Mitgliederversammlung

50,8 Mio. – Hertha gibt so viel wie nie für Personal aus

Der Bundesligist nimmt erstmals mehr als 100 Millionen Euro ein. Die Mitglieder lehnen in der Stadionfrage eine Satzungsänderung ab.

Herthas Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller stellte die Zahlen für das Geschäftsjahr vor

Herthas Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller stellte die Zahlen für das Geschäftsjahr vor

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin. Die Befürworter einer Satzungsänderung bei Hertha BSC haben auf der Mitgliederversammlung die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit deutlich verfehlt. „Die Heimspiele von Hertha BSC sollen innerhalb der Stadtgrenzen von Berlin ausgetragen werden“, hatte der Antrag formuliert. Statt der erforderlichen 75 Prozent stimmten 60,4 Prozent der anwesenden Mitglieder (776 Stimmen) für den Antrag. 39,6 Prozent (509 Stimmen) votierten dagegen.

In der Konsequenz ist Brandenburg raus aus dem Stadion-Rennen, da mehr als die Hälfte der Anwesenden für Berlin gestimmt haben. Den Antrag hatten 57 Mitglieder eingereicht. Wie bei der vergangenen Mitgliederversammlung im Mai waren die Mitglieder aus der Ostkurve zahlreich erschienen und unterstützten diesen Antrag lautstark.

In der Sache argumentierte Präsident Werner Gegenbauer, dass sämtliche Gremien von Hertha diesen Standpunkt teilen. Allerdings sagte Gegenbauer: „Wir als Präsidium haben die Bitte, auf eine Satzungsänderung zu verzichten.“ Auch Präsidiumsmitglied Ingmar Pering sagte, dass eine solche Festlegung das Instrument der Satzung missbrauchen würde. Das Präsidium und der Aufsichtsrat haben beschlossen, bei einer Entscheidung über einen Stadion-Standort eine Mitgliederbefragung zu unternehmen. „Dieses Ergebnis ist dann bindend“, sagte Präsident Gegenbauer. Hertha hat derzeit 35.800 Mitglieder.

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Bisher jedoch kennt die Hertha-Satzung das Instrument der Mitgliederbefragung nicht. Nach der Vehemenz, mit der die Debatte in den vergangenen Monaten geführt wurde, ist das relativ deutliche Verpassen der 75-Prozent-Marke überraschend.

Den größten Applaus auf der Versammlung erntete Pal Dardai. „Ich bin nicht vorbereitet, hier zu reden“, sagte der Trainer von Hertha BSC, „aber danke, dass wir hier sein dürfen und danke, dass Ihr alle da seid.“ Manager Michael Preetz bedankte sich bei den Anhängern für die lautstarke Unterstützung bei den bisherigen Europa-League-Heimspielen. „Wir werden am Donnerstag in Bilbao versuchen, unsere Chancen auf das Überwintern im Europacup aufrechtzuerhalten.“ In der Bundesliga – Hertha ist Tabellen-14. – räumte Preetz ein: „Wir liegen hinter unserem Plan. Es ist unser Ziel in den fünf Spielen bis zur Winterpause, den Abstand nach unten zu vergrößern.“

Zudem machte Preetz deutlich: „Wir erkennen die Vielfalt nicht nur an, wir wollen sie auch beschützen. Das tun wir aus vollster Überzeugung. Leider werden unsere Werte von einem kleinen Teil der Anhänger unterwandert und mit Füßen getreten. Ob das geschmacklose Banner sind oder das Bespucken von gegnerischen Spielern oder die unfassbaren Vorfälle in Rostock, die uns eine Strafe über 100.000 Euro vom DFB eingetragen haben. Wir sind zum Dialog mit unseren Fans bereit. Aber wir lassen uns das vereinsschädigende Verhalten einiger Weniger nicht gefallen.“

"Wir machen eine tolle Entwicklung"

Ingo Schiller, der Finanz-Geschäftsführer von Hertha BSC, war zufrieden mit den Zahlen, die er für das Geschäftsjahr vom 1. Juli 2016 bis 30. Juni 2017 vermeldete: „Wir machen eine tolle Entwicklung“, sagte Schiller. Er verwies darauf, dass der Fußball-Bundesligist mit Einnahmen von 112,3 Millionen Euro erstmals die 100-Millionen-Grenze übersprungen habe. Der größte Posten kam durch das TV-Geld (33,8 Millionen Euro) zustande.

Die Zahlen sind jedoch genauer zu betrachten. So meldet Hertha zum wiederholten Mal in Folge mehr Ausgaben als Einnahmen. Für die vergangene Saison wendete der Hauptstadt-Klub 119,9 Millionen Euro auf, also 7,6 Millionen mehr als eingenommen.

Die Blau-Weißen warten auf neun Millionen aus Wolfsburg

Schiller begründete diesen Anstieg unter anderem mit den Prämien, die der Verein seinen Spielern für das Erreichen der Europa League überwiesen hat. Gleichzeitig verwies er darauf, dass die Einnahme-Effekte des Europacups sich in der jetzt laufenden Saison bemerkbar machen werden. So hat Hertha acht Millionen Euro Einnahmen aus der Gruppenphase der Europa League sicher.

Kritiker werden die Stirn runzeln, dass die Verbindlichkeiten deutlich gestiegen sind: von 21,22 Millionen in 2015/16 auf nun 37,54 Millionen Euro. „Das muss man einordnen“, sagte Schiller. Er begründete den erheblichen Anstieg damit, dass Hertha 9,4 Millionen Euro weniger Vorauszahlungen erhalten habe von Sponsoren. Zudem enthalten die Verbindlichkeiten eine Neun-Millionen-Euro-Forderung von Hertha an einen Bundesligisten. Damit ist eine Rate gemeint, die der VfL Wolfsburg für die Verpflichtung von John Brooks (insgesamt 20 Mio. Euro) noch zu leisten hat.

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