Bundesliga

Hertha erneut sieglos gegen Bremen

Hertha BSC trennt sich von Werder Bremen vor heimischer Kulisse 1:1.

Herthas Mitchell Weiser (r.) im Duell gegen Bremens Milos Veljkovic

Herthas Mitchell Weiser (r.) im Duell gegen Bremens Milos Veljkovic

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin.  Beinahe wäre Salomon Kalou zum Helden geworden. Es liefen die letzten Sekunden der Nachspielzeit zwischen Hertha BSC und Werder Bremen, als der eingewechselte Valentin Stocker alle Kraft in einen letzten Schuss legte und der eingewechselte Kalou alle Kraft für eine letzte Streckung aufbrachte. Der Ivorer brachte die Fußspitze gerade noch an Stockers Versuch, der Ball setzte auf, änderte leicht die Richtung, sauste aber doch knapp über das Tor. Ein Raunen erfüllte das Olympiastadion, herausgepresst aus 49.118 Kehlen. Unter den Zuschauern weilte DFB-Präsident Reinhard Grindel, der die erneuten Proteste der Anhänger gegen seinen Verband sicher vernommen haben wird.

Kalou trug an diesem Sonntag zum 100. Mal das Hertha-­Trikot in einem Pflichtspiel – was wäre das für eine Geschichte gewesen. So blieb es am Ende aber beim 1:1 (1:0) zwischen ­Hertha und Werder. Die Hausherren begannen nervös. Niklas Stark fehlte nach drei Minuten noch das nötige Gefühl im Fuß, als er einen Rückpass nicht in Richtung Torwart Rune Jarstein brachte sondern neben das eigene Tor setzte. Aus der anschließenden Ecke resultierte die erste große Möglichkeit, als Fin Bartels nach innen flankte, wo Florian Kainz sich unbedrängt an einer Direktabnahme versuchen konnte. Den Aufsetzer parierte Jarstein. Den Gästen war ihr Fehlstart mit zwei Niederlagen aus den ersten zwei Spielen nicht anzumerken, die Mannschaft von Trainer Alexander Nouri wirkte spritzig, ging aggressiv in die Zweikämpfe und gefiel durch eine gute Raumaufteilung. Letzteres gehört bei Hertha unter Pal Dardai zum Standardrepertoire. So entwickelte sich ein Spiel mit intensiven Zweikämpfen, aber wenig Torgefahr.

Wenn, dann waren es meist die Bremer, die einem Tor näher kamen. Ein Schuss von Florian Kainz ging nur knapp am Werder-Tor vorbei. „Die Bremer waren ein bisschen griffiger. Wir müssen mit dem Punkt zufrieden sein“, sagte Herthas Innenverteidiger Sebastian Langkamp. Sein Trainer Pal Dardai fand, dass es „ein gerechtes ­Unentschieden war. Wir müssen und können mit dem Punkt leben“.

Hertha erzeugte in der ersten Halbzeit kaum Torgefahr. Bei einem Kopfball von Stark entschied Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus auf Abseits. Zu oft verloren die Berliner den Ball zu schnell im gegnerischen Angriffsdrittel. Alexander Esswein hatte in dieser Hinsicht einige unglückliche Aktionen, weil er oft die falsche Entscheidung traf, den Ball entweder zu schnell ­weiterleiten wollte oder zu ungenau spielte. Der Angreifer hatte den Vorzug gegenüber Kalou erhalten, der erst am Donnerstag von einer Länderspielreise zurückgekehrt war. Das letzte Mal hatten die Berliner im Oktober 2016 ein Bundesligaspiel ohne Kalou in der Startformation bestritten – die Abwesenheit des Ivorers tat ihrem Spiel an diesem Tag sichtlich nicht gut.

Zum Zeitpunkt von Kalous Hereinnahme stand es unentschieden, nur dass in der Zwischenzeit Tore gefallen waren. Und was für welche. Herthas Treffer ging ein katastrophaler Abstimmungsfehler zwischen den Verteidigern Lamine Sané und Robert Bauer voraus, die mit ihrer Aktion die komplette Deckung entblößten. Vedad Ibisevic leitete den Ball sofort in die Mitte zu Vladimir Darida weiter, der unsanft zu Boden gerissen wurde. Steinhaus entschied auf Vorteil, Mathew Leckie kam in vollem Tempo angerauscht und verwandelte durch die Beine von ­Werder-Torwart Jiri Pavlenka zur ­Führung kurz vor der Pause.

Mathew Leckie macht sein drittes Tor im dritten Spiel

Natürlich Leckie. Der Australier hatte bereits zum Auftakt gegen den VfB Stuttgart (2:0) bei seiner Premiere im Olympiastadion doppelt getroffen und seiner Nationalmannschaft unter der Woche mit einem späten Tor gegen Thailand die Chance auf die Teilnahme an der Weltmeisterschaft erhalten. Auf seiner vorigen Station beim FC Ingolstadt hatte Leckie für drei Tore 62 Spiele benötigt. In Berlin lautet seine Quote: drei Spiele, drei Tore. „Ich hoffe, es geht so weiter“, sagte der Torschütze. „Läuft bei ihm“, fand Ibisevic.

Die Berliner hatten ihren Ruf als ultimative Minimalisten zur Halbzeit bestätigt. Fehler des Gegners eiskalt ausgenutzt, ein Torschuss, ein Tor – effektiver kann ein Team nicht spielen. Nur war auch klar, dass Dardais Team sich an diesem Tag keinen Fehler erlauben durfte, wollte es gewinnen. Das gelang nicht. Zu Beginn der zweiten Hälfte bekam Stark den Ball nicht aus dem Strafraum, was Thomas Delaney zum 1:1 durch einen Volleyschuss nutzte. „Ein blödes Gegentor“, ärgerte sich Marvin Plattenhardt. Blöde Gegentore darf es am Donnerstag nicht mehr geben: Da empfängt Hertha Athletic Bilbao in der Europa League.