Gomez-Comeback

Hertha bringt sich nach Eigentor um den Lohn

Mario Gomez hat sein Comeback beim VfB gefeiert. Ein Eigentor von Hertha-Verteidiger Niklas Stark bescherte den Stuttgartern den Sieg.

Herthas Niklas Stark (Nr. 5) trifft, doch die Stuttgarter Mario Gomez (l.) und Emiliano Insua (M.) feiern – Eigentor

Herthas Niklas Stark (Nr. 5) trifft, doch die Stuttgarter Mario Gomez (l.) und Emiliano Insua (M.) feiern – Eigentor

Foto: imago/Jan Huebner

Mit einem bittersüßen Lächeln trabte Niklas Stark durch die Katakomben der Stuttgarter Arena. Der junge Verteidiger wirkte gefasst, wohl wissend, dass ihm so ein Missgeschick vermutlich so schnell nicht wieder passieren wird. Stark hatte maßgeblichen Anteil am missglückten Rückrundenstart von Hertha BSC. Beim 0:1 (0:0) des Berliner Bundesligisten in Stuttgart unterlief ihm ein Eigentor (78.), wie es dieser Form nicht oft fällt. Im Liegen lupfte er den Ball über Torhüter Rune Jarstein.

"Ich hatte einen Schlag gegen den Kopf gespürt und zuerst gar nicht mitbekommen, wo ich war und was um mich rum passiert. Dann hab ich Mitch (Mitchell Weiser) gefragt, warum die jubeln", schilderte Stark später die Aktion. Im Zweikampf mit Mario Gomez waren beide Spieler zu Boden gegangen. "Neutral betrachtet war es sogar gut, dass der reingegangen ist. Der Schiedsrichter hatte schon die Pfeife im Mund, um Elfmeter zu geben", sagte Stark und vermutlich hätte es tatsächlich Strafstoß gegeben.

Sein Missgeschick bedeutete einen typischen Glückstreffer zwischen zwei sich neutralisierenden Mannschaften. Anders als in den vorangegangenen Auswärtsspielen waren die Berliner dieses Mal aber nicht in der Lage, noch zu antworten. "Das ist sehr ärgerlich. Wir hätten hier gewinnen müssen, weil wir über 90 Minuten die bessere Mannschaft waren", ärgerte sich Fabian Lustenberger. Der Schweizer und Stark bildeten ein hervorragendes Duo in der Innenverteidigung und erlaubten dem VfB kaum nennenswerte Torchancen. "Wir haben gut nach vorne verteidigt, gut gepresst und das Geschehen bestimmt", sagte Stark, der den Großteil des Nachmittags ein ziemlicher ­unangenehmer Partycrasher war.

Den meisten der 57.181 Zuschauer stand nämlich der Sinn nach einer großen Willkommensfeier, schließlich gab Gomez nach achteinhalb Jahren Abwesenheit sein Comeback im Trikot des VfB. Gomez wurde von den Rängen lautstark bejubelt und auf dem Feld wurde schnell deutlich, dass auf ihm die Hoffnungen des Klubs für die Rückrunde lasten.

Erste Auswärtsniederlage seit dem 23. September 2017

"Das war ein besonderer Nachmittag für mich. Vor dem Spiel habe ich ein ziemliches Kribbeln im Bauch gespürt", sagte Gomez (32). Immer wieder suchten ihn seine Mitspieler, die erste gute Chance des Spiels gehörte ihm (6.) und nach rund einer halben Stunde landete sein Schuss von Gomez sogar im Berliner Tor, nur stand der Angreifer vorher im Abseits (33.). Auch die anderen Berliner präsentierten sich als unangenehme Partygäste, ohne Empathie für die Gefühligkeiten der anderen Seite. Hertha stand kompakt und verschob im 4-2-3-1-System gemeinschaftlich gut gegen den Ball. Typisch auswärts halt.

Dass am Ende nach fünf ertragreichen Auswärtsspielen in Folge wieder eine Niederlage stand (zuletzt am 23. September 2017/0:1 in Mainz), taten die meisten Berliner als Pech ab. "Ich kann der Mannschaft keinen großen Vorwurf machen. Wir haben ein gutes Spiel gemacht und uns genug Chancen erspielt. Das war einfach ein unglücklicher Start", sagte Trainer Pal Dardai.

Was die Qualität der Torchancen angeht, hätte Hertha bereits zur Pause führen müssen. Valentino Lazaro traf nur den Pfosten (23.) und Salomon Kalou vergab aus kurzer Distanz (31.). Der Ivorer war es auch, der nach feiner Vorarbeit von Arne Maier die größte Gelegenheit vergab, als er freistehend einen Kopfball über das Stuttgarter Tor setzte (41.). In seinem 100. Bundesliga-Spiel war Kalou, dem erfolgreichsten Berliner Torschützen in dieser Saison, kein Glück beschieden. "Wir haben den Ball nicht über die Linie gebracht, das ist der einzige Vorwurf, den man uns heute machen kann", sagte Linksverteidiger Marvin Plattenhardt.

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Richtig ist aber auch, dass Hertha in der zweiten Hälfte nicht mehr an die Aggressivität und den Esprit der ersten 45 Minuten anknüpfen konnte. Nach vorn ging kaum noch etwas, wirklich Möglichkeiten konnte sich die Mannschaft um Kapitän Per Skjelbred nicht herausspielen.

Pech hatte Hertha dann bei einem Kalou-Solo, das VfB-Innenverteidiger Marcin Kaminski beendete, in dem er Kalou von den Beinen holte - da kann man Elfmeter pfeifen. Schiedsrichter Felix Brych entschied auf Weiterspielen – auch vom Videoassistenten Günter Perl in Köln kam kein Signal, dass Brych sich die Szene noch mal ­anschauen möge.

Stuttgart versuchte, irgendwie ein Tor zu erzwingen, was dann gelang. "Man kann den VfB nicht die gesamte Zeit über pressen. Wir mussten den Druck ein bisschen lösen, kann schon sein, dass uns ­dadurch ein bisschen was verloren gegangen ist", sagte Stark.

Der Pechvogel wollte den Nachmittag am liebsten schnell abhaken und hatte bereits das kommende Heimspiel am Freitag im Olympiastadion gegen Borussia Dortmund im Sinn: "Der BVB ist ein unangenehmer Gegner, aber wir haben in der Vergangenheit bewiesen, dass wir gegen sie was holen können."

Während Stark schon an die Zukunft dachte, feierten draußen vor dem Stadion die Fans des VfB weiter ihren perfekten Nachmittag. Da passte es nur ins Bild der allgemeinen Glückseligkeit, dass der ­Stadionsprecher nicht Niklas Stark, sondern als Torschützen Mario Gomez verkündet hatte.

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