Hertha BSC

Bei Vedad Ibisevic kann das Alter warten

Der bosnische Angreifer ist der Methusalem bei den Berlinern. Mit bald 33 Jahren sorgt er aber für die Musik auf dem Platz – und daneben.

Vedad Ibisevic hat für Hertha in 68 Spielen 28 Tore erzielt

Vedad Ibisevic hat für Hertha in 68 Spielen 28 Tore erzielt

Foto: Carmen Jaspersen / dpa

Schladming.  Vedad Ibisevic nahm es mit Fassung. „Ich habe ein bisschen schwere Beine“, gab Herthas ältester Profi offen zu, „deshalb haben wir uns für eine Vorsichtsmaßnahme entschieden.“ Am Freitag hatte der Kapitän eine Trainingspause einlegen müssen. Der Körper, die Muskeln – nur kein Risiko, immerhin wird Ibisevic, 381 Profispiele in den Knochen, am Sonntag 33.

Überstrapazieren will der Stürmer seine Alterserscheinungen natürlich nicht. Im Test am heutigen Sonnabend (18 Uhr) gegen Galatasaray Istanbul werde er wieder auflaufen können, sagte der Bosnier, aber Pausen seien nun mal wichtig. In der kommenden Saison sogar wichtiger denn je: Erstmals seit 2009/10 spielt Hertha wieder in der Europa League. Die Mehrbelastung ist immens. Halten sich die Berliner im DFB-Pokal, lauten die Kennzahlen der Hinrunde: 26 Pflichtspiele, zehn Englische Wochen. „Wir werden auch Vedad rausnehmen“, sagt Trainer Pal Dardai, „es gibt keinen Spieler, der bis Weihnachten alle Spiele durchspielen wird.“

Zwölf Treffer gelangen dem Stürmer in der Vorsaison

Ibisevic freundet sich mit dem Bank-Gedanken gerade noch an, weiß aber nur zu gut, wie wichtig eine Rotation ist. „Ja, das gehört dazu“, sagt er mit der Erfahrung von zwei Europapokal-Spielzeiten mit dem VfB Stuttgart: „Es wird eine knallharte Saison. Für mich als ältesten Spieler sind die Pausen vielleicht sogar nötig.“ Er wird es brauchen, das Gefühl für den eigenen Körper. Die Belastung wird nicht kleiner. Und er nicht jünger.

In der Startelf wird sich der Bosnier trotzdem meistens wiederfinden, weil er für die Berliner eigentlich unverzichtbar ist. Einerseits als Kapitän und „Aggressive Leader“, zum anderen als Torschütze. Zwölf Treffer gelangen ihm in der Vorsaison, kein Berliner war besser. Aber auch für ihn persönlich ist das eine starke Ausbeute. Nur 2008/09 (18) und 2012/13 (15) hatte er häufiger getroffen. So viel zu den Alters­erscheinungen.

Rundum zufrieden war Ibisevic trotzdem nicht. Dass Hertha sich viel zu wenige Chancen erarbeitete und die zweitwenigsten Torschüsse der Liga abgab, bekam keiner im Team mehr zu spüren als er. So viel er als Sturmspitze auch kämpfte, lief und ackerte, landeten am Ende doch kaum Bälle bei ihm. Das soll sich ändern. „Wir haben Spieler dazu bekommen, die uns weiterhelfen können“, sagt Ibisevic. Mit dem schnellen Rechtsaußen Mathew Leckie hat er sich schon einspielen können, mit Sturmpartner Davie Selke (Knochenödem) und Tempodribbler Valentino Lazaro (Außenbandverletzung) hingegen noch nicht.

Kleine Rap-Einlage mit Sturmkollege Kalou

Auch Dardai hofft, dass die Neuen die Torgefahr erhöhen können – und Freiräume für Ibisevic schaffen. „Vedad wird dann nicht mehr von drei Spielern gedeckt“, meint der Ungar, „für ihn wird es einfacher.“ Zumindest in der Theorie.

Dass der Plan in der Praxis aufgehen kann, war im Trainingslager in Schladming bereits zu sehen. Im Test gegen das überforderte Neftchi Baku zeigte Herthas A-Elf erste Ansätze des neuen, zielstrebigeren Offensivspiels. Ibisevic erzielte beim 4:0 den dritten Treffer – nach guter Kombination und Zuspiel von Leckie.

Am Abend nach der Partie stimmten sich Ibisevic und Co. dann auch abseits des Platzes auf die neue Saison ein – mit einem ausgelassenen Hüttenabend, bei dem jeder Herthaner seine Sangeskünste präsentieren musste. Trainer Dardai gab ungarische Folklore zum Besten, die Nationalspieler Mitchell Weiser und Marvin Plattenhardt die Nationalhymne, Genki Haraguchi brillierte auf Japanisch. Und Oldie Ibisevic? Rappte – begleitet von Angriffspartner Salomon Kalou, der als Beatboxer den Rhythmus gab. Lustig sei das gewesen, eine nette Abwechslung zudem, und die Atmosphäre wirklich gut.

Bleibt die Frage, was sich Ibisevic zum Geburtstag wünscht. „Die letzten zwei Jahre haben sehr viel Spaß gemacht“, sagt er nach kurzem Überlegen. „Wir haben etwas erreicht. Mein Wunsch ist, dass wir so weitermachen.“

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