 Uhr) stattfinden wird. DFB-Pokal, erste Runde beim Drittligisten – Weiterkommen als Pflicht.

Erstmals richtig an ihre Grenzen sollen die Spieler beim Lauftrainingslager in Neuruppin gehen (12. bis 18. Juli), das auch ein Testspiel gegen den Gastgeber beinhalten wird. Der spielt in Liga sechs, viel schwerer möchte es Dardai zu diesem frühen Zeitpunkt nicht. „Neuruppin wird wirklich hart“, sagt er. Sicher keine leere Drohung. Schwitzen, schwitzen, schwitzen in der Geburtsstadt Fontanes.

Später dann, im österreichischen Schladming (4. bis 11. August) möchte der Trainer vorrangig im taktischen Bereich arbeiten. „Da wollen wir Spielzüge einstudieren, gerade im offensiven Bereich“, sagt Dardai. Dort hakte es vorige Saison oft. Wenig Spielwitz. Wenig Kreativität. Kaum Chancen.

Zwei, die das verändern sollen, sind Javairo Dilrosun (20) und Pascal Köpke (22). Die neuen Offensivkräfte waren beim Auftakt genauso dabei wie Lukas Klünter (22), der als rechter Verteidiger die Lücke schließen soll, die Mitchell Weiser (zu Bayer Leverkusen) hinterlassen hat. „Alles sehr höfliche und fleißige junge Menschen“, sagte schwärmte Dardai über die Neuen.

Ganz ohne derartige Höflichkeiten wird die anstehende Leistungsdiagnostik ausfallen. Sie zeigt schonungslos, wer in der Sommerpause seine Hausaufgaben gemacht hat. Noch muss das Trainerteam gut 30 Akteure beschäftigen, darunter „viele junge Spieler, die unsere Zukunft sind“, so Dardai. Nach drei Wochen soll die Gruppe verkleinert werden. „Dann werden wir wissen, wer die Einheiten wie gut verkraftet hat und wer wie weit ist“, sagt Dardai.

Noch nicht mit dabei sind die beiden WM-Fahrer Marvin Plattenhardt und Mathew Leckie, die nach dem Vorrunden-Aus mit ihren Nationalteams drei Wochen Urlaub machen dürfen. Wie lange Plattenhardt in Berlin bleibt oder ob er überhaupt noch mal am Training teilnimmt, lässt sich allerdings nicht mit Bestimmtheit sagen. Bei der entsprechenden Ablöse ab 25 Millionen Euro wäre Hertha gewillt, den Nationalspieler ziehen zu lassen, aber das ist Zukunftsmusik.

Gegenwartsmusik dröhnte während des Trainings nahezu pausenlos aus den Boxen im Amateurstadion. Hip Hop, Reggae, Elektronisches, ein bisschen wie in der Strandbar. Passend krempelte sich Esswein die ohnehin schon recht kurze Hose noch mal hoch. Seine Oberschenkel betonte das enorm. Vielleicht wollte er Dardai signalisieren: „Sieh’ her, Trainer, alles noch fit – das Laufprogramm können wir uns ruhig sparen.“ Doch daraus wird nichts werden. Ganz egal wie hoch Esswein die Hose in den kommenden Tagen auch krempeln wird.

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