Hertha BSC

Mit neuer Achse gegen ein altes Manko

Unter Trainer Pal Dardai hat Hertha BSC noch nie gegen Werder Bremen gewonnen. Mit verändertem Gerüst soll sich das ändern.

Hertha um Fabian Lustenberger (r.) wartet seit vier Jahren auf einen Sieg gegen Bremen

Hertha um Fabian Lustenberger (r.) wartet seit vier Jahren auf einen Sieg gegen Bremen

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Zugeben will er es nicht, aber natürlich wurmt auch Rainer Widmayer die maue Bilanz gegen Werder Bremen. Fünf Mal schon ist Herthas Co-Trainer mit Chefcoach Pal Dardai gegen die Hanseaten angetreten, doch zu einem Sieg hat es nie gereicht. Dass die Berliner auch vorher nicht gegen Werder gewinnen konnten (der letzte Sieg gelang 2013), ist ein schwacher Trost, schließlich hat das Duo Dardai/Widmayer schon sämtliche Bundesliga-Konkurrenten dechiffriert. Mindestens einmal haben sie gegen jede Mannschaft gewonnen, außer gegen den übermächtigen FC Bayern und die, tja, alles andere als übermächtigen Bremer. Zwei Pleiten, drei Remis – eine auffällig schwache Ausbeute gegen ein Team, das seit Jahren zwischen Abstiegskampf und Mittelmaß dümpelt.

Vor dem nächsten Anlauf in Bremen am Sonnabend (18.30 Uhr) winkt Widmayer genervt ab. „Die Vergangenheit interessiert mich nicht“, sagt er, „wichtig ist doch, wie wir die Aufgaben meistern, die vor uns liegen.“ Ein Satz, dem wenig entgegenzuhalten ist, allerdings ahnt jeder, der den Ehrgeiz und die Hingabe des Schwaben kennt, dass es sich dabei nur um die halbe Wahrheit handelt. Nur zu gern würde er das grün-weiße Manko aus seiner Statistik tilgen, genauso wie Dardai – allein schon, damit das lästige Gerede vom Berliner „Angstgegner“ verstummt.

Im Training fliegen die Fetzen

Ob im sechsten Versuch gegen Werder endlich der erste Sieg herausspringt? Dagegen spricht die neue Heimstärke der Bremer, die unter Trainer Florian Kohfeldt zu Hause noch ungeschlagen sind (drei Siege, zwei Remis). Das, was Widmayer in dieser Woche auf dem Trainingsplatz sah, spricht hingegen dafür. „Es ist richtig Zug drin“, schwärmte der Co-Trainer, „man merkt, dass die Jungs extrem fokussiert sind.“ Und heiß. Die Intensität in den Zweikämpfen ist infolge des neuen Konkurrenzkampfes spürbar gestiegen, statt Geschenken werden höchstens blaue Flecke verteilt. „Da steckt Aggression und Adrenalin drin“, meinte Dardai, nachdem zwischen Marvin Plattenhardt und Sebastian Langkamp zum Wochenstart die Fetzen geflogen waren, „das ist schön!“

Weniger schön ist die Situation für einige der Etablierten im Team. Langkamp (30) zählt zu jenen Leistungsträgern, die lange Herthas Gerüst, Herthas Wirbelsäule bildeten, seit Neuestem aber auf der Bank sitzen. Kapitän Vedad Ibisevic (33) wurde vorerst vom schnelleren Davie Selke (23) verdrängt, Mittelfeldspieler Vladimir Darida (27) von Youngster Arne Maier (19). Der langjährige Abwehrchef Langkamp muss sich derzeit hinter Niklas Stark und Fabian Lustenberger einreihen. Sagen möchte er dazu nichts.

Ibisevic hat seit 2010 nicht mehr gegen Bremen getroffen

Darida sieht seine Situation nüchtern. „Das ist normal“, sagt der Tscheche, „ich war zwei Monate verletzt, und die anderen haben gut gespielt. Ich kann nicht wiederkommen und gleich in der Startelf stehen.“ Noch mag das eine befriedigende Erklärung sein. Die Frage ist nur, wie lange noch?

„Wir sind froh über die Situation, die wir momentan haben“, sagt Widmayer. Tatsächlich hat das Trainerteam mehr Auswahl denn je. Zuletzt hat es sich für eine neue Achse entschieden, eine Konstellation, die zu zwei Siegen (gegen Hannover und Leipzig), einem Remis (gegen Dortmund) und einer Niederlage (in Stuttgart) führte und zudem ein klares Signal sendete. Jeder muss sich seinen Platz verdienen, egal ob Kapitän, 50-facher Nationalspieler oder Abwehrchef.

In Bremen wird sich daran wohl nichts ändern. Selke hat einen Lauf, und Ibisevic seit 2010 nicht gegen Werder getroffen. Auch Langkamps Bilanz taugt nicht recht zur Bewerbung. Acht Mal stand er zuletzt gegen den SVW in der Startelf. Gewonnen hat er nie. Bei Herthas letztem Sieg gegen Bremen spielte statt des verletzten Langkamp Fabian Lustenberger. Ein Stück Vergangenheit, das vielleicht sogar Rainer Widmayer interessieren könnte.

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