Durchbruch

Hertha-Talent Arne Maier: „Risiko gehört dazu“

Arne Maier hat sich bei Hertha überraschend einen Stammplatz erspielt. Ein Gespräch über den Weg zum Profi und Mut zur Offensive.

Durchbruch: Hertha-Talent Arne Maier (r.) kam in den jüngsten neun Pflichtspielen bei den Profis zum Einsatz

Durchbruch: Hertha-Talent Arne Maier (r.) kam in den jüngsten neun Pflichtspielen bei den Profis zum Einsatz

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin.  Vor gut sechs Wochen galt Hertha-Talent Arne Maier (18) noch als Versprechen für die Zukunft. Seit der Verletzung von Vladimir Darida ist aus dieser Zukunft jedoch Gegenwart geworden – zuletzt stand der Mittelfeldspieler fünf Mal in Folge in der Startelf und wusste stets zu überzeugen. Vor dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt am Sonntag (15.30 Uhr) spricht Maier über die Tücken auf dem Weg zum Profi, Karriereplanung und Kontrollbesuche seiner Mutter.

Herr Maier, Weihnachten steht vor der Tür. Was wünschen Sie sich in diesem Jahr?

Arne Maier: Dass es so weiterläuft wie bisher, ich möglichst oft auf dem Platz stehen kann und wir die Hinrunde mit guten Ergebnissen abschließen.

Letztes Jahr haben Sie gesagt, Sie wünschen sich, möglich oft bei den Profis zu trainieren. Jetzt sind Sie Stammspieler.

Meine Wünsche sind wirklich alle wahr geworden. Ich trainiere regelmäßig mit der ersten Mannschaft und einen Profivertrag habe ich auch unterschrieben (bis 2019, d. Red.). Meine Leistung zu bestätigen, mich weiter zu etablieren, ist der nächste Schritt.

Hat sich Ihr Alltag verändert, weil Sie jetzt Bundesligafußballer sind?

Nein, der einzige Unterschied ist, dass ich nicht mehr bei der U19 bin. Vergangene Saison habe ich ja auch schon bei Pal Dardai mittrainiert, aber in der Jugend oder der U23 gespielt.

Inwiefern unterscheiden sich die Abläufe bei den Profis?

Vor den Spielen verbringen wir die Nacht in der Regel im Hotel. Am Spieltag gibt es dort immer noch eine Besprechung, bevor es ins Stadion geht. Bei den Jugendmannschaften fährt man am Spieltag mit dem Bus zum Spiel, steigt aus, bespricht sich und spielt.

Genießen Sie ihr neues Luxusleben?

Was das Sportliche und die Abläufe angeht, ja. Es ist natürlich viel besser, in einem Hotel zu entspannen und sich dort auf das Spiel konzentrieren zu können, statt aus dem Bus zu steigen und kurz danach auf dem Platz zu stehen.

Ältere Profis beschweren sich gern mal über die ständigen Hotelaufenthalte. Können Sie sich vorstellen, dass Sie das irgendwann auch nervt?

Momentan überhaupt nicht, dafür bin ich noch zu jung und zu frisch dabei (lacht). Für mich ist das im Moment tatsächlich purer Luxus.

Sie haben im Sommer nach der elften Klasse die Schule beendet. Um sich voll auf Fußball konzentrieren zu können?

Ich habe mich zwar gegen das Abitur entschieden, mache aber ein Fachabi. Ich möchte einen Abschluss haben. Das ist mir wichtig.

Was haben Ihre Eltern dazu gesagt?

Sie haben mir geraten, auf jeden Fall einen Schulabschluss zu machen. Das finde ich auch richtig. Ohne Abschluss kann man nicht viel machen. Deshalb habe ich mich gemeinsam mit meinen Eltern fürs Fachabitur entschieden.

Als Fußballer kann man auch ohne Abschluss sehr viel Geld verdienen.

Klar, aber es gehört auch viel Glück zu einer erfolgreichen Karriere. Du brauchst einen Trainer, der auf dich setzt, und wenn du eine Chance bekommst, musst du abliefern. Davon abgesehen: Bei einer Verletzung kann eh alles vorbei sein.

Welche Werte haben Sie von zu Hause mitbekommen?

Disziplin, dass ich mich nicht verstellen soll und Familie das Wichtigste ist. Ich fahre regelmäßig nach Hause, um Eltern und Großeltern zu besuchen.

Sie haben Ihre erste eigene Wohnung bezogen. Ein weiterer Schritt Richtung Erwachsenenwerden?

Es war der richtige Zeitpunkt, ich brauche auch einen Ort für mich. Eine WG kam für mich nicht infrage, das ist nicht so meine Sache. Meine Mutter hatte zwar zuerst Bedenken, aber alles läuft sehr gut.

