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Wie Trainer vom Hoffnungsträger zum Ladenhüter werden

Die Beispiele von Markus Babbel und Jos Luhukay zeigen, dass Trainer-Karrieren nicht planbar sind, sagt Uwe Bremer.

Jos Luhukay

Jos Luhukay

Foto: Daniel Maurer / dpa

Berlin. Der eine hat nun reichlich Zeit zum Skilaufen. Der andere muss in kürzester Frist viele Herausforderungen meistern: neue Mannschaft, neue Liga, neue Stadt, neues Land, neue Sprache. Die Rede ist von den zwei Aufstiegstrainern von Hertha BSC, von Markus Babbel und von Jos Luhukay. Es geht um die Beschleunigung im Fußballgeschäft. Und darum, dass Karrieren als Fußball­trainer fast unplanbar geworden sind.

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Es gab mal eine Zeit, da war Babbel ein Hoffnungsträger am deutschen Trainer-Himmel. Die Branche staunte nicht schlecht, wie es ausgerechnet Michael Preetz von Absteiger Hertha BSC gelungen war, sich im Mai 2010 dessen Dienste zu sichern. Babbel lieferte – der Klub stieg wieder auf. Der damals 37-Jährige wurde schon ins Umfeld der Bayern geschrieben, wo sein Buddy Christian Nerlinger gerade die Manager-Nachfolge von Uli Hoeneß angetreten hatte. Dann hieß es, der gebürtige Bayer habe auf Schalke zugesagt, wo Kumpel Horst Heldt die Geschäfte führte.

Doch im Durchlauferhitzer Profifußball werden viele Namen hoch geworfen – Babbel hat bei keinem der Klubs angedockt. Auf der Karrierestation TSG Hoffenheim entzauberte er sich selbst, im Dezember 2011 war nach zehn Monaten Schluss. Fast zwei Jahre ging Babbel leer aus, wenn Trainerstellen besetzt wurden. Im Herbst 2014 war es der FC Luzern, der den Ex-Profi des FC Bayern und vom FC Liverpool unter Vertrag nahm.

In der Schweiz ist es als deutscher Trainer aber schwer, Punkte für eine Bundesliga-Rückkehr zu sammeln. So nahm die Babbel-Ära in Luzern einen ähnlichen Verlauf wie in Berlin. Der Trainer ließ via Zeitung verlauten, er werde im Sommer seinen Vertrag nicht verlängern. Und sei auch enttäuscht von der Zusammenarbeit mit seinen Vorgesetzten. Die Antwort der Verantwortlichen in Luzern fiel so aus wie im Dezember 2011 in Berlin: Er wurde umgehend entlassen. Sein Ruf, der kommende Trainer für Topvereine zu sein, ist längst dahin. Markus Babbel wird künftig nehmen müssen, was ihm angeboten wird.

Luhukay ist es ähnlich ergangen. 2012 war er ein spannender Trainer, aufgestiegen mit Gladbach. Überraschungsaufsteiger mit dem FC Augsburg. Der Respekt in der Branche stieg weiter, als der Niederländer mit Außenseiter Augsburg die Liga halten konnte. „Meine Freunde haben mich für verrückt erklärt, als ich mich für Hertha entschieden habe“, erzählte Luhukay damals. Er festigte seinen guten Ruf aber mit dem Aufstieg 2013. Zwei Jahre ging es gut mit Hertha und Luhukay, dann hatten Trainer und Team sich nichts mehr zu sagen. Nach der Entlassung im Februar 2015 wurde es still um Luhukay. Ein Kurzintermezzo beim VfB Stuttgart beendete der konsequente Trainer selbst, weil ihm nicht gefiel, wie der VfB-Vorstand mit ihm umging.

Mittlerweile bilden die Klubs ihren Trainer-Nachwuchs selbst aus: Thomas Tuchel kam aus der A-Jugend von Mainz, Julian ­Nagelsmann aus dem Hoffenheimer Nachwuchs. Hannes Wolf wurde von der U19 aus Dortmund auf den Chef­sessel beim VfB Stuttgart befördert. Trainer, die Höhen und Tiefen des Geschäftes erlebt haben, mal mit, mal ohne Erfolg, haben es schwer. Aktuell sind namhafte Übungsleiter ohne Job: Mike Büskens, Michael Frontzeck, Jens Keller, Tayfun Korkut, Bruno Labbadia, Felix Magath, Andre Schubert, Mirko ­Slomka, Markus Weinzierl …

So darf man es Jos Luhukay als Höflichkeitsadresse durchgehen lassen, wenn er in diesen Tagen bei seiner Vorstellung sagt: „Ich habe diverse Angebote aus der Bundes- und Zweiten Liga abgelehnt. Dieser Verein ist die Gelegenheit, auf die ich lange gewartet habe.“ Luhukay hat Sheffield Wednesday übernommen, den 16. der zweiten Liga in England. Umfeld, Wettbewerb, Verein, Stadt, Sprache – alles neu für den ­Niederländer. Die Fans seines neuen Vereins schauen von Beginn an genau auf die Arbeit des neuen Trainers. Die erste Partie für Luhukay am morgigen Freitag heißt: Sheffield United gegen Sheffield Wednesday.

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