Bundesliga

Hertha BSC wird zu Harmlos BSC

Nach dem 0:0 gegen Freiburg sind die Berliner seit vier Spielen ohne Tor und stellen ihren Negativrekord ein.

Da kann man sich auf den Kopf stellen: Herthas Abwehrspieler Karim Rekik (l.) im Zweikampf mit Freiburgs Janik Haberer

Da kann man sich auf den Kopf stellen: Herthas Abwehrspieler Karim Rekik (l.) im Zweikampf mit Freiburgs Janik Haberer

Foto: Gora /Eibner-Pressefoto / imago/Eibner

Berlin.  Die letzte Aktion wurde zum Sinnbild des gesamten Spiels. Freistoß für Hertha, weit in der Hälfte des SC Freiburg. Eine aussichtsreiche Gelegenheit, doch weil die Ausführung zu unpräzise und schludrig ausfiel, folgte auf den anschließenden Schlusspfiff ein Pfeifkonzert der Fans. „Ich verstehe die Zuschauer“, sagte der Berliner Torhüter Rune Jarstein nach dem ernüchternden 0:0 am Sonnabend: „Wir haben lange nicht gewonnen, und sie wollen natürlich Tore sehen.“

Was so einfach klingt, wächst sich für Hertha zu einem immer größeren Problem aus. Gegen Freiburg blieb der Hauptstadtklub zum vierten Mal in Folge ohne Treffer und stellte damit einen eigenen Negativrekord ein. Letztmals hatte es eine derartige Trefferflaute vor sechs Jahren gegeben. „Wir haben viel investiert und hatten genug Chancen“, sagte Trainer Pal Dardai, „aber wenn du nicht triffst, wird es schwer.“ Kleiner Trost: In der Tabelle machte Hertha mit dem elften Remis der Saison nach unten Boden gut. Mit 32 Zählern liegen die Berliner auf Rang elf.

Die ernüchternden Fakten blieben trotzdem. 392 Minuten ohne Treffer. Vier Heimspiele ohne Sieg. Acht Punkte aus neun Rückrundenspielen. „Wir müssen realistisch bleiben und so schnell wie möglich 40 Punkte sammeln“, sagte Routinier Fabian Lustenberger (29).

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Dabei hatten die ersten 45 Minuten durchaus Hoffnung auf mehr gemacht – auch, weil der Trainer ein gutes Händchen bewies. Statt Rechtsaußen Mathew Leckie beorderte Dardai erstmals seit sechs Spielen wieder Mitchell Weiser in die Startelf, und im Sturm erhielt Kapitän Vedad Ibisevic den Vorzug vor Davie Selke. Die vermeintlichen Kreativitätsspender Vladimir Darida und Ondrej Duda blieben hingegen auf der Bank, stattdessen übernahm Valentino Lazaro die Rolle im zentraloffensiven Mittelfeld. Nicht die schlechteste Entscheidung, wie sich zeigen sollte. In Durchgang eins war das Trio Weiser-Lazaro-Ibisevic an allen nennenswerten Offensivaktionen beteiligt.

Kapitän Ibisevic vergibt die beste Chance des Spiels

Überhaupt gelang Hertha eine bemerkenswerte Darbietung. Neben ihrer Paradenummer, der kompakten Verteidigungsarbeit, zeigten die Berliner gegen Freiburg auch ungewohnt starke Angriffslust – teils durch beachtliche Soloeinlagen, teils durch ansehnliches Zusammenspiel. Zwischen der 18. und 26. Minute liefen sie sogar regelrecht heiß: Weiser scheiterte zweimal mit knackigen Schüssen aus der Distanz (18./19.), ehe sich für Ibisevic die beste Gelegenheit des Spiels bot: Der aggressive Lazaro flankte nach einer Balleroberung von rechts auf den zweiten Pfosten, wo der Stürmer sein linkes Bein zwar bis zum äußersten streckte, aber in bester Position nicht mehr hinters Spielgerät kam: knapp links vorbei (23.). Fassungslosigkeit bei den 38.625 Zuschauern und Fassungslosigkeit bei Ibisevic, der alle Viere von sich streckte und im Strafraum liegen blieb.

Anders als Ibisevic, der mit einem Drehschuss noch ein weiteres Mal in den Mittelpunkt rückte (26.), wirkten die Gäste schon mit ihrer Nebenrolle überfordert. Im Spiel nach vorn blieben die Breisgauer komplett blass, näher als 25 Meter sollten sie dem Berliner Tor nur in Ausnahmefällen kommen. Die Torschussstatistik wies zur Pause ein 9:1 zu Herthas Gunsten aus. Bezeichnend: Der einzige SC-Versuch, ein Distanzschuss von Janik Haberer, wurde noch vor der Strafraumgrenze von Karim Rekik geblockt (41.).

Elfmeterszene mit Selke

So überlegen wie in den ersten 45 Minuten hatte man Hertha selten gesehen in dieser Saison, doch was fehlte, waren die Tore. Und weil seine erste Elf nicht traf, wollte Dardai dem Glück nach einer Stunde auf die Sprünge helfen. Der Ungar brachte erst Selke für Ibisevic und Duda für Salomon Kalou (beide 59.), ehe er mit Darida (für Arne Maier, 66.) auch seinen letzten Joker zog. Drei Wechsel, die jedoch fast alle verpufften. In Halbzeit zwei fehlte es Hertha an Zug zum Tor, an Passsicherheit und Ideen – und zunehmend auch an der nötigen Puste. „Wir haben in der ersten Halbzeit ein sehr hohes Tempo gewählt“, sagte Dardai, „das kostet Kraft.“ Folglich verkam das, was als hoffnungsvolle Heldengeschichte begonnen hatte, zunehmend zu einem Drama.

Einzig Selke sorgte noch einmal für Aufregung im Freiburger Strafraum. Als SC-Verteidiger Caglar Söyüncü vor dessen Nase mit aller Vehemenz ein Luftloch trat, ging Herthas Stürmer (zu) theatralisch zu Boden. Eine Szene aus dem Graubereich des Regelwerks. „Aus meiner Sicht war es ein Elfmeter“, sagte Selke. Schiedsrichter Sven Jablonski ließ weiterspielen.

„Ich will nicht darüber reden, was passiert, wenn wir verlieren“, hatte Dardai vor dem Spiel gesagt. Nun, mit Blick auf die nächste Partie am Sonnabend in Hamburg, sagte er: „Schön, dass wir keinen Rückschlag erlitten haben.“

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