Bedenken warum?

Dass es unordentlich ist oder Chaos herrscht. Aber das ist nicht der Fall. Sie kommt trotzdem regelmäßig zur Kontrolle – unangemeldet (lacht).

Ist Fußball zu Hause ein großes Thema?

Meine Eltern fragen mich, wie es jetzt ist. Für sie ist es ja auch eine neue Situation. Wenn wir zusammen sind, sprechen wir aber eher über andere, persönliche Dinge.

Wer hat Sie zum Fußball gebracht?

Mein Opa hat gespielt, durch ihn bin ich zum Fußball gekommen, er schaut auch oft bei meinen Spielen zu. Meine Eltern haben mich genauso begleitet.

Schauen Sie selbst viel Fußball?

Bundesliga, Champions League, Europa League, Zweite Liga, englische Liga – ich schau eigentlich alles, was es gibt.

Das Lob auf Sie war zuletzt allgegenwärtig. Lesen Sie alle Artikel?

Meine Eltern schneiden alles aus und einiges lese ich auch. Die Fritz-Walter-Medaille (DFB-Auszeichnung für die besten Nachwuchsspieler, d. Red.) zu bekommen, hat mich sehr gefreut, aber sie ist keine Versicherung für eine Profikarriere. Es gibt genügend Spieler, die sie gewonnen haben und aus denen nichts geworden ist.

Das gilt auch für einige Berliner Spieler. Warnende Beispiele für Sie?

Ich weiß ja, wie viele es am Ende schaffen und wie viele nicht. Aber mit solchen Gedanken beschäftige ich mich nicht zu viel.

Bei wem suchen Sie Rat oder Hilfe?

Bei meinen Eltern. Wir haben eine super Verbindung. Und bei meinen Freunden. Ich habe oft Besuch, dann hängen wir bei mir auf der Couch rum, quatschen und spielen Playstation. Manchmal gehen wir auch nach draußen, was essen, ganz normale Dinge halt.

Verspüren Sie keine Lust, um die Häuser zu ziehen, wenn Gleichaltrige am Montag über ihre Wochenenderlebnisse sprechen?

Nein. Clubs waren noch nie meine Sache. Außerdem spielen die meisten Kumpels selbst bei Hertha.

Sie wirken auf dem Platz sehr abgeklärt für Ihr Alter. Beruhigt Sie der Ball?

Natürlich ist man vor dem Spiel aufgeregt, ich bin es auch – gerade vor so einer Kulisse wie jetzt in Bilbao. Wenn es dann losgeht, werde ich immer ruhiger. Je mehr Ballkontakte ich habe, desto besser.

Fühlen Sie sich als junger Spieler in der Mannschaft angekommen und respektiert?

Je mehr man spielt, umso mehr Respekt kriegt man. Die Älteren wie Per Skjelbred oder Vedad Ibisevic unterstützen mich aber auch sehr gut. Egal ob ich einen Fehler mache, ich werde immer aufgemuntert und weiter gepusht. Wenn der Kapitän zu dir kommt und dir noch ein paar Worte mitgibt, motiviert das unheimlich.

Ist Ibisevic ein Mentor für Sie?

Er kommt vor den Spielen zu mir und sagt, ich soll ruhig bleiben, einfach mein Spiel spielen, solche Dinge. Dann gehe ich gleich ganz anders in die Partie. Das hilft mir sehr.

Dardai sagt, Sie suchen stets die Offensive. Vielleicht, weil Sie früher Stürmer waren?

Ich habe als Stürmer angefangen, aber das haben ja irgendwie alle, auch mein Kumpel Florian Baak, der jetzt Innenverteidiger ist. Mir kommt es so vor, als wandert man automatisch nach hinten. Von meiner Position versuche ich immer, meine Mitspieler in Szene zu setzen und den vertikalen Pass zu suchen, auch wenn der manchmal nicht ankommt. Aber Risiko gehört dazu.

Sie kamen mit acht zu Hertha. Wie schwer ist es Ihnen gefallen, Ihre Heimatstadt Ludwigsfelde zu verlassen?

Ein erstes Angebot habe ich noch abgelehnt, weil mir meine Freunde noch wichtiger waren. Ein halbes Jahr später bin ich aber doch gewechselt. Hertha hat nicht lockergelassen. Als Junge spielt man in erster Linie ja, um mit seinen Kumpels zusammen zu sein. Ich habe in Berlin aber schnell neue Freunde gefunden.

Ludwigsfelde galt lange als möglicher Standort für einen Stadionneubau. Hätte Ihnen das gefallen?

Darüber denke ich ehrlich gesagt nicht nach. Zudem hat die Klubführung ja klar gesagt, dass sie einen möglichen Neubau in Berlin favorisiert.