Fussball

Drei Herthaner als Sparringspartner für den Weltmeister

Torunarigha, Mittelstädt und Friede spielen heute erneut mit der U20 gegen die Nationalmannschaft.

Drei Herthaner für Deutschland: Maximilian Mittelstädt (v.l.), Jordan Torunarigha und Sidney Friede geben mit der deutschen U20 den Sparringspartner für die Nationalelf

Drei Herthaner für Deutschland: Maximilian Mittelstädt (v.l.), Jordan Torunarigha und Sidney Friede geben mit der deutschen U20 den Sparringspartner für die Nationalelf

Foto: Ottmar Winter

Eppan.  Am Mittwoch wird Jordan Torunarigha der Weltklasse ziemlich nahe kommen. Es könnte sogar sein, dass sich der Verteidiger von Hertha BSC bei der Weltklasse unbeliebt macht. Ein Grillabend der deutschen U20-Nationalmannschaft mit der A-Nationalelf von Bundestrainer Joachim Löw ist geplant. Und irgendwer sprach in diesem Zusammenhang auch von einem kleinen Turnier auf der Playstation. Bei der Fußballsimulation „Fifa 2018“ kann dann jeder gegen Mesut Özil, Joshua Kimmich und Co. zeigen, was er drauf hat. „Falls es so kommt“, sagt Torunarigha, „werden die bei Fifa keine Chance haben.“

Torunarigha lacht. Der 20-Jährige ist nach der Bundesligasaison mit Hertha, in der er zwölf Mal zum Einsatz kam, nicht in den Urlaub gefahren, weil der Weltmeister ihn braucht. Nicht an der Playstation, sondern auf dem Trainingsplatz der Sportzone Rungg in Südtirol. Dort bereitet sich die deutsche Nationalelf aktuell im Trainingslager auf die WM vor. Torunarigha sowie die beiden anderen Herthaner Maximilian Mittelstädt und Sidney Friede im Kader sollen gemeinsam mit der U20-Auswahl als Sparringspartner dienen.

Das erste Trainingsspiel über zweimal 30 Minuten endete am Montag 1:7 aus U20-Sicht. An diesem Mittwochvormittag wird es ein zweites geben. Alles im Verborgenen versteht sich. Das Nachwuchsteam von Trainer Frank Kramer soll dabei vor allem das hohe Gegenpressing, aber auch das sich tief in die eigene Abwehr Zurückziehen nachstellen. Denn das erwartet Löw von den Gegnern bei der WM. Seine Mannschaft soll dafür Lösungen einstudieren. Und es kommt dann auch schon mal vor, dass der 58-Jährige oder einer seiner Co-Trainer die Testpartie unterbricht, um den Nachwuchskräften Anweisungen zu geben, wie sie sich zu verhalten haben. Torunarigha, der auch schon für die deutsche U21-Auswahl gespielt hat, durfte am Montag eine halbe Stunde in der Abwehrkette gegen Mario Gomez und Nils Petersen ran. „Das ist schon Wahnsinn, was die spielen“, sagte der Verteidiger, „da sieht man, dass noch einiges an Arbeit auf uns wartet, um dorthin zu kommen.“ Dennoch sei das ein besonderes Erlebnis für ihn – den Weltmeister beim möglichen Weg zur Titelverteidigung zu unterstützen. Am Mittwoch werden auch Außenbahnspieler Mittelstädt und der defensive Mittelfeldspieler Friede zum Einsatz gegen Özil und Co. kommen.

Am Donnerstag geht es zurück nach Berlin für die drei Herthaner. Urlaub und dann Saisonvorbereitung mit dem Team von Trainer Pal Dardai. Mit seiner ersten vollen Saison bei den Profis sei er zufrieden, sagt Torunarigha, „wir sind solider Zehnter geworden.“ Aber: „Ich würde in Zukunft gern mehr spielen.“ Fünf Mal wurde er nur eingewechselt. „Doch das kommt mit der Zeit. Ich bin noch jung und muss Geduld haben“, sagt der Linksfuß. Letzteres musste er erst lernen. Ende April beschwerte sich Torunarigha auf Instagram, nachdem er beim 2:2 gegen Augsburg wieder nur auf der Bank gesessen hatte: „Sie werden dich ignorieren, bis sich dich wieder brauchen“, schrieb er. Dardai stieß das auf. Heute sei das erledigt, sagt Torunarigha. „Ich habe mich entschuldigt. Aber es war auch eine gute Erfahrung. Man muss manchmal etwas falsch machen, um etwas zu lernen.“

Torunarigha hat mit der U20 gegen den Weltmeister aber auch schon mal etwas richtig gemacht. Die 7:1 am Montag im ersten Test ist nämlich ein gutes Omen für Löws Team: Auch 2014 gewann es das erste Übungsspiel gegen die U20 in dieser Höhe. Am Ende holte Deutschland den vierten Stern.

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