Hertha BSC

Kalou rettet Hertha nach strittigem Elfmeter

Die Berliner kommen in einem umkämpften Spiel gegen Hoffenheim zu einem 1:1. Größter Aufreger war eine Elfmeterszene.

Salomon Kalou (Mitte) erzielt mit seinem achten Saisontor das 1:1 gegen Hoffenheim

Salomon Kalou (Mitte) erzielt mit seinem achten Saisontor das 1:1 gegen Hoffenheim

Foto: Annegret Hilse / dpa

Berlin.  Unmittelbar nach dem Abpfiff hatte ein Herthaner Gesprächsbedarf. Niklas Stark ließ sich von Schiedsrichter Deniz Aytekin eine Schlüsselszene der Partie erklären. Obwohl sich Hertha und Hoffenheim ein umkämpftes Spiel geliefert hatten, war die Atmosphäre zwischen dem Unparteiischen und den Profis entspannt: Mit einem 1:1 (0:1) hatte die Partie geendet, vor 32.598 Zuschauern, die sich im eiskalten Olympiastadion eingefunden hatten. Stark war dabei einer der Hauptdarsteller gewesen.

Herthas neuer Abwehrchef war der beste Zweikämpfer auf dem Platz (80 Prozent gewonnene Duelle), ein entscheidendes verlor er aber. In einer turbulenten Situation im eigenen Strafraum wollte Stark den Ball wegschlagen, hatte aber den Hoffenheimer Nico Schulz übersehen, der aus seinem Rücken auftauchte. Stark wollte den Ball spielen, traf aber Ex-Herthaner Schulz, der fiel – Schiedsrichter Aytekin zeigte auf den Elfmeterpunkt (37. Minute).

Eine Abseitssituation, die keine war

Das Foul war unstrittig. Strittig war, ob Schulz, der zuvor über die Grundlinie gepurzelt war, in jener Situation aus dem Abseits kam. Auf der Tribüne schaute sich der oberste Schiedsrichter-Chef, Lutz-Michael Fröhlich, die Szene mehrere Male an: „Eine knifflige Situation, regeltechnisch hochinteressant.“ Fröhlich teilte aber die Entscheidung Elfmeter: „Abseits wäre es nur gewesen, wenn der Spieler Schulz sich bei der Ballannahme mit dem Herthaner im Zweikampf befunden hätte. So war es eine neue Spielsituation.“ Gäste-Trainer Julian Nagelsmann räumte ein: „Das ist diskutabel. Ich verstehe, dass Pal sich aufregt.“

Hertha-Trainer Pal Dardai sagte: „Ich bin alte Schule. Für mich war das Abseits. Ich habe mir sagen lassen, dass die Entscheidung korrekt ist.“ Stark war trotz der Rücksprache Aytekin nicht überzeugt. „Mir wurde erklärt, dass es sich um eine neue Spielsituation handelt und deshalb kein Abseits sei. Ich finde das ein bisschen Quatsch, weil ich angeschossen worden bin. Das war Abseits.“ Hoffenheims Andrej Kramaric war das alles egal, er verwandelte vom Punkt, 0:1 (39.).

Damit schien eine Entscheidung gefallen zu sein in einem intensiven Spiel, in dem beide Kontrahenten mit einer hohen Laufbereitschaft auf die eine Lücke, den einen Fehler des Gegners gelauert hatten. Die erste Gelegenheit der Partie erarbeitete sich Herthas Valentino Lazaro, der mit einem forschen Dribbling drei Hoffenheimer stehen ließ, bei seiner Flanke aber keinen Mitspieler vor dem Tor fand (7.). Es gab viele Zweikämpfe bei hoher Geschwindigkeit. Einem fiel der Hoffenheimer Kerem Demirbay zum Opfer. Herthas Jordan Torunarigha schlug einen weiten Pass und traf beim Ausschwingen seines Beins Demirbay unabsichtlich, aber äußerst schmerzhaft am Sprunggelenk. Der deutsche Nationalspieler musste ausgewechselt werden (17.).

Nach der Hoffenheimer Führung durch den Elfmeter änderte sich die Statik im zweiten Durchgang. Hertha spielte offensiver, um öfter den Ball zu erobern. Im Gegenzug boten sich der TSG große Räume für Konter. Hoffenheim hatte diverse Gelegenheiten, brachte aber jeweils den letzten Pass nicht zum eigenen Mann. Dann wechselte Dardai Torjäger Vedad Ibisevic ein und stellte auf ein 4-4-2-System um (57.). „Damit ist der Gegner nicht so klargekommen“, sagte der Trainer. Tatsächlich ging die neue Taktik gleich mit dem nächsten Angriff auf: Lazaro legte einen 40-Meter-Sprint auf der rechten Seite hin, Hertha drängte mit seiner Offensivabteilung in den Gäste-Strafraum, am Ende köpfte Salomon Kalou die Lazaro-Flanke ein, 1:1 (58.).

Torwart Kraft hält Punkt in Schlussphase fest

Auf dem schlechten Rasen war es schwer, guten Fußball zu spielen. Dennoch kämpften beide Teams bis zur Nachspielzeit um eine Entscheidung. „Zsolt, der bei uns in Hoffenheim war, macht gute Arbeit hier“, tadelte TSG-Trainer Nagelsmann schmunzelnd Herthas Torwarttrainer Zsolt Petry, der seit zwei Jahren in Berlin arbeitet. Gemeint war Torwart Thomas Kraft, der mit einer starken Parade einen Schuss von Nadiem Amiri aus dem Winkel fischte (90.+2).

Im Gegenzug hatte Hertha bei einer Drei-gegen-zwei-Situation ebenfalls die letzte Gelegenheit zum Lucky Punch. Davie Selke bediente Vladimir Darida, der jedoch seinen Querpass einem Hoffenheimer in die Beine spielte, statt den freistehenden Lazaro zu bedienen (90.+3).

Hertha liegt mit 27 Punkten auf Rang zehn, wartet im neuen Jahr aber weiter auf den ersten Sieg (drei Remis, eine Niederlage). „Das 1:1 ist ein Resultat, mit dem beiden Mannschaften zufrieden sein sollten“, sagte Trainer Dardai, „aber wir wissen, dass wir irgendwann wieder gewinnen müssen.“