Bundesliga

Herthas Duell gegen Bayern ist ein Fall für Stehaufmänner

Der Berliner Bundesligist muss die jüngsten Rückschläge schnell ausblenden und sich gegen wütende Bayern auf alte Qualitäten besinnen.

Verkörpert Herthas Situation besser als jeder andere: Mitchell Weiser

Verkörpert Herthas Situation besser als jeder andere: Mitchell Weiser

Foto: Thomas Eisenhuth / picture alliance / Thomas Eisenh

Berlin.  Die Frage ist ja, wie schnell man sich wieder berappelt. Bei Mitchell Weiser dauerte das zuletzt ein bisschen länger – während des jüngsten 0:1 in Östersund lag der Hertha-Profi häufig am Boden und schaute von dort ungläubig zum Schiedsrichter. Weil jener das Spiel aber meist weiterlaufen ließ, blieb Weiser nichts anderes, als wieder aufzustehen und den Staub abzuklopfen. So wie es auch Hertha tun muss nach zwei Niederlagen der Marke „vermeidbar“.

Ohne ein satte Portion Stehaufmännchen-Mentalität scheinen die Chancen der Berliner jedenfalls schlecht gegen einen FC Bayern, der heute (15.30 Uhr, Sky und im Liveticker bei immerhertha.de) nicht nur mit der Wut aus einer demütigenden 0:3-Klatsche von Paris ins Olympiastadion reist, sondern auch mit dem Mut eines Neuanfangs. Vor allem die Robbens und Ribérys, jene Stars also, die mit dem frisch geschassten Carlo Ancelotti über Kreuz lagen, werden beweisen wollen, dass die Entlassung des Trainers der richtige Schritt war.

„Das ist gefährlich, weil oft eine Trotzreaktion kommt“, sagt Hertha-Coach Pal Dardai: „Wenn sie ihre Balance wiederfinden, zählen sie zu den besten Teams der Welt.“

Weiser steht stellvertretend für Herthas Situation

Balance ist allerdings auch in Berlin ein entscheidendes Stichwort, präsentierte sich das Team zuletzt doch arg unausgeglichen. Das typische Hertha-Bild: solide Defensive, harmloser Angriff. Selbst dem Ex-Bayern Weiser, eigentlich Herthas personifizierter Gefahrenherd, will derzeit nicht viel gelingen. Bei Toren und Vorlagen steht jeweils die Null, seine Erfolgsquote in Eins-gegen-eins-Situationen ist längst nicht mehr so hoch wie zu Saisonbeginn.

Zufall? Oder doch ein Zeichen von Müdigkeit? Das Duell mit den Bayern ist Herthas siebtes Spiel in drei Wochen. Bis auf acht Minuten stand Weiser (23) durchgängig auf dem Platz.

Genauso wie die Defizite verkörpert der U21-Europameister jedoch auch die Hoffnungen der Berliner. Denn für außergewöhnliche Momente ist er ja selbst an durchwachsenen Tagen gut, das war auch in Mainz oder Östersund so. Und an guten, tja, da können Weiser und Hertha selbst Topklubs in Not bringen – so wie es den Hauptstädtern im Februar gegen die Bayern gelang. Das 1:1 kassierten sie damals erst in der Nachspielzeit, die bis aufs Äußerste gedehnt wurde.

Die Berlinern brauchen Frische und Wagemut

So kurios es auch klingt: Gegner wie die Bayern liegen Hertha. Gut sehen die Berliner meist dann aus, wenn sie aus der Defensive kommen, auch dies ein Phänomen, das sich an Weiser festmachen lässt. Läuft er auf dem Flügel auf, ist die Zuordnung der Gegner klar; spielt er als rechter Verteidiger, sorgt er mit seinen Vorstößen für Chaos. Wenn die Kräfte reichen.

Dardai wird im Olympiastadion auf frische Beine setzen. Mathew Leckie, Marvin Plattenhardt und Salomon Kalou kehren in die Startelf zurück. Genauso wichtig wird jedoch die Einstellung sein. Eine Niederlage gegen die Bayern wäre schließlich kein Drama, ein zu ängstlicher Auftritt hingegen ärgerlich. Vom wagemutigen Weiser, der ohnehin keine Scheu vor seinem früheren Team kennt, dürfen sich die Kollegen daher gern eine paar Scheiben abschneiden.