Bundesliga

Hertha-Gegner Augsburg und Philipp Max: Gefahr hoch zwei

Herthas Gegner Augsburg stellt mit Philipp Max den Aufsteiger der Saison, der den WM-Traum von Marvin Plattenhardt bedroht.

Bescheiden: Philipp Max (l.), hier verfolgt von Herthas Peter Pekarik, will nicht von der Nationalmannschaft sprechen

Bescheiden: Philipp Max (l.), hier verfolgt von Herthas Peter Pekarik, will nicht von der Nationalmannschaft sprechen

Foto: kolbert-press/Christian Kolbert / picture alliance / kolbert-press

Berlin.  Da ist es also wieder, dieses zweifelhafte N-Wort. In der Familie Max hat der Begriff Nationalmannschaft einen ganz speziellen Klang, zumindest in den Ohren von Vater Martin. Große Auftritte im DFB-Trikot blieben ihm verwehrt, dabei war er 2002 der beste Stürmer der Bundesliga. Teamchef Rudi Völler nahm stattdessen andere mit zur WM, eine Entscheidung, die Max gekränkt hat bis ins Mark. Nun aber rückt sein Sohn Philipp in den Kreis der WM-Anwärter, als Aufsteiger dieser Hinrunde.

Wenn Max junior (24) der Überraschungsspieler dieser Saison ist, ist sein Team, Herthas heutiger Gegner Augsburg, die Überraschungsmannschaft. Als vermeintlicher Abstiegskandidat gestartet, flirtet der Klub inzwischen mit den Europacupplätzen. Ab 18 Uhr will der FCA sein kleines Fußballmärchen gegen die Berliner fortschreiben (Sky und im Liveticker bei immerhertha.de). Hertha-Coach Pal Dardai macht sich keine Illusionen. In Augsburg warte ein „ganz schwieriger Gegner“, warnt er: „Sie haben taktische Disziplin und 20 Konter pro Spiel.“

Bester Tor-Vorbereiter der Liga

Ihr starkes Umschaltspiel haben die Augsburger nicht zuletzt Philipp Max zu verdanken. Der Linksverteidiger marschiert an der Außenlinie rauf und runter, überzeugt mit Schnelligkeit und bemerkenswerter Präzision. Die Zahlen sprechen für sich: Vor dem 14. Spieltag hatte kein Spieler der Liga mehr Treffer (7) und Torschüsse (51) vorbereitet – als Verteidiger, wohlgemerkt.

Abgerundet wird das Bild durch Max’ Topwert bei Flanken, die zuverlässig Augsburgs Stürmer finden. Alfred Finnbogason (8 Tore) und Michael Gregoritsch (7) stellen – kaum zu glauben, aber wahr – das momentan treffsicherste Angriffsduo der Liga. Bei wem sie sich zu bedanken haben, ist ihnen bewusst. „Philipp weiß genau, wo wir in der Mitte stehen“, lobt Gregoritsch.

Max’ starke Leistungen haben Aufsehen erregt, allein schon deshalb, weil er linker Verteidiger ist, also jene Position bekleidet, für die Bundestrainer Joachim Löw seit Jahren nach einer Lösung sucht. Herthas Marvin Plattenhardt, seit Sommer auf Löws Radar, hat nun einen Konkurrenten mehr. FCA-Manager Stefan Reuter meint, es sei „nur eine Frage der Zeit“, dass Max zum Nationalteam darf. Eine These, die sich auch ohne Vereinsbrille vertreten lässt. Als der englische „Guardian“ kürzlich die Top Ten der meistverbesserten Spieler Europas listete, hieß der Vertreter der Bundesliga: Philipp Max.

Karriereumweg über die Zweite Liga

Der Mann, der Max zur Profireife geführt hat, hält den Sprung zu Löw für realistisch. „Ich traue ihm das zu“, sagt Schalkes Nachwuchstrainer Norbert Elgert der Morgenpost: „Er ist ein Junge, der zu 100 Prozent die richtige Einstellung hat. Er hat das lebenslange Lernen verinnerlicht, will jeden Tag besser werden und ist noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung.“

Elgert, durch dessen Hände Weltmeister wie Özil, Neuer, Höwedes und Draxler gingen, trainierte Max in Schalkes U19. Die herausragenden Stärken, die enorme Schnelligkeit und den begnadeten linken Fuß, erkannte der Coach sofort. Max selbst sagt, Elgert habe ihm vor allem Biss, Willen und Selbstvertrauen eingetrichtert. Denn bei allem Talent: Ein Hochveranlagter war Max nicht. In den Kreis der Junioren-Nationalspieler schaffte er es nie.

Auf Schalke kam er bei den Profis immerhin zu zwei Kurzeinsätzen (gegen Dortmund und Hertha), konnte sich aber nicht etablieren. Also entschied er sich für einen Umweg, wechselte zum Zweitligisten Karlsruher SC. „Eine kluge Entscheidung“, sagt Elgert rückblickend, eine, die gemeinsam mit Vater Martin getroffen wurde, dem Schalker Uefa-Cup-Helden, den Elgert als ruhigen Begleiter beschreibt.

FCA-Trainer Baum war in der Schule sein Lehrer

Für Philipp Max erwies sich der Abstecher in die Zweite Liga als goldrichtig. Beim KSC sammelte er viel Spielpraxis, wurde zum Eckpfeiler jenes Teams, das später in der Relegation unglücklich am Hamburger SV scheiterte. Trotz der Enttäuschung: Max hatte sich einen Namen gemacht. 2015 zahlte Augsburg vier Millionen Euro Ablöse für ihn. Eine stolze Summe.

Dass seine Zeit beim FCA mit einer Niederlage gegen Hertha begann, fiel nicht weiter ins Gewicht. Max fand seinen Platz, spielte in der Europa League, wurde in die deutsche Olympiaauswahl berufen und überlebte mit seinem Klub den Abstiegskampf. „Wie er sich durchgebissen hat, ist beachtlich“, sagt Elgert, „er ist im positiven Sinne ein Spätentwickler.“ Einer, der seit Sommer unter dem neuen Trainer Manuel Baum (kurioserweise einst sein Realschullehrer) endgültig aufblüht. Gut möglich, dass das N-Wort im Hause Max bald wieder positiv besetzt ist.