Bundesliga

Valentino Lazaro ist Herthas Mister Überall

Der Zugang ist bei Hertha schnell angekommen, weil er offensiv wie defensiv funktioniert. Das ist auch gegen Mönchengladbach gefragt.

Hertha hat Valentino Lazaro

Hertha hat Valentino Lazaro

Foto: Thomas Eisenhuth / picture alliance / Thomas Eisenh

Berlin.  Wer sich mit Valentino Lazaro (21) unterhält, bekommt schnell das Gefühl, einem für sein Alter erstaunlich reifen jungen Mann gegenüber zu stehen. Als es bei Hertha BSC nicht lief vor einigen Wochen, sprach er Defizite an und appellierte an die Mentalität seiner Mitspieler, ohne Angst davor zu haben, auch unangenehme Dinge anzusprechen. Erstaunlich ist das deshalb, weil Lazaro erst im Sommer nach Berlin gekommen war und wegen einer Verletzung lange auf seinen ersten Einsatz hatte warten müssen. Schüchtern ist er nicht, jedenfalls nicht, wenn es um Fußball geht. Dass Hertha BSC seine erste Auslandsstation ist, geschenkt.

Valentino Lazaro, dunkelbraune Augen, ebenso dunkelbraune Haare, Sohn eines Angolaners und einer aus Griechenland stammenden Österreicherin, geboren in Graz, ist ja auch schon lange genug dabei im Profigeschäft. Im Alter von 16 Jahren gab er sein Debüt in der Bundesliga Österreichs. Früh galt er als Hochbegabter, durchlief alle U-Nationalmannschaften seines Heimatlandes und hatte, gerade volljährig, Angebote von Real Madrid und dem AC Mailand vorliegen. Es spricht für ihn, diese nicht angenommen zu haben. „Ich wollte spielen“, sagt Lazaro, der lieber bei RB Salzburg blieb. Im Sommer wagte er dann den Schritt ins Ausland, zuerst als Leihspieler und nun als fester Zugang. Nach seinem fünften Startelfeinsatz in Wolfsburg (3:3) griff eine Kaufverpflichtung, der Preis beläuft sich auf sechs bis sieben Millionen Euro.

Das Duell gegen Duda hat der Österreicher gewonnen

Lazaro und Hertha, das passt. Der Offensivspieler zeigte von Beginn an, welch großes Potenzial in ihm steckt. Auf dem rechten Flügel, auf dem linken Flügel oder offensiv in der Mitte – Lazaro findet sich überall zurecht. Trainer Pal Dardai hatte in ihm anfangs sogar eine Option als Rechtsverteidiger gesehen, von dieser Möglichkeit bisher aber keinen Gebrauch gemacht. Im Heimspiel gegen Mönchengladbach wird Lazaro am Sonnabend (18.30 Uhr /Sky und im Liveticker bei immerhertha.de) als zentrale Figur in der Mitte erwartet. Das Duell um diese Position mit Ondrej Duda hat er bisher klar für sich entschieden. Was vor allem an einer Eigenschaft liegt, die für Hertha von enormer Wichtigkeit ist.

„Valentino kann 90 Minuten laufen, er ist ein idealer Umschaltspieler“, sagt Dardai. Im Eishockey würde es über Lazaro heißen, er sei ein klassicher Zwei-Wege-Spieler, offensiv und defensiv gut. Diese Qualität wird gerade gegen die spielstarke und sehr schnelle Gladbacher Offensive um den ehemaligen Herthaner Raffael, dessen Einsatz fraglich war, von Nutzen sein, die gern das Feld mit wenigen Spielzügen überbrückt und versucht, möglichst schnell zum Torabschluss zu kommen.

Talent Arne Maier steht vor seinem Bundesliga-Startelfdebüt

Hertha könnte dem mit einer Doppelsechs, bestehend aus Per Skjelbred und Arne Maier, begegnen. Maier ist ebenfalls ein guter Umschaltspieler, der nach Ballgewinnen den direkten Weg in den gegnerischen Strafraum sucht und bei Ballverlusten schnell wieder in die eigene Position kommt. In Freiburg holte er auf diese Weise einen Elfmeter raus. Mit dem 18-Jährigen Maier im defensiven Mittelfeld und Lazaro davor dürfte sich Dardai kaum auf eine Doppelspitze bestehend aus Vedad Ibisevic und Davie Selke einlassen. Herthas Trainer hatte diese Variante vor zwei Tagen noch als ernsthafte Option bezeichnet, in der Praxis würde die defensive Grundordnung darunter aber zu sehr leiden.

Umschaltspiel gehört zu den Lieblingsworten von Dardai. Weil Umschaltspiel von schneller Ausführung eine Grundbedingung seiner Interpretation von Fußball ist. Nur wenn Hertha gut und zügig umschaltet, wird die Mannschaft in den kommenden Wochen bis zur Winterpause Erfolg haben. Dafür braucht es Lazaro. Anders als Duda gilt er für die nahe Zukunft als gesetzt. „Einen richtigen Konkurrenzkampf gibt es erst zur Rückrunde, wenn Ondrej richtig fit ist“, sagt Dardai. Aktuell könne sich der Slowake nur „60 Minuten bewegen“. „Es ist schwierig, mit einem Spieler reinzugehen, von dem ich weiß, dass ich ihn auswechseln muss“, sagt Dardai über Duda. An seiner Wertschätzung für den Spielmacher ändere das aber nichts. „Ondrej ist einer, der kreative Wunderdinge machen kann, ich halte nach wie vor sehr viel von ihm“, sagt Dardai. Nur sind kreative Wunderdinge in einer Zeit, in der Hertha BSC auf der Suche nach Stabilität ist, nicht so sehr gefragt wie ein schnelles, gut funktionierendes Umschaltspiel, das Valentino Lazaro mit seiner Dynamik verkörpert.