Bundesliga

Hertha gewinnt nach zehn Jahren wieder in Leverkusen

Valentino Lazaro und Salomon Kalou trafen beim 2:0 der Berliner in Leverkusen. Es ist Herthas erster Sieg in der Rückrunde.

Hertha konnte endlich wieder einmal in Leverkusen jubeln

Hertha konnte endlich wieder einmal in Leverkusen jubeln

Foto: Bernd Thissen / dpa

Am Ende war die Berliner Mauer doch das Mittel der Wahl, dabei hatte Pal Dardai diese Variante nur als Scherz ins Spiel gebracht. Bei Bayer Leverkusen, einem der offensivstärksten Teams der Liga, hatte Herthas Chefcoach eben keinen Beton anrühren wollen, sondern eine mutige, vorwärtsgewandte Verteidigung gefordert. In dieser einen kuriosen Szene blieb seiner Mannschaft am Sonnabend aber nun mal keine andere Wahl. Weil Leverkusen einen indirekten Freistoß in nur sieben Meter Torentfernung bekam, fand sich die gesamte Berliner Elf auf der Torlinie wieder.

Um das Ergebnis der skurrilen Szene, einer Dreier-Chance innerhalb von sieben Sekunden, vorweg zu nehmen: Die Mauer hielt – und besiegelte nach Treffern von Valentino Lazaro (43. Minute) und Salomon Kalou (57.) einen 2:0 (1:0)-Erfolg, auf den der Hauptstadtklub fast zehn Jahre hatte warten müssen. Der bis dahin letzte Sieg in Leverkusen war 2008 gelungen.

Jarstein verursacht indirekten Bayer-Freistoß im Strafraum

„Die Freistoß-Situation war vielleicht der letzte Beweis für uns, dass nichts mehr schief gehen würde“, meinte Fabian Lustenberger, der maßgeblich daran beteiligt war, dass die Null bis zum Ende stand. Was sich in der 72. Minute zugetragen hatte, ordnete aber selbst der routinierte Schweizer in die Kategorie „turbulent“ ein. Leverkusens Leon Bailey hatte den Freistoß aufs Tor gedroschen, Lustenberger klärte auf der Linie, der Nachschuss von Kevin Volland knallte von der Unterkante der Latte auf die Linie, ehe Torhüter Rune Jarstein den Ball endlich zu fassen bekam.

Der Norweger, nach drei Spielen Verletzungspause erstmals wieder im Tor, war der Verursacher des Freistoßes gewesen, weil er den Ball nach einem ersten Kontakt mit der Hand zunächst am Fuß hatte und dann wieder aufnahm. Schiedsrichter Patrick Ittrich entschied auf Freistoß, und Jarstein verstand die Welt nicht mehr. „Ich habe das mit den zwei Ballkontakten mein ganzes Torwartleben so gemacht“, sagte er, „das ist noch nie gepfiffen worden. Gott sei Dank ist nichts passiert.“

Neben der Erleichterung war den Berliner Profis vor allem Stolz anzumerken. Stolz auf den ersten Sieg im Kalenderjahr 2018, der vier Partien auf sich hatte warten lassen. „Die Kritiker haben ja schon wieder von unserer chronischen Rückrundenschwäche gesprochen“, sagte Lustenberger nicht ohne Genugtuung. Damit sollte es vorerst vorbei sein. Mit 30 Punkten rangiert Hertha weiterhin auf Tabellenplatz elf.

„Wir wollten frech sein und aus­nutzen, dass Leverkusen 120 Minuten im Pokal spielen musste“, erklärte Dardai, „wir wollten sie mit gutem Pressing unter Druck setzen.“ Das gelang zwar nicht häufig, aber immerhin zweimal. Vor dem 1:0 eroberten die Berliner den Ball in der gegnerischen Hälfte. Valentino Lazaro startete wie auf Kommando in die Spitze, wurde vom agilen Vladimir Darida mustergültig bedient und schob aus der linken Strafraumhälfte ins lange Eck ein. Das 1:0 fiel zu diesem Zeitpunkt fast aus dem Nichts, was Lazaro nach seinem ersten Bundesliga-Tor für Hertha reichlich egal war. „Es war an der Zeit“, sagte der Österreicher ­strahlend, „und das Timing war perfekt. Meine Mama hat heute Geburtstag und das Spiel daheim geguckt. Das Tor ­widme ich ihr. Sie verfolgt jedes Spiel von mir.“

Für Champions-League-Anwärter Bayer war der Rückstand ein Schock. „Außer Kamelle gibt’s für die Berliner Samstag nichts zu holen! Und dann wird weitergefeiert“, hatte der Werksklub unter der Woche auf seinem Twitter-Account geschrieben. Ein Beleg dafür, dass in Leverkusen bis Sonnabendnachmittag leichter Ausnahmezustand herrschte. Einerseits wegen der fünften Jahreszeit, aber auch, weil die Mannschaft von Trainer Heiko Herrlich in den jüngsten 19 Pflichtspielen nur einmal verloren hatte. Nun aber wurde Hertha vor 25.601 Zuschauern zum ­ungeliebten Partycrasher.

Dabei waren die Hausherren zunächst die aktivere, die angriffslustigere Mannschaft. Immer wieder versuchten die Leverkusener ihre flinken Angreifer mit langen Bällen in Szene zu setzen, doch weil Hertha diszipliniert verschob und hellwach verteidigte, sollte es beim Versuch bleiben. Die Berliner beherzigten die Vorgabe der hochstehenden Verteidigung diesmal perfekt. Dass das Spiel nach vorn phasenweise zu ­wünschen übrig ließ – geschenkt. „Wir wollten kompakt stehen und dann ­zuschlagen“, sagte Lazaro.

Salomon Kalou erzielt sein neuntes Saisontor

So wie Kalou nach der Pause. Heiko Herrlich hatte gerade seinen besten Angreifer Leon Bailey gebracht und endgültig auf Offensive gestellt, als der Ivorer einen Patzer von Jonathan Tah eiskalt bestrafte. Einen langen Ball ließ der Verteidiger unbedrängt passieren und verspekulierte sich dabei. Im anschließenden Laufduell konnte er dem abgebrühten Kalou nichts mehr entgegensetzen – 2:0 (58.), das neunte Saisontor des Hertha-Torjägers. Danach verzweifelte Bayer an der Berliner Mauer, die blau-weiße Party begann. „Das Jahr 2018“, sagte Kalou, „geht für uns jetzt erst richtig los.“ Nächster ­Gegner der Berliner ist am Freitag im Olympia­stadion der FSV Mainz.