Fußball-Bundesliga

2:1 - Hertha beendet seine Sieglos-Serie

Hertha hat den HSV zu Hause 2:1 besiegt und die Hamburger in die Krise gestürzt. Der HSV verlor in Berlin zum fünften Mal in Folge.

Herthas Mitchell Weiser gegen Rick van Drongeln vom HSV

Herthas Mitchell Weiser gegen Rick van Drongeln vom HSV

Foto: Selim Sudheimer / Bongarts/Getty Images

Berlin. Zwei Fäuste flogen in die Luft. Eine kurz und schnell, so als wollte ihr Besitzer sagen: Da habt ihr’s. Die andere zögerlicher und dafür länger. Gott sei Dank, schien das zu bedeuten.

Als die Partie zwischen Hertha BSC und dem Hamburger SV am Sonnabend abgepfiffen war und die Berliner ihren ersten Sieg nach sieben Spielen ohne Erfolgserlebnis sicher wussten, streckte erst Pal Dardai die Faust in den Berliner Herbsthimmel und dann Michael Preetz. Trainer und Manager des Hauptstadtklubs wussten, dass das 2:1 (1:0) gegen den Tabellen-16. von immenser Wichtigkeit war. Hertha schob damit als Zehnter sechs Punkte zwischen sich und die Abstiegszone und hatte vier Tage nach dem schmerzlichen Pokal-Aus gegen Köln (1:3) das dringend benötigte Erfolgserlebnis gegen die Krisenstimmung.

Doch während Preetz, der in Berlin schon schlimmere Abwärtstrends erlebt hat, erleichtert schien, wirkte Dardai persönlich beleidigt und holte zum Gegenschlag aus: „Intern spüre ich null Druck“, sagte der Ungar, der nach Wochen der schlechten Auftritte und Ergebnisse natürlich trotzdem mächtig unter Druck stand. Dardai aber ist ein Meister darin, den Fokus der Öffentlichkeit dorthin zu lenken, wo er ihn haben will. Diesmal auf alle, außer sich selbst und seine Elf: „Die Fans und die Medien haben Druck gemacht. Das finde ich nicht in Ordnung. Ihr habt das schwer gemacht für mich“, sagte der 41-Jährige und meinte die zuhörenden Journalisten. Und falls es irgendjemand noch nicht begriffen hatte, wie Dardai die Lage sah, schob er nach: „Wir hatten nullkommanull Krise. Für mich war das aber eine gute Erfahrung. Die Woche hat keinen Spaß gemacht. Doch ich glaube, dass diese Saison noch ein gutes Ende nehmen wird.“

Zwei Standardtore entschieden die enge Partie gegen den keineswegs schlechteren HSV für Hertha. Zwei Kopfbälle von Defensivspielern nach Ecken – einer von Niklas Stark (17.) und der andere von Karim Rekik (49.). Dass es am Ende aber noch einmal hektisch wurde, nachdem der 17 Jahre junge Fiete Arp für die Hamburger zum 1:2 traf (73.) traf, bewies, dass die Blau-Weißen weiter auf der Suche nach Stabilität sind. Doch danach fragt am Ende keiner. Hertha brachte das 2:1 mit Kampf und Moral über die Zeit und kann mit nun 13 Punkten nach zehn Spielen ­etwas zuversichtlicher sein.

Zuversichtlich machen darf die Hertha-Fans auch, dass die Berliner Spieler selbstkritisch auftraten: „Die Negativspirale war enorm in den letzten Wochen, wir haben auch keine spielerische Entwicklung mehr genommen“, sagte etwa Verteidiger Sebastian Langkamp, der nach vier Wochen Verletzungspause und nur zwei Trainingseinheiten mit dem Team in der Startelf stand und sein 100. Bundesliga-Spiel für Hertha bestritt. „Man hat nach dem 1:2-Anschlusstreffer gesehen, dass etwas Bammel dabei war. Wichtig ist ein Erfolgserlebnis. Das war heute der erste Schritt in die richtige Richtung“, so Langkamp. Und Mittelfeldspieler Per Skjelbred, einer der Besten an diesem Tag, fand: „In so einem Drecksspiel drei Punkte zu holen, ist genau das, was wir gebraucht haben.“

Zum Spiel selbst braucht man nur wenig zu sagen: Es war so, wie man sich das vorstellt, wenn zwei Teams aufeinander treffen, die sieben Partien nicht mehr gewonnen haben: schlecht. Wenig Fantasie, viel Kampf. Derlei festgefahrene Spiele entscheiden oft Standardsituationen. Und wenn Hertha zuletzt mal getroffen hatte, dann nach ruhenden Bällen. So auch diesmal: Ecke Marvin Plattenhardt, der sich dabei immer weit über das Spielgerät beugt, dass man das Bild abpausen möchte, Stark stieg am ersten Pfosten hoch und köpfte den Ball neben den zweiten ins Tor (17.). Es war der zweite Treffer des Defensivallrounders, der diesmal im Mittelfeld auflief, innerhalb von vier Tagen. Auch beim 1:3 gegen Köln hatte der 22-Jährige getroffen. Ein wichtiges Tor und ein geschichtsträchtiges dazu: Es markierte den 100. Treffer für die Berliner in der Bundesliga gegen den HSV und – das war wesentlich nützlicher – die erste Führung für Dardais Elf seit sieben Spielen.

Rekik erzielt sein erstes Pflichtspieltor für die Berliner

Das 1:0 diente Hertha später als Blaupause für das 2:0. Wieder eine Ecke, diesmal trat sie Mitchell Weiser, Rekik stieg im Strafraum hoch und köpfte den Ball ein (49.). Es war der erste Pflichtspieltreffer des niederländischen Verteidigers für Hertha. „Das fühlt sich gut an“, sagte Rekik. Zwischen dem 1:0 und dem 2:0 war der HSV kaum schlechter als Hertha. Die Hanseaten hatten sogar eine prächtige Gelegenheit, als Santos einen Ball aus 20 Metern Richtung Berliner Toreck schlenzte. Doch Herthas Keeper Rune Jarstein parierte (11.). Beim Schuss von Arp später war der Norweger machtlos.

Hertha wankte danach, fiel aber nicht um. Darauf lässt sich aufbauen. Auch wenn die Partie gezeigt hat, dass die Berliner noch Arbeit vor sich haben.