Hertha BSC

Arne Maier ist alles – nur nicht gewöhnlich

Arne Maier gehört zu Herthas goldenem Jahrgang. Der 18-Jährige soll in dieser Saison den Durchbruch beim Bundesligisten schaffen.

Arne Maier (l.) gilt als eines der größten Hertha-Talente

Arne Maier (l.) gilt als eines der größten Hertha-Talente

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Schladming.  Arne Maier musste sich entscheiden, mehrfach gleich, und das so schnell wie möglich. Optionen gab es im Training am Dienstagvormittag zuhauf für Herthas größtes Talent: links oder rechts aufdrehen, nach der Ballannahme nach links, rechts oder durch die Mitte dribbeln und den richtige Torabschluss wählen, das alles bei maximalem Tempo.

Es war eine komplexe Aufgabe, die sich Trainer Pal Dardai überlegt hatte, mit einem noch komplexeren Übungsaufbau aus Stangen und Leuchtsignalen. Letztere wiesen den Spielern zumindest den Weg, doch ob und wie schnell sie ihn gingen, lag an jedem einzelnen. Maier meisterte den Parcours mit Bravour.

Dass der 18-Jährige mit dem gewöhnlichen Namen ein Fußballer mit außergewöhnlichen Fähigkeiten ist, ist längst kein Geheimnis mehr. Etliche Artikel sind über den zentralen Mittel-feldspieler erschienen, stets mit demselben Tenor: Was für ein Talent!

Top-Klubs aus Deutschland und England sind interessiert

Maier sei ein „Juwel“, schwärmte auch Dardai – eines, das aus dem von ihm gerühmten „goldenen Jahrgang“ (Geburtsjahr 1999) noch herausrage. Dass das Eigengewächs vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit der Fritz-Walter-Medaille für die besten Nachwuchsspieler ausgezeichnet wurde, machte das Interesse nicht kleiner; dass Maier Anfang des Jahres einen Profivertrag unterschrieb, natürlich auch nicht. „Um Arne“, sagt Herthas U23- und Karrierecoach Ante Covic, „haben sich die Top-Vereine aus Deutschland und England bemüht.“

Wie man mit so vielen Lobeshymnen umgeht? So gelassen wie möglich, sagt Maier im Gespräch mit der Morgenpost: „Das ist ja erstmal ein schönes Gefühl, aber dass fünf, sechs Mal was in der Zeitung steht, ist ja keine Freikarte dafür, dass man Profi wird.“ Bei Hertha werden sie solche Sätze gern hören. An seinen fußballerischen Qualitäten zweifelt schließlich niemand, aber ob er auch die richtige Mentalität mitbringt? Das wird sich zeigen müssen. Gescheitert sind schon viele Supertalente – auch und gerade in Berlin.

„Er wurde schon ganz schön von außen gehyped“, sagt Herthas Co-Trainer Rainer Widmayer, „aber er muss noch einiges lernen und darf nicht die Spur verlieren.“ Fleißig bleiben, gierig bleiben – darum wird es gehen für Maier. Einfacher gesagt als getan. Die Gefahr, den Fokus zu verlieren, ist im Fußball ja nicht kleiner geworden, das viele Geld und die vielen Schulterklopfer können einem leicht den Kopf verdrehen. Man darf nicht vergessen: Maier ist erst 18, eigentlich noch ein A-Jugendspieler.

Bundesliga mit 18 – „ein Wahnsinnsgefühl“

Einer, der Maier auf der Schiene halten soll, ist Karrierecoach Covic. „Ich bin mir sicher, dass er das alles im Kopf verkraftet“, sagt der frühere Profi, „aber wo er auspendeln wird, werden wir sehen.“ Noch pendelt er sich ja gerade erst ein. In Schladming bestreitet er sein drittes Trainingslager bei den Profis, mit denen er seit diesem Jahr auch im Alltag trainiert. Inzwischen gehört er dazu, die Anerkennung ist gewachsen. Am vorletzten Spieltag der vergangenen Saison gab er sein Bundesliga-Debüt in Darmstadt – in den Schlussminuten gegen Darmstadt. Denkt er daran zurück, fangen seine Augen noch heute an zu funkeln: „Klar war ich vorher angespannt, aber auf dem Platz war die Nervosität sofort weg.“ Mit 18 in der Bundesliga – „ein Wahnsinnsgefühl“.

Die Frage, ob Maier schon in dieser Saison der Durchbruch gelingt, mag bei Hertha niemand beantworten. Angesprochen auf seine Stärken fallen die Stichworte hingegen wie auf Knopf-druck: starke Technik, Übersicht, Spielintelligenz und Beidfüßigkeit – zuletzt demonstriert in der eingangs skizzierten Übung in Schladming. Zudem zeichnet Maier sein Offensivdrang aus. Bei jedem Ballkontakt orientiert er sich umgehend nach vorne, sucht die Lücke für den Pass in die Tiefe, statt quer zu spielen. „Wir haben in unserer Akademie den Leitsatz ‚Tiefe vor Breite‘, und Arne ist dafür unser Paradebeispiel“, sagt Covic.

Das mit der Tiefe klappt also schon mal ganz gut, nun aber soll Maier in die Spitze vorstoßen, ins Bundesligateam. Neun Jahre lang hat Hertha ihm im Nachwuchs den Weg gezeigt, und Maier ist ihn zielstrebig gegangen – so wie auf dem Trainingsplatz durch die Stangen und Leuchtsignale. Nun wird das Wunderkind flügge. Er hat seine erste eigene Wohnung bezogen, den Führerschein gemacht und wird im Januar sein Fachabitur in der Tasche haben. Maier ist bereit. Ob mit Hype oder ohne scheint ihm egal. „Eigentlich“, sagt er, „will ich nur Fußball spielen.“