Mitgliederversammlung

Hertha ist noch nicht reif für eine Frau

Juristin Susanne Klabe fällt bei Wahl zum Aufsichtsrat durch. Klub gibt 59,1 Millionen für Personal aus und umwirbt Jugendliche.

Foto: Jan-Philipp Burmann / City-Press GbR

Berlin.  Ihr Auftritt hatte Charme. Selbstironisch spielte Susanne Klabe mit dem Umstand, dass sie die einzige Frau war, die sich für eine Stelle im Aufsichtsrat von Hertha BSC bewarb. Sie wolle ihr „Handtäschchen in den Ring werfen“ und dabei keine „Quotenfrau“ sein, sagte sie. Nur war Charme nicht unbedingt gefragt an diesem Abend in einer der Messehallen am Funkturm. Klabes Chancen auf das Amt sanken gen Null, als die Sprache auf ihren Beruf kam. Für viele Mitglieder war die Juristin als Vertreterin einer Interessengemeinschaft aus der Immobilienbranche nicht wählbar. Sie steht für „Gentrifizierung“, behauptete ein Mitglied. Und weiter: „Hertha ist ein proletarischer Verein. Wenn Sie für eine Firma arbeiten, die hier in Berlin die Mieten mit hoch treibt, passt das nicht zusammen.“

Nachdem der Klassen-Standpunkt also geklärt war, stimmten die Mitglieder ab. Und wer erhielt von den anwesenden Mitgliedern des proletarischen Vereins Hertha BSC die meisten Stimmen? Andreas Schmidt, Ex-Profi, und seit Jahren mit millionenschweren Vermögen befasst. Schade für Susanne Klabe, für einen Aufsichtsrat mit Frau ist Hertha 2018 noch nicht bereit. Schmidt wird dem neu gewählten Aufsichtsrat genau so angehören wie Torsten-Jörn Klein, Scott Körber, Klaus Brüggemann und Bernd Schiphorst.

Schiphorst erst im zweiten Wahlgang erfolgreich

Schiphorst (75), langjähriges Mitglied des Führungszirkels, wurde von den Anwesenden abgewatscht und erst im zweiten Wahlgang ins Amt gehievt. Herthas „elder statesman“ galt vielen als mitverantwortlich für die Ausgrenzung der Fans zur 125-Jahrfeier. Darüber hinaus hatte er als personifiziertes Establishment ohnehin einen schweren Stand aufgrund der Querelen zwischen Basis und Führung. Als Vorsitzender des ­Gremiums wird er künftig nicht mehr fungieren.

Wenig verwunderlich aufgrund der Kontroversen, dass die Stimmung immer mal wieder etwas angespannter ausfiel im Laufe des Abends. Das Thema Digitalisierung erhitzte wie erwartet die Gemüter, allerdings ist ein Ende in der Debatte längst nicht absehbar. Der Verein pochte weiter auf seinen Standpunkt und sprach von einer „Chance und absoluten Notwendigkeit, um wettbewerbsfähig bleiben zu können“. Bei der Basis bleibt die Meinung vorherrschend, der Hauptstadt-Klub betreibe seinen Kurs zu aggressiv und ­vernachlässige dabei andere Kernbereiche.

Nur noch 41.000 Besucher lösen ein Ticket

Murren gab es auch bei den Ausführungen von Manager Michael Preetz, der betonte, Hertha habe eine „stabile und ordentliche Saison“ gespielt. Den Verweis auf den unattraktiven Spielstil der Mannschaft wollte Preetz nicht als alleiniges Argument für den gravierenden Zuschauerrückgang gelten lassen. Hertha wird mit einem vermutlichen Schnitt von 41.000 weit hinter den Zahlen der letzten Jahre zurückbleiben.

Als Reaktion auf den Negativtrend wird der Berliner Bundesligist zur kommenden Saison seine Preispolitik anpassen. Der Kartenpreis soll sich stärker an der Nachfrage orientieren, so Finanzchef Ingo Schiller. Dass heißt, weniger beliebte Spiele gegen Freiburg, Mainz oder Augsburg dürften billiger werden, die Begegnungen mit Bayern, Dortmund, Schalke oder Leipzig dagegen teurer.

Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 14

Zudem wirbt Hertha um den Nachwuchs. So bezahlen zur neuen Saison Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren bei 15 von 17 Heimspielen keinen Eintritt im Olympiastadion (ausgenommen sind die Spiele gegen Bayern und Dortmund. Familien- und ­Gruppen­tickets werden billiger.

Finanziell plant Hertha für die kommende Saison mit einem Rekordetat. Dem Klub stehen 131,4 Millionen Euro zur Verfügung, davon generieren die TV-und Radiorechte allein 65,6 Millionen Euro. Die Ausgaben beziffert Hertha auf 131 Millionen Euro (davon 59,1 Mio. Euro für ­Personal).

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