DFB-Pokal

Herthas Pokaltraum beginnt als Risikospiel

Herthas Pokalspiel bei Hansa Rostock findet unter großer Polizeipräsenz statt. Trainer Pal Dardai will ins Finale im Olympiastadion.

Intensität im Ostseestadion: Im März 2008 versuchen Herthas Gojko Kacar (l.) und Josip Simunic (r.) den Rostocker Dexter Langen zu stoppen

Intensität im Ostseestadion: Im März 2008 versuchen Herthas Gojko Kacar (l.) und Josip Simunic (r.) den Rostocker Dexter Langen zu stoppen

Foto: dpa Picture-Alliance / Bernd Wüstneck / picture-alliance/ dpa

Berlin.  Es wird ein ungewöhnliches erstes Pflichtspiel, das Hertha BSC am Montag bestreitet. Das wurde deutlich auf der Pressekonferenz des Fußball-Bundesligisten zur Erstrunden-Pokalpartie am Montag bei Hansa Rostock (20.45 Uhr/ARD und Sky). Noch ehe Trainer Pal Dardai oder Manager Michael Preetz das Wort ergriffen, richtete Pressesprecher Max Jung einen dringenden Appell an alle Fans: "Wir wünschen uns eine stimmungsvolle und friedliche Unterstützung. Dass es ruhig bleibt, dass sich das Duell reduziert auf das, was auf dem Rasen passiert."

Robert Marien, der Vorstandsvorsitzende von Hansa Rostock, wurde noch deutlicher. In einem offenen Brief schrieb Marien: "Seit dem letzten Aufeinandertreffen mit Hertha im März 2008 hat es unzählige Drittort-Auseinandersetzungen gegeben. Die Brisanz dieser Partie ist also nicht nur sportlich hoch, sondern in jeglicher Beziehung."

Rostock spielt auf Bewährung

Immer wieder war es verteilt über die gesamte Republik zu Auseinandersetzungen zwischen Fangruppen von Hertha und Hansa gekommen, selbst wenn sich die Wege nur zufällig auf ­irgendeinem Bahnhof gekreuzt hatten.

Rostock hat zusätzlichen Druck. Am vergangenen Mittwoch hat das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) entschieden, dass Hansa nach diversen Fehlverhalten seiner Fans bei zwei Auswärtsspielen der Dritten Liga keine eigenen Fans mitnehmen darf. Der Klub steht unter Bewährung. Deshalb bat Hansa-Klubchef Marien in dem Brief eindringlich: "Umso wichtiger ist es, mögliche weitere Konsequenzen durch unsportliches Verhalten auf den Rängen und andere negative Randerscheinungen zu vermeiden. Dies gilt insbesondere für das Pokal-Spiel gegen Hertha BSC. Die Scheinwerfer der Öffentlichkeit und die Augen Fußball-Deutschlands werden bei dieser Partie auf uns gerichtet sein."

Kapazität im Ostseestadion reduziert

Hansa gegen Hertha ist ein Hochrisikospiel. Die 29.000er-Kapazität im Ostseestadion wurde reduziert auf etwa 20.000 Plätze. Im Gegenzug wurden die Sicherheitszonen zwischen Heim- und Gäste-Fanblöcken ausgeweitet. Hertha setzt einen Fan-Sonderzug ein (Ticketpreis: 18,92 Euro). Es sind fünf Fan-Betreuer dabei, dazu das "Fanprojekt Berlin". Es wird, wie üblich bei diesen Sicherheitsspielen, kein Alkohl ausgeschenkt. Die ­Polizei-Präsenz wird erheblich sein.

Erstmals seit vielen Jahren wird ein Hertha-Spiel in einer der ersten Pokalrunden im frei empfangbaren Fernsehen übertragen. Hertha-Trainer Pal Dardai sagt: "Das Spiel ist interessant. Und unser Image ist besser geworden in Deutschland. Wir haben einen bessere Ruf als vor ein paar Jahren. Sportlich waren wir zuletzt Siebter und Sechster."

Warum Hansa vs Hertha in der ARD läuft

Wahrscheinlich hat die Ansetzung im Free-TV aber andere Hintergründe. Ende Juni waren die Verantwortlichen an der Ostsee erbost, dass der DFB als Ärmelsponsor für die Dritte Liga den Wettanbieter "bwin" verpflichtet hatte. Just, nachdem Hansa als neuen Hauptsponsor den Wettbanbieter "sunmaker" vorgestellt hatte.

"Dass uns fünf Wochen nach dem Vertragsabschluss mit 'sunmaker' mitgeteilt wird, dass ein anderer Wettanbieter Hauptpartner der 3. Liga wird, ist extrem ärgerlich – vor allem vor dem Hintergrund, dass dem DFB unser Hauptsponsor bekannt war", beschwerte sich Klubchef Marien am 30. Juni.

Der Einzug in die zweite Runde ist mit 318.500 Euro dotiert

Eine Bestätigung des DFB gibt es natürlich nicht. Und offiziell ist es Sender-Angelegenheit, welche Partie die ARD bundesweit überträgt. Aber es dürfte kein Zufall sein, dass wenige Tage später verkündet wurde, am 3. Juli, dass ausgerechnet Hansa Rostock die Gelegenheit hat, sich – und damit den neuen Brustsponsor – vor einem Millionen-Publikum in Deutschland im DFB-Pokal zu präsentieren.

Finanziell erhalten Hansa und Hertha (wie alle Teilnehmer der ersten Pokalrunde) aus dem DFB-Vermarktungstopf 159.000 Euro. Das Erreichen der zweiten Runde ­ist mit 318.500 Euro dotiert.

Dardai: In dieser Partie gibt es keinen Favoriten

Hertha-Trainer Dardai unternahm den Versuch, mit dem er relativ allein dastehen wird, zu erklären: "In dieser Partie gibt es keinen Favoriten. Das wird ein ausgeglichenes Spiel." Hansa, mit den Ex-Herthanern Mike Owusu und Bryan Henning, liegt nach vier Spielen der Dritten Liga (zwei Siege, ein Remis, eine Niederlage) auf Rang acht.

"Rostock ist im Rhythmus, sie haben eine gut organisierte Mannschaft und den Heimvorteil", sagt Dardai. Zudem zeigt der bisherige Verlauf der Pokalrunde, dass sich die diverse Bundesligisten schwer tun mit den unterklassigen Gegnern.

Bei Hertha steht der Pokalsieger bereits an der Wand

Um nicht verkehrt verstanden zu werden: Hertha stapelt nicht tief. "Wir wollen ins Finale", sagt Dardai. Der Traum vom Endspiel im Olympia­stadion lebt also weiter. Für die Optimisten unter den Hertha-Fans: Das wird am 19. Mai 2018 gespielt.

Wie das Endspiel 2018 ausgehen wird, ist auf dem neuen Plakat, das unter dem Motto "Die Zukunft gehört Berlin" vor der Geschäftsstelle aufgehängt ist, vorempfunden: Da stemmt ein Spieler im Hertha-Trikot den DFB-Pokal in die Höhe.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.