BUNDESLIGA

Andere sind jetzt die besseren Herthaner

Hertha BSC hat seine Stärken der Vorsaison verloren und steht mit nur 17 Punkten nach 14 Runden unter Druck.

Ratlos: Herthas Sebastian Langkamp (v.l.), Fabian Lustenberger und Per Skjelbred nach der 1:2-Heimniederlage gegen Frankfurt

Ratlos: Herthas Sebastian Langkamp (v.l.), Fabian Lustenberger und Per Skjelbred nach der 1:2-Heimniederlage gegen Frankfurt

Foto: Annegret Hilse / dpa

Berlin.  Entgegen anders lautender Gerüchte sind die letzten Wochen des Jahres eine stressige Zeit. Rilkes Satz, „wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr“, ist längst überholt. Überall herrscht geschäftiges Treiben. Wer sich Ziele gesteckt hat, versucht diese noch irgendwie zu erreichen.

Das alles gilt auch für die Fußballer von Hertha BSC. Die 1:2-Niederlage gegen Frankfurt lässt für die Berliner keinen geruhsamen Jahresausklang zu, die ausgegebenen Ziele sind keine Selbstverständlichkeit mehr. „Die Niederlage tut uns richtig weh und ist total unbefriedigend. Wir wollten uns in der Tabelle eigentlich nach oben orientieren“, sagte Manager Michael Preetz am Montag. Seit Wochen reden er und Trainer Pal Dardai davon, zum Ende der Hinrunde 20 Punkte auf dem Konto haben zu wollen, im besten Fall 20 plus x. Speck anfressen also.

Bis Weihnachten sollen es 21 Punkte sein

Dardai untermauerte diese Ansprüche nach der Niederlage gegen Frankfurt noch einmal: „Jetzt haben wir zwei Wochen, in denen wir vier bis fünf Punkte brauchen. Ziel sind 21 Punkte, und das ist machbar.“ Hertha gastiert am Sonntag beim formstarken FC Augsburg (18 Uhr), danach kommt Hannover (13. Dezember), ehe es am
17. Dezember zu Vizemeister RB Leipzig geht, wo die Berliner klarer Außenseiter sind. Wenn es schlecht läuft, bleibt man bei 17 Punkten stehen.

Gegen Frankfurt verpasste es Hertha wieder, nach einem gewonnenen Spiel einen erneuten Sieg folgen zu lassen. Auf eine Siegesserie in der Liga warten die Fans bisher vergeblich. Und so hat Hertha sich ein bisschen selbst verloren. Die Rolle des ultimativen Opportunisten, die Dardais Mannschaft vergangene Saison so gut stand, ist passé. Andere sind derzeit die besseren Herthaner. Wie Frankfurt in Berlin gewann, erinnerte stark an Hertha des letzten Jahres.

Niederlagen trotz guter Phasen

Defensiv stabil und eiskalt im Ausnutzen der wenigen Torchancen. So sind auch die nächsten Gegner Augsburg und Hannover unterwegs. Diese Charakteristika sind dem Hauptstadtklub abhanden gekommen zwischen den Spielen in Europa und der Liga. Zum selben Zeitpunkt im Vorjahr hatte Dardais Elf mit 27 Punkten nach 14 Spielen zehn Zähler mehr auf dem Konto. Herthas Probleme der Gegenwart sind vielfältig. Vergangene Saison wurden Spiele gewonnen, in denen man nicht gut war.

Diese Saison verliert man Spiele, in denen man gut ist oder sehr gute Phasen hat. Gegen Gladbach (2:4) etwa oder jetzt gegen Frankfurt. Die ersten 25 Minuten waren grandios, der Abfall danach ist nur schwer zu erklären. Derzeit reicht eine gelungene Aktion des Gegners, ein mentaler Tiefschlag, um das Berliner Konstrukt zum Wanken zu bringen. „Unglaublich, dass wir dieses Spiel verloren haben“, sagte Stürmer Davie Selke nach dem 1:2 gegen Frankfurt. Vor allem in den Heimspielen sind die Blau-Weißen zu ungefährlich vor dem Tor geworden – und kassieren zu viele Gegentreffer: schon 13 in acht Spielen. Kein Team der Liga hat mehr.

Gegen Östersund wird Hertha rotieren

Dardai wird in den kommenden zwei Wochen Lösungen finden und ein guter Moderator sein müssen. Nach der sportlich bedeutungslosen letzten Partie in der Europa League gegen Östersunds FK (Donnerstag, 21.05 Uhr) wird sich der Konkurrenzkampf verschärfen.

Spieler, die wegen der hohen Anzahl an Partien Spielzeit bekamen, haben diese Sicherheit nun nicht mehr. Salomon Kalou spielte gegen Frankfurt zum dritten Mal infolge nicht. Er ist ein verdienter Profi, nur ist jetzt nicht die Zeit für ­persönliche Befindlichkeiten. Dafür ist die Situation bei Hertha BSC zu ernst geworden.