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Bundesliga

Elfer für Hertha oder nicht: Tohuwabohu um den Videobeweis

In der 18. Minute hatte Schiedsrichter Harm Osmers auf den Punkt gezeigt, die Hertha-Fans jubelten. Dann kam alles anders.

Schiedsrichter Harm Osmers schaut sich auf einem Monitor Videosequenzen über seine Elfmeterentscheidung an

Foto: Martin Rose / Bongarts/Getty Images

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Berlin.  Elfmeter ist, wenn der Schiedsrichter pfeift – auf diese alte Faustregel ist auch kein Verlass mehr. In der 18. Minute hatte Harm Osmers auf den Punkt gezeigt, die Hertha-Fans unter den 71.212 Besuchern im Olympiastadion jubelten, Salomon Kalou legte sich den Ball zurecht.

Doch seit Einführung des Videobeweises wiederholen sich die Szenen. Der Gegner protestiert, Jerome Boateng forderte vehement den Videobeweis an. Statt dem Bayern-Verteidiger Gelb zu zeigen – wie es die Regeln vorsehen – nahm Osmers Rücksprache mit der Videozentrale in Köln und sah sich den strittigen Zweikampf zwischen Vladimir Darida und Javi Martinez rund eine Minute lang aus verschiedenen Perspektiven auf einem Monitor an der Seitenlinie an. „Da hatten wir alle kein gutes Gefühl“, sagte Herthas Manager Michael Preetz, dem sein Bauchgefühl recht geben sollte. Denn: Osmers kassierte seine Entscheidung. Doch kein Elfmeter.

Osmers bekam nicht alle Perspektiven zu sehen

„Fußball-Mafia DFB“ schallte es nun durchs Stadion. Die Hertha-Fans erinnerten sich sehr wohl daran, dass der damalige Unparteiische Patrick Ittrich die Bayern-Partie im Februar sieben Minuten hatte nachspielen lassen, bis den Bayern der Ausgleich gelungen war.

Und eine Fehlentscheidung war es obendrein. In der Pause berichtete Stadion-Gast Lutz-Michael Fröhlich, der Schiedsrichter-Chef des DFB, dass eine Kameraeinstellung aufgetaucht sei, in der zu sehen ist, dass Darida den Ball spielt und Martinez den Herthaner nur am Fuß trifft. Pech für Hertha – und für Osmers. Diese Bilder waren dem Schiedsrichter nicht vorgespielt worden. Osmers hat seine Entscheidung „Elfmeter“ korrigiert, ausgehend von den Szenen, die ihm gezeigt wurden. Offensichtlich fehlt es in der Kürze, in der die Referees entscheiden sollen, manchmal an der Zeit, alle Kamera­perspektiven zu sichten.

Preetz: Falsche Ergebnisse sind doof

Der Videobeweis führt sich zunehmend ad absurdum. „Er ist in entscheidenden Situationen eine Hilfe“, sagte Preetz, „nur wenn am Ende das falsche Ergebnis dabei herauskommt, ist das doof.“ Pal Dardai nahm es sportlich: „Der Schiedsrichter hat gut gepfiffen.“ Ein Fan der Schiri-Innovation wird der Ungar wohl nicht mehr. Sein Schlusssatz lautete: „Lassen wir das Spiel doch, wie es war.“

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