U19-Finale

Ein Versprechen auf Herthas Zukunft

Warum die Deutsche Meisterschaft der U19 für die Gegenwart und Zukunft von Hertha wichtig ist

Zwei Versprechen auf die Zukunft von Hertha: Arne Maier (l.) und Pal Dardai jr.

Zwei Versprechen auf die Zukunft von Hertha: Arne Maier (l.) und Pal Dardai jr.

Foto: Christof Koepsel / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Auf der Rückfahrt aus Oberhausen machte der dunkelblaue Teambus ausnahmsweise Station an einem Fastfood-Restaurant. Die geplante Feier fiel aus, weil der blau-weiße Tross erst um drei Uhr nachts in Berlin ankam. Am Vormittag waren sie von der Schule befreit, doch am Nachmittag saßen fünf Hertha-Youngster wieder auf der Schulbank. Allerdings als Deutsche Meister der U19 - nach dem hart erkämpften 3:1 gegen den FC Schalke.

Im 50. Wettbewerb dieser seit 1969 ausgetragenen Meisterschaft hatte es Hertha BSC endlich ins Finale geschafft – und brachte die Trophäe prompt mit in die Hauptstadt. „Das ist ein Riesenerfolg für Hertha BSC und für unsere Akademie“, freute sich Trainer Michael Hartmann. Er dürfte derzeit der einzige Coach sein, der diesen Titel mit zwei verschiedenen Vereinen erreicht hat (2010 mit der U19 von Hansa Rostock).

Preetz: Kompliment für Michael Hartmann

Manager Michael Preetz freute sich: „Das ist der verdiente Lohn für eine tolle Arbeit. Kompliment an Michael Hartmann. Es ist nicht leicht, als Trainer an der Schnittstelle zwischen U19 und den Profis zu arbeiten.“

Der Erfolg ist „wichtig für das Renommee“ (Preetz) - er ist aber auch wichtig für die ­gesamte Ausbildungsarbeit von Hertha. Seit Jahren konkurriert der Hauptstadt-Klub im Kampf um die besten Talente mit Klubs, die die Jugendlichen (oder deren Eltern) mit relativ hohen Geldsummen locken wie der VfL Wolfsburg, RB Leipzig, TSG Hoffenheim oder neuerdings auch der FC Bayern.

Konkurrenz zu RB Leipzig und FC Bayern

Hertha wedelt weniger mit großen Schecks, sondern versucht die Youngster und deren Eltern von dem Gesamtpaket in Berlin zu überzeugen: von kurzen Wegen etwa mit der Poelchau-Sportschule, die direkt im Olympiapark angesiedelt ist. Von der Durchlässigkeit zu den Profis, für die Karrierecoach Ante Covic und Profitrainer Pal Dardai zuständig sind. Da unterstreicht ein ­Titel wie der von der U19 die sportliche Leistungsfähigkeit von Hertha BSC.

Benjamin Weber, Leiter der Nachwuchsakademie lobte den Erfolg als große Teamleistung. Florian Krebs, der beim Endspiel gegen Schalke mit seiner Vorlage zum ersten Tor und einem spektakulären Freistoß zum zweiten Treffer entscheidenden Anteil am Sieg hatte, sagte: „Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Die Mannschaft ist für mich wie eine Familie.“

Smarsch von Schalker Fans bepöbelt

Doch die Familie hat in Oberhausen ihr letztes Spiel in dieser Zusammensetzung bestritten. Nun werden sich die Wege trennen. Zuvor hat sie in Oberhausen eine Qualität bewiesen, die auch die Hertha-Profis in der Bundesliga gut brauchen könnten: Wenn’s drauf ankommt – cool bleiben und siegen. „Eine brutale Effizienz“, bescheinigt Weber diesem Hertha-Jahrgang.

Zum ersten Mal vor so einer Kulisse (9400 Zuschauer), die ­langen Stunden Warten im Hotel, das mediale Rampenlicht mit Fernsehen. Torwart Dennis Smarsch wurde über 90 Minuten von Schalker Anhängern bepöbelt. Die Antwort: Herthas-Schlussmann, der seit Monaten bei Torwarttrainer Zsolt Petry bei den Profis trainiert, gab den Eisvogel. Smarsch hatte sich seine beste Saisonleistung fürs Finale aufgehoben und parierte mehrfach glänzend. Dazu nutzen Krebs (26.), Panzu Ernesto (9.) und Arne Maier (83.) ungerührt ihre Chancen.

Arne Maier ist nicht Kevin Boateng

Bei allem Jubel: Diese Meistermannschaft hat keine Supertalente wie der 1987erJahrgang: Kevin Boateng und Ashkan Dejagah waren damals europaweit begehrt. Aktuell haben Arne Maier, Florian Baak, Julius Kade, Pal Dardai jr. und Dennis Jastrzembski bereits Verträge bei den Profis. Mit Smarsch, Nikos Zografakis und Muhammed Kiprit gibt es weitere spannende Talente.

Die Tür zum Traum vom Fußball-Profi haben viele aufgestoßen. Was ­davon in Erfüllung geht, hat jeder der Youngster selbst in der Hand. Die ­Anforderungen beschreibt Trainer Hartmann: „Wichtig ist es, sich jetzt nicht zufrieden zu geben, sondern zu wissen: Sie müssen mehr machen als die anderen, die schon im Profigeschäft ­angekommen sind.“

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