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Ex-Coach Stevens: „Niko ist schlitzohriger als Pal“

Der frühere Hertha-Coach Huub Stevens blickt gespannt auf das Duell seiner Ex-Spieler Dardai und Kovac.

Erbitterter Konkurrenzkampf: Pal Dardai (r.) und Andreas Neuendorf (l.) 2003 im Trainingsspiel gegen Niko Kovac

Erbitterter Konkurrenzkampf: Pal Dardai (r.) und Andreas Neuendorf (l.) 2003 im Trainingsspiel gegen Niko Kovac

Foto: imago sport

Berlin.  Der Fußball-Lehrer Huub Stevens hat der Bundesliga ein reichhaltiges Erbe hinterlassen. Mit seiner mürrischen Art erhob der Niederländer einst das Knurren zur salonfähigen Kommunikationsform, und sein ewiger Leitsatz, „Die Null muss stehen!“, ist ohnehin längst ins Kulturgut des deutschen Fußballs eingeschmolzen. Auch wenn sich Stevens (64) vor zwei Jahren aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand verabschiedet hat, finden sich seine Spuren so bis heute an den Seitenlinien der Liga wieder – auch im Geiste seiner früheren Spieler Pal Dardai (42) und Niko Kovac (46).

Wenn sich die einstigen Berliner Mittelfeld-Konkurrenten heute als Trainer von Hertha und Eintracht Frankfurt begegnen (15.30 Uhr, Sky), blickt Stevens besonders aufmerksamer gen Main. „Pal und Niko entwickeln sich immer weiter“, sagt er der Morgenpost. „Ich bin stolz, dass sie in der Bundesliga trainieren und ich vielleicht einen kleinen Anteil daran habe.“

Schon als Profis in Berlin waren die Trainer Rivalen

Dass Stevens zu den prägendsten Trainern seiner Karriere gehört, gibt Dardai offen zu. „Er ist ein guter Coach“, hat er mal erzählt, „wir haben ehrliche Arbeit bei ihm erlebt.“ Eine Qualität, die der Ungar auch seinem ewigen Rivalen Kovac zuschreibt. „Ich traue ihm zu, bei den Bayern erfolgreich zu sein“, sagt er über Kovacs künftiges Engagement beim Star-Ensemble in München: „Er ist ein ehrlicher Mensch, und wenn man ehrlich ist, kann man lange arbeiten.“ So wie Stevens, der über 20 Jahre in der Bundesliga wirkte.

Ihre Geradlinigkeit im Umgang eint Stevens, Dardai und Kovac, genauso wie ihre grundsätzliche Auffassung von Fußball. Kompaktheit und defensive Stabilität, Stichwort „Die Null muss stehen!“, bilden die Grundpfeiler ihre Philosophie, gestützt von Disziplin und harter Trainingsarbeit. In seiner Zeit als Hertha-Trainer (2002-03) sind Stevens aber auch Unterschiede zwischen Dardai und Kovac aufgefallen. Als die Berliner ohne ihren verletzten Superstar Marcelinho ins Straucheln kamen, habe der gerade als Weltpokalsieger aus München zurückgekehrte Kovac „zu viel gewollt“. Dardai hingegen habe „immer das gebracht, was die Mannschaft gebraucht hat“. Stevens Nachfolger Hans Meyer sah es ähnlich. Auch er hielt an Dardai fest, sortierte Kovac indes aus. Der nächste Hertha-Coach, Falko Götz, entschied sich hingegen pro Kovac und gegen Dardai.

Die Unterschiede zwischen beiden lagen und liegen bis heute in Nuancen, die Gemeinsamkeiten überwiegen. Dass es Kovac ist, den es nun nach München zieht, wundert Stevens allerdings nicht. „Es gibt einen Unterschied zwischen Ungarn und Kroaten“, sagt er über die Profis Dardai und Kovac, „Kroaten sind etwas eigensinniger. Niko ist zwar im Grundsatz ein gradliniger Typ, aber in bestimmten Situationen kann er auch ein Schlitzohr sein.“ Ein Schelm, wer dabei an die Anbahnung mit dem FC Bayern denkt.

Dardai und Kovac haben eine ähnliche Laufbahn

Interessant gemacht haben sich die Trainer Dardai und Kovac fast im Gleichschritt. Beide begannen im Nachwuchs, beide übernahmen die Nationalteams ihrer Heimatländer, beide gingen in der Bundesliga zunächst auf Rettungsmission im Abstiegskampf. Dardai führte Hertha anschließend auf Rang sieben und 2017 in die Europa League. Kovac erreichte mit der Eintracht gerade zum zweiten Mal in Folge das Finale des DFB-Pokals und möchte zum Abschied in den Europacup. Ein Ziel, für das es gegen Hertha dringend einen Sieg braucht.

Ob die Eintracht tatsächlich europäisch spielt, sei dahingestellt. Für Kovac dagegen steht die Zukunft schon fest. Für ihn geht es nach München und damit in jeglicher Hinsicht in die Champions League. Große Namen, englische Wochen, hohe Belastungen und noch höhere Erwartungen – der Junge aus dem Wedding betritt Neuland. Und wird sich beweisen müssen.

„In Frankfurt hatte Niko ein Umfeld, das ihm sehr nahe ist“, sagt Stevens. Gemeint sind Kovacs rechte Hand, Bruder Robert (44), Manager Fredi Bobic, ein Freund seit Spielertagen, und Co-Trainer Armin Reutershahn, der auch viele Jahre mit Stevens arbeitete. Ob Kovac in München ähnlich starke Unterstützung erhalten wird? „Ich bin gespannt“, sagt Stevens, „es wird auf jeden Fall Zeit brauchen. Niko arbeitet mit anderen Menschen, auch mit ganz anderen Spielern, mit Weltmeistern. Damit muss man umgehen können, aber das traue ich ihm zu.“

Während Kovac den nächsten Entwicklungsschritt bei einem Topklub machen will, bleibt Dardai Hertha treu. Für Stevens nur folgerichtig. „In der Öffentlichkeit bist du zwar immer nur so gut wie das letzte Spiel war“, sagt er, „aber in Wahrheit geht es doch um viel mehr. Pal passt perfekt zu Hertha. Er und Michael Preetz machen gute Arbeit.“ Eines Tages könne ein Tapetenwechsel nicht schaden, meint er, aber eben nur im richtigen Moment. Der scheint noch nicht in Sicht. Rechnet man die Einsätze als Spieler und Trainer zusammen, macht Dardai am Sonnabend sein 400. Bundesligaspiel für Hertha. Seine Ehrlichkeit hat sich bewährt.

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