Fussball

Hertha und der Kampf gegen die schwarze Serie

Die Berliner holten in dieser Saison nach Länderspielpausen nur ein Remis. Das soll sich gegen Wolfsburg jetzt ändern.

Salomon Kalou und Vedad Ibisevic beim Training

Salomon Kalou und Vedad Ibisevic beim Training

Foto: M. Popow / imago/Metodi Popow

Berlin.  Schweiß lief Vedad Ibisevic (33) und Salomon Kalou (32) über die Stirn. Ihre Gesichter verrieten Erschöpfung, Ibisevic atmete angestrengt ein und aus, Kalou tat es ihm nach, während er zu Boden schaute. Vielleicht schoss den beiden Angreifern von Hertha BSC in diesem Moment der gleiche Gedanken durch den Kopf. „Hätten wir doch bloß nicht Schluss gemacht.“

Schluss gemacht haben Ibisevic und Kalou vergangenen Herbst mit ihren Nationalmannschaftskarrieren, beide nachdem sie im Trikot von Bosnien und der Elfenbeinküste in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2018 gescheitert waren. Nicht mehr so viel reisen, sich noch stärker auf ihren Verein konzentrieren, das war die Absicht. Zum Dank mussten sie am Dienstag auf dem Schenckendorffplatz eine intensive Trainingseinheit absolvieren, mit Läufen über 200 Meter.

Zwölf Spieler waren bei Hertha weg

Für Herthas Trainer Pal Dardai ist ihre Anwesenheit auch im erschöpften Zustand ein Segen. Ohne Kalou und Ibisevic wäre die Gruppe der abwesenden Nationalspieler noch größer. Nicht weniger als zwölf Spieler standen in den vergangenen Tagen nicht zur Verfügung. Im Detail waren das Marvin Plattenhardt (Deutschland), Rune Jarstein (Norwegen), Vladimir Darida (Tschechien), Ondrej Duda, Peter Pekarik (beide Slowakei), Mathew Leckie (Australien), Valentino Lazaro (Österreich), Jordan Torunarigha (U21), Maximilian Mittelstädt, Sideny Friede (beide U20), Arne Maier und Florian Baak (beide U19). Was die Zahl der Abstellungen angeht, liegt Hertha mit zwölf Spielern gemeinsam mit Schalke 04 auf Platz drei hinter RB Leipzig (16) und dem FC Bayern (14).

„Für die Jungs und für die Außendarstellung des Vereins ist das natürlich super, weil es auch zeigt, dass wir in den letzten Wochen und Monaten gut gearbeitet haben“, sagt Herthas Co-Trainer Rainer Widmayer.

So sehr die vielen Nationalspieler Hertha auch schmücken mögen, ihre Abwesenheit kommt dem Klub in Form von fehlenden Punkten teuer zu stehen. Nach Länderspielpausen holten die Berliner in dieser Saison nur einen Punkt. Dem 1:1 gegen Werder Bremen folgten Niederlagen gegen Schalke (0:2) und Borussia Mönchengladbach (2:4). „Dieser Statistik möchte ich gar nicht so viel Aufmerksamkeit schenksen, die Länderspiele allein dürfen nicht als Ausrede gelten. Andere Mannschaften haben auch Nationalspieler“, sagt Widmayer. Der kommende Gegner VfL Wolfsburg müsse schließlich ebenfalls auf genügend Leute verzichten. Im Fall der Niedersachsen sind es neun Internationale.

Erst nach Ostern wird wieder intensiver gearbeitet

Die Strapazen der Reisen will Widmayer aber nicht in Abrede stellen: „Die Spieler sind schon belastet. Gegen Wolfsburg wird es Sonnabend darum gehen, die fitteste Formation auf den Platz zu bekommen.“ Dardai: „Wichtig ist, dass die Jungs mit einem positiven Gefühl zu uns kommen. Und natürlich gesund“. Das sei der wichtigste Faktor. Herthas Trainer sagt: „Wir hatten jetzt auch genügend Stammspieler hier, um ordentlich arbeiten zu können.“

Für die Vorbereitung auf den Gegner müssen Crashkurse reichen. „Wir reichen die Infos natürlich an die Nationalspieler nach, das muss eben alles ein wenig schneller gehen“, sagt Widmayer. Nach Ostern können er und Dardai wieder intensiver arbeiten, dann mit der kompletten Gruppe, denn in dieser Saison stehen keine Länderspielunterbrechungen mehr an.