Bundesliga

Torunarigha rettet Hertha den Punkt in letzter Sekunde

Wieder reicht es für Hertha nicht zum Sieg. Gegen Bremen liefert Berlin keine gute Leistung. Am Ende steht die Null nur mit Glück.

Am Ende war Hertha-Trainer Pal Dardai auch mit dem einen Punkt zufrieden

Am Ende war Hertha-Trainer Pal Dardai auch mit dem einen Punkt zufrieden

Foto: Carmen Jaspersen / dpa

Vedad Ibisevic konnte es nicht fassen. Herthas Stürmer stand nach seiner Einwechslung in Bremen gerade Sekunden auf dem Platz, da bot sich ihm die große, nein, die gigantische Chance zur Führung. Valentino Lazaro hatte an der linken Grundlinie seine Gegner ausgetanzt und den Bosnier am zweiten Pfosten bedient, doch der bugsierte den Ball aus vier Metern über das Tor (67. Minute). Fassungslosigkeit bei den Berlinern, Durchatmen bei den Bremern. Es sollte Herthas ­beste Gelegenheit des Spiels bleiben.

Am Ende stand ein schmeichelhaftes 0:0, das die Gäste vor allem ihrem starken Keeper Thomas Kraft zu verdanken hatten. Und Jordan Torunarigha. Der Innenverteidiger rettet in der allerletzten Situation kurz vor der Linie, als er einen Schuss des Bremers Eggestein abwehrte. „Das war ein schmeichelhafter Punkt“, sagte Hertha-Trainer Pal Dardai. „Die erste Halbzeit haben wir komplett verschenkt. Ja, die Mannschaft hat gekämpft. Aber wenn man am Ende noch so eine Torchance ­zulässt, hat man Glück gehabt.“

Melden Sie sich an für den neuen Immerhertha-Newsletter der Berliner Morgenpost unter www.morgenpost.de/herthanewsletter

Hertha bleibt im dritten Spiel des Jahres ohne Sieg

Hertha bleibt in diesem Jahr auch im dritten Spiel ohne Sieg, steht aber mit 26 Punkten als Elfter einigermaßen sicher. Der Abstand auf einen Europa-League-Platz beträgt nach wie vor fünf Punkte. „Ich will nicht Mittelmaß sein“, hatte Dardai vor Anpfiff gesagt, „und der Verein auch nicht. Wir sind der Hauptstadtklub, wir sind hier für drei Punkte.“ Dementsprechend offensiv fiel die Aufstellung aus. Bis auf eine Ausnahme (Rechtsverteidiger Peter Pekarik ersetzte den angeschlagenen Mitchell Weiser) vertraute Dardai jener Elf, die Dortmund zuletzt einen Punkt abgetrotzt hatte – mit Lazaro und Ondrej Duda sowie Bremen-Rückkehrer Davie Selke, der wirkungslos blieb.

Die erste Angriffsaktion gehörte jedoch nicht Hertha, sondern Werder. Bereits nach 62 Sekunden knallte Jerome Gondorf den Ball an den Pfosten. Hertha im Glück. Der nächste Schock in Minute zehn, wenn auch nur ein kurzer. Werders Maximilian Eggestein hatte zum vermeintlichen 1:0 getroffen, doch während sich die Bremer unter den 40.300 Zuschauern warmjubelten, bemüßigte Schiedsrichter Bastian Dankert den Videobeweis.

Nach zwei Minuten des Abwägens die Entscheidung: korrekterweise kein Tor, da Werders Thomas Delaney in der Entstehung Fabian Lustenberger mit einem Ellenbogencheck niedergestreckt hatte. Eine Szene mit Folgen. Bald darauf musste sich der Schweizer mit Verdacht auf Gehirnerschütterung auswechseln lassen. Für ihn kam der junge Jordan Torunarigha (20) zu seinem sechsten Ligaeinsatz der Saison. An der Seitenlinie hatte Dardai auch ohne diesen Verlust Grund zur Sorge, denn Hertha geriet ins Hintertreffen. Werder wirkte agiler, ballsicherer, immer einen Schritt schneller – auch in Gedanken.

Werder schnürt Hertha am Sechzehner ein

Phasenweise wurden die Gäste am eigenen Sechzehner eingeschnürt, die Abschlüsse von Ludwig Augustinsson (23.) und Delaney (31.) blieben allerdings harmlos. Wo war sie nur, die Berliner Angriffslust? Ein missglücktes Schüsschen von Salomon Kalou (6.) blieb das einzige, was Hertha in Durchgang eins zustande brachte. Weil Werder-Stürmer Max Kruse auf der anderen Seite erst nicht genau genug zielte (40.) und sein zweiter Versuch von Niklas Stark zur Ecke abgefälscht wurde (45.), ging es für die Gäste immerhin ohne Gegentor in die Pause.

Hälfte zwei begann so wie die erste aufgehört hatte – mit zwei erfolglosen Distanzschüssen der Hanseaten. Es sollten die vorerst letzten Chancen bleiben, danach erinnerte die Partie zunehmend an eine Bootsfahrt auf der Weser: Nicht hochklassig, aber mit ihren Reizen. An Intensität mangelte es jedenfalls nicht, dafür stand für beide Teams zu viel auf dem Spiel. Werder brauchte dringend Punkte im Abstiegskampf; Hertha, um im Rennen um einen Europacup-Platz zu bleiben. Hätte Ibisevic seine alten Vollstreckerqualitäten gezeigt, wären die Berliner bis auf drei Punkte an Rang sechs gerückt. So aber blieb es beim Konjunktiv – und der Hoffnung auf mehr Effizienz am Sonnabend daheim gegen Hoffenheim.

Torunarigha spekuliert goldrichtig

Dass es immerhin zu einem Punkt reichte, war einzig und allein das Hexenwerk von Torhüter Kraft, der in der Schlussviertelstunde über sich hinauswuchs. Erst entschärfte er einen Kopfball von Theodor Gebre Selassie aus Nahdistanz sowie den Nachschuss von Gondorf (74.), ehe er einen weiteren Kopfball von Werder-Joker Ishak Belfodil aus der Luft fischte (81.).

„Thomas hat uns gerettet. Wir wissen, dass wir uns auf ihn verlassen können“, lobte Selke seinen Torwart. In buchstäblich letzter Sekunde war es Torunarigha, der seine starke Leistung krönte, in dem er beim Eggestein-Schuss richtig stand (90.+4). ­Torunarigha sagte: „Der Ball kam in die Mitte, Thomas war draußen und ich ­habe spekuliert.“

Mehr zum Thema:

Live-Ticker: Hertha BSC zu Gast bei Werder Bremen

Valentino Lazaro – Herthas Straßenfußballer

Diesen Mann ohne Makel muss Hertha in Bremen überwinden