BUNDESLIGA

Hertha tritt auf der Stelle

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Uwe Bremer
Herthas Abwehrchef Niklas Stark (M.) hatte gegen Hoffenheims Dennis Geiger (l.) und Adam Szalai einiges zu tun

Herthas Abwehrchef Niklas Stark (M.) hatte gegen Hoffenheims Dennis Geiger (l.) und Adam Szalai einiges zu tun

Foto: Bernd König / imago/Bernd König

Der Hauptstadt-Klub ist 2018 noch ohne Sieg. Trainer Dardai wirbt weiter für das Projekt „Jugend forscht“

Berlin.  In der vergangenen Saison wies die Hertha-Statistik insgesamt vier Unentschieden aus. 2015/16 sowie 2014/15 waren es jeweils acht. Aktuell, nach 21 Runden, also nicht mal zwei Dritteln der Saison, hat Hertha mit dem 1:1 (0:1) gegen Hoffenheim bereits das neunte Remis angehäuft.

Hertha beherzigt zwar eine alte Bauern-Weisheit: Kleinvieh macht auch Mist. Nach der nächsten Punkteteilung (zuvor 1:1 gegen Dortmund, 0:0 in Bremen) hält der Hauptstadt-Klub weiter einen Sicherheitsabstand zur Abstiegszone von sieben Punkten. Ähnlich groß ist mit sechs Zählern der Abstand zu den Europacup-Plätzen. Mit anderen Worten: Hertha kommt seit Wochen nicht vom Fleck.

Erfahrung von 313 Bundesliga-Spielen wurde abgegeben

Warum das so ist, war schon mehrfach in diesem Jahr zu sehen, so auch gegen Hoffenheim. Im Januar-Transferfenster hat Hertha mit Genki Haraguchi (26), Valentin Stocker (28) und Sebastian Langkamp (30) die Erfahrung von 313 Bundesliga-Spielen abgegeben. Trainer Pal Dardai setzt nicht nur in der Offensive, sondern auch auf den Schlüsselpositionen im Abwehrzentrum auf entwicklungsfähige Spieler. Abwehrchef Niklas Stark ist 22 Jahre jung, Innenverteidiger-Kollege Jordan Torunarigha 20. Beide machten eine gute Partie.

Aber Stark, im vergangenen Sommer U21-Europameister geworden, war zum wiederholten Male an einer Situation beteiligt, die Hertha Punkte kostete. Aus der kuriosen und viel­diskutieren Elfmeter-Situation, als Stark den aus seinem Rücken kommenden Nico Schulz foulte, muss sein ­Spieler lernen, fordert Trainer ­Dardai: „Ein guter Spieler weiß, was hinter ihm los ist. Da muss sich Niklas besser vororientieren.“

Kleine Aussetzer kosten Substanz

Stark hatte schon mit einem unglücklichen Eigentor für das 0:1 in Stuttgart gesorgt. Noch bezeichnender war die Situation, aus der Hertha das 1:1-Gegentor gegen Dortmund kassierte. Da unterlief erst Ondrej Duda, der in dieser Saison ans Bundesliga-Niveau herangeführt werden soll, am eigenen Strafraum ein Fehlpass. Dann konnte Mitchell Weiser (23) Gegenspieler Sancho nicht stellen. Dessen Flanke hielt Stark, statt den Ball ins Aus zu ­befördern, im Spiel. Am Ende hatte ­Arne Maier (19) den Borussen Shinji Kagawa aus den Augen verloren, der den Ball ins Hertha-Tor köpfte.

Unter dem Strich sind es immer wieder kleine Aussetzer, die Hertha Substanz gekostet haben. Trainer Dardai: „Wenn ich die strittigen Elfmeter, die Gegentore, die wir durch Naivität ermöglichen oder uns selbst reinhauen, anschaue, komme ich auf fast zehn Punkte, die wir haben liegenlassen.“

Das nächste Ziel sind 40 Punkte

Ungeachtet der Rückschläge steht der Trainer zum eingeschlagenen Kurs: „Wir gehen einen mutigen Weg mit vielen jungen Spielern.“ Eigengewächse, die ihre ersten Karriere-Schritte gehen wie Torunarigha, Maier oder Maximilian Mittelstädt, sollen beim Bau einer Mannschaft helfen „mit der sich die Fans in Berlin identifizieren können“, sagt Dardai.

Ein weiterer Aspekt dieses Weges sind wirtschaftliche Über­legungen. Für Routinier Langkamp erhielt Hertha vergangenen Woche von Werder Bremen rund 2,5 Millionen Euro. Zum Vergleich: Für das Berliner Eigengewächs John Brooks hatte der VfL Wolfsburg im vergangenen Sommer 20 Millionen Euro nach Berlin überwiesen.

Dardai lobt Lazaro

Dazu setzt Hertha auf jüngere Profis, die ihren zweiten Karriereschritt machen vom Schlage Marvin Plattenhardt, Weiser, Stark, Davie Selke (23) oder Valentino Lazaro (21). Der österreichische Nationalspieler, der rechts und links auf den Außenbahnen oder in der Zentrale spielen kann, war gegen Hoffenheim gefährlichster Herthaner. „Tino kann variieren, ob er es mit Tempo macht, mit Dribblings oder mit Spielübersicht“, lobt sein Trainer. „Außerdem ist er ein Gewinner-Typ. Tino hat mit Salzburg Titel gewonnen und in Finalspielen entscheidende ­Tore geschossen. Er setzt Druck in positive Leistungen um.“

Das Gegengewicht zur Abteilung „Jugend forscht“ sind die erfahrenen Profis wie Per Skjelbred, Vladimir Darida, Vedad Ibisevic oder Salomon ­Kalou, der mit seinem achten Saisontor gegen Hoffenheim einmal mehr für ­zumindest einen Punkt sorgte.

Einige Anhänger werden unruhig

Auch wenn Hertha, in diesem Jahr noch ohne Sieg, auf der Stelle tritt: Ob Präsident Werner Gegenbauer, der das Auslaufen am Sonntag besuchte, Manager Michael Preetz oder Dardai – bei den Verantwortlichen herrscht Ruhe. Auf den Rängen im Olympiastadion und in den sozialen Medien sieht das anders aus. Einigen Anhängern ist Platz zehn zu wenig, die Spielweise zu wenig ­dominant.

Mit Blick auf die kommenden Gegner ist jedoch für alle Fans Geduld ­gefragt. So trifft Hertha auf ­Leverkusen (10. Februar/auswärts), Mainz (16./heim), die Bayern (24./a) und Schalke (3. März/a). Die Prognose von Dardai: „Diese Saison müssen wir ­überleben: 40 Punkte sammeln. Dann können wir über andere Ziele reden.“