Sport

Mehr Politik wagen

„Don’t mix politics with games.“ Das ist eine der geflügelten Behauptungen von Mächtigen, die kein Interesse daran haben, dass die Öffentlichkeit ihnen in die Karten schaut. Aber jeder, der sich für Sport interessiert, weiß: Spiele und Politik gehören zusammen, egal, ob es sich um Olympische Spiele, um Fußball-Weltmeisterschaften, oder um den Flughafen von Doha/Katar als Ärmelsponsor beim FC Bayern handelt. Neu an der Geste, die Hertha BSC vor dem Spiel gegen Schalke im Olympiastadion gezeigt hat, ist die demonstrative Aussage: Wir mischen uns ein.

Immer wieder war der Klub in den vergangenen Jahren gefragt worden: Wofür steht Hertha eigentlich?

Dadurch, dass die Profis in Blau-Weiß den Protest der US-Sportler gegen ­Rassismus aufnahmen, zeigt ­Hertha Solidarität unter Sportlern über die Kontinente hinweg. Über den Einwand, ob es bei der Aktion vorrangig um diese Unterstützung geht, oder eher um einen PR-Coup in eigener Sache, lohnt es sich nachzudenken. Diese Skepsis hat sich Hertha mit seinen nicht immer geglückten Auftritten im Internet selbst eingebrockt. Unter dem Strich ist es aber nicht wichtig, ob die Protestaktion vollständig im Verein ersonnen worden ist, oder ob es einen Anstoß von außen gab, der die Verantwortlichen zum Nachdenken gebracht hat. Weil es eine gute Sache ist, für die Hertha seine Reichweite als größter Verein der Stadt mit mittlerweile 35.600 Mitgliedern sowie seine Strahlkraft als Bundesligist einsetzt. Manager Michael Preetz hat betont, wie wichtig es ist, dass sich Vereine, die im Fokus der Öffentlichkeit stehen, positionieren. In diesem Fall wirbt Hertha für Vielfalt und Offenheit der Stadt Berlin.

In gesellschaftspolitischen Fragen hat sich Hertha – wie viele andere Vereine in der Stadt – schon lange engagiert. Aber selten so pointiert, so öffentlich. Behalten die Verantwortlichen diese Linie bei, darf man annehmen, dass Hertha sich auch für andere Werte ­einsetzen wird. Dann war das, was am Sonnabend im Olympiastadion zu beobachten war, der Anfang einer neuen Entwicklung. Das wird – wie im aktuellen Fall – nicht immer und nicht jedem gefallen. Das müssen die Verantwortlichen in jedem Einzelfall abwägen. Glaubwürdigkeit ist ein sensibles Gut. Dass aber ­Hertha offensiv Gesellschaftspolitik mit Sport mischt – das ist längst überfällig im Profi-Fußball